„Alte Säcke“ aus Neuenrade suchen Nachwuchs

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Die Volleyball-Senioren des TuS Neuenrade suchen noch Verstärkung. Gespielt wird immer freitags in der Sporthalle über dem Hallenbad.

Neuenrade – „Volleyball macht Spaß“, sagt Manfred. Dass er 80 Jahre alt ist, ist ihm kaum anzusehen.

Ob er es nicht einmal langsamer angehen möchte? Er verdreht die Augen. „Spazieren gehen kann ich auf dem Kohlberg“, sagt er süffisant und greift nach dem Ball, um weiter zu spielen mit seinen Teamkollegen der Alt-Herren-Abteilung des TuS Neuenrade. 

Zu elft sind sie, wenn sie sich außerhalb der Schulferien freitags in der Sporthalle über dem Hallenbad an der Niederheide treffen. Manfred ist der Älteste. Drei andere aus der Truppe werden allerdings im kommenden Jahr auch 80. Drei sind allerdings auch noch jünger als 60, einer gar erst 49. Dem machen die anderen schon mal freiwillig Platz, wenn er durch die Halle läuft. Zusammengerechnet bringt es die Alt-Herren-Riege stolze 764 Jahre. 

Nach jedem Training geht es an die Theke

Der Umgangston ist frotzelnd, die Sprüche können auch mal derb sein. Die WhatsApp-Gruppe der Volleyballer trägt den Namen „Alte Säcke“. Nach jedem Training freitags von 20 bis 22 Uhr ziehen sie weiter an die Theke, hin zum Bier. „Wir sind hier nicht verbissen. Wir sind alles keine großen Techniker und nicht übertrieben ehrgeizig“, sagt einer. Alle anderen nicken. 

An einem Ligabetrieb nehmen sie nicht mehr teil. Gelegentlich stehen Partien gegen andere Alt-Herren-Mannschaften an. Doch auch dann steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund für sie. 

Punkte nach einem besonderen System

Das zeigt auch folgendes Trainingsdetail. Nachdem Reinhard, der ehemalige Sportlehrer, alle beim Warmmachen angeleitet hat, spielen sie Volleyball. Dabei verteilen sie nach einem eigenen System Punkte. Am Ende des Abends steht die Rangfolge fest. Ein verschlossener Umschlag, den jedes Mal ein anderer aus der Mannschaft vorbereitet, beinhaltet eine Platzierungs-Nummer. Wer die an dem Abend erkämpft hat, muss beim abschließenden Bier eine Runde geben. Bei der jährlichen Weihnachtsfeier gibt es etliche Preise – unter anderem für denjenigen, der die meisten Male Erstplatzierter beim Training war, aber auch für den, der die meisten Runden geben musste. 

Einmal im Jahr wechseln sie die Sportart und steigen aufs Fahrrad. Bei einer Vier-Tages-Tour erkunden sie Strecken entlang der deutschen Flüsse. Die Touren organisiert mit Manfred der Älteste. Er ruht sich nicht in der zweiten Reihe aus, sondern geht immer noch voran. 

Kaffeekränzchen einmal im Monat

Und an jedem ersten Montag im Montag treffen sich die Alt-Herren-Volleyballer zum Kaffeekränzchen. Die Witze, die die älteren der Teilnehmer dabei erzählen, lassen die jüngeren nicht selten erröten. Wie gesagt: Vornehm zurückhaltend ist keiner aus der Gruppe. Der Umgang miteinader ist hart, aber herzlich. 

Aktuell sucht die TuS-Abteilung noch Mitstreiter. Diese brauchen nur Knieschoner und Spaß an der Freude. Besondere sportliche Fähigkeiten hätten sie alle nicht. „Jeder von uns behauptet, die Unsportlichkeit in Person zu sein“, ermuntern sie potenzielle Mittäter schmunzelnd Wer Lust hat, dazu zu stoßen, kommt einfach freitags in die Halle.

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