Ein allerletztes Mal spricht Schmölen Jochen

Ludger Heitmann gab die letzte Vorstellung seiner Abschiedstour und verkaufte gleich seine Bühnenkleidung.

NEUENRADE ▪ Der finale Auftritt von Schmölen Jochen war gleichzeitig ein Heimspiel: Freitag stand das Sauerländer Original auf der Bühne der Bärenhütte in Neuenrade. Dort präsentierte er „Gezz isses auch genuch“ und getreu dieses Mottos beendete Ludger Heitmann mit dem letzten Applaus die Karriere von Schmölen Jochen. „Man muss seine Prioritäten auch mal neu setzen“, nennt Heitmann neben der Gesundheit einen weiteren Grund für sein Aufhören.

Die Fotografie stehe mittlerweile bei ihm im Vordergrund, zumal er ja auch noch normal arbeiten ginge. „Das ist unheimlich viel Arbeit“, so Heitmann über sein Kabarett-Programm, „und die vielen Vorarbeiten sieht niemand.“ Gewürdigt haben die rund 90 Gäste seine Show auf jeden Fall: Da wurde gejubelt, geklatscht, geschrien, getrampelt, skandiert – wenn auch mit Anleitung. So gab es Ekstase auf Befehl. „Wenn ihr ausrastet ist das gut“, so der überzeugte Pullunderträger, „gut für mich, für die Wilhelmshöhe, für Neuenrade, für den Märkischen Kreis, für Deutschland, für Europa“, gab Schmölen Jochen sich weltoffen. Derbe Spökes sind seine Markenzeichen, und seine Fans enttäuschte er nicht. Von „Müllers Egon und seine Frau: Mit de Erotik – wann war datt denn?“ bis hin zu der Hochrechnung, dass nur die 90 Anwesenden in Deutschland arbeitsfähig seien, führte Heitmann durch sein rund zweistündiges Programm.

Das Publikum dankte es ihm mit lautem, ehrlichem Gelächter. Auch Dr. Florian Kötenschrögler wusste einiges von Vier-Tierchen-Krankheit und spanischen Patienten zu berichten. Zu Wort kam diesmal ebenfalls Schmölen Jochens bester Freund Hennes – trotz Lampenfiebers: Dieser hat nun eine Freundin, mit der er sich „zofft wie die Kesselflicker“. Weil ihrer Meinung nach alle Männer wie guter Wein sind, sperrte sie ihren Angebeteten kurzerhand in den Keller. Natürlich setzt Hennes hier noch einen drauf: „Heiraten soll sie in weiß – weil alle Haushaltsgeräte weiß sind“, so seine einfache Schlussfolgerung.

Fest steht: Schmölen Jochen ist eine ehrliche Haut. Mit den Worten „Ihr wisst, ich singe ganz gerne und ihr wisst, ich kann es nicht“, läutete er mit aus dem Takt gefallenen Strophen die Pause ein. Aber: „Ich beherrsche hervorragend die Triangel“, warf sich der katholische Sauerländer in die Brust. Den „Freunden der Nacht“ gab er zudem noch mit auf den Weg, sie könnten sich durch seinen Auftritt vergewissern, dass er wirklich abhaue.

Seinen ersten Auftritt hatte Schmölen Jochen vor ziemlich genau elf Jahren: Am 25. September 2001 gastierte er in der Neuenrader Stadtbücherei. Monika Arens hatte ihn seinerzeit vorgewarnt – zu Lesungen kämen in der Regel nicht viele Leute, er solle sich also keine großen Hoffnungen machen. Letzten Endes kamen 150 Personen - „wir mussten damals schon Stühle für die vielen Besucher heranschleppen“, erinnert sich Ehefrau Tanja „Schatzi“ Heitmann. Der Eintritt für „Gezz isses auch genuch“ war frei; da Schmölen Jochen jedoch die Tage in den Urlaub fahren will, versteigerte er kurzerhand seine Kleidung. „Bis auf die Unterhose“, wusste er eine Grenze zu ziehen.

Von Anette Kemper

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