46-Jährige bittet um Hilfe

Alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern wäre fast auf der Straße gelandet

+
Der Gerichtsvollzieher kam auch zu der Neuenraderin mit ihren fünf Kindern. Wegen Mietrückständen wurde ihre Wohnung zwangsgeräumt.

„Ich hätte nie gedacht, dass man mit fünf Kindern auf der Straße landen könnte“, sagt die 46-jährige Neuenraderin (Name der Redaktion bekannt). Es fällt ihr schwer, die Tränen zurückzuhalten.

Neuenrade – Die Geschichte, die die fünffache Mutter zu erzählen hat, klingt wie die Vorlage für ein reißerisches Familiendrama, das im Privatfernsehen ausgestrahlt werden könnte. Um Nachteile für ihre Kinder zu verhindern, möchte sie anonym bleiben. 

Im vergangenen Jahr hatte sich die Neuenraderin von ihrem Ehemann getrennt. Über Probleme während ihrer Ehe möchte sie nicht sprechen. „Ich habe es nicht leicht gehabt“, sagt sie nur. Dass ihr Mann ihren Entschluss schließlich akzeptiert habe und aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sei, habe sie als eine große Erleichterung empfunden. „Wir haben vereinbart, dass er keinen Unterhalt zahlt, sondern stattdessen weiterhin für die Miete der Wohnung aufkommt.“ 

Vereinbarung nicht schriftlich festgehalten

Schriftlich sei das aber nicht festgehalten worden. Den Kontakt zwischen ihrem Mann und den Kindern habe sie nicht unterbinden wollen, deshalb habe sie auch nichts dagegen gehabt, dass ihr Mann weiterhin einen Schlüssel zur Familienwohnung – auch für den Briefkasten – besessen habe. 

Die Monate vergingen, die Familie schien sich an den neuen Alltag gewöhnt zu haben. Bis die 46-Jährige im August ein Schreiben aus dem Briefkasten fischte, das ihr den Boden unter den Füßen wegriss: „Darin stand, dass ich meine Miete seit einem Jahr nicht bezahlt hätte. Und, dass die Räumungsklage des Vermieters in vier Wochen vollstreckt wird. Von Mietschulden in Höhe von 9000 Euro war dort die Rede.“ Die fünffache Mutter war geschockt und verzweifelt. Sie beteuert: „Ich habe davon wirklich nichts gewusst. In all den Monaten habe ich nicht eine einzige Mahnung bekommen.“ Inzwischen ist die Neuenraderin überzeugt: „Mein Mann hat das alles geplant, um mir zu schaden. Er muss die Mahnungen heimlich aus dem Briefkasten genommen haben. Auch den Hausverwalter hat er einmal abgefangen, als er zu einem Gespräch kam. Da wusste ich aber natürlich nicht, worum es geht.“ 

Keinen Kontakt zum Vermieter

Nachdem sie das Schreiben erhalten hatte, habe sie versucht, Kontakt zum Vermieter aufzunehmen. Das sei aber nicht erfolgreich gewesen. Auch der Redaktion ist es nicht gelungen, die Hausverwaltung telefonisch zu erreichen. „Daraufhin habe ich mir eine Anwältin genommen“, berichtet die 46-Jährige. Doch auch die Expertin habe ihr nur bedingt weiterhelfen können. „Sie sagte mir, dass man die Zwangsräumung aufhalten kann, wenn es mir gelingt die Bescheinigung eines neuen Vermieters vorzulegen, die beweist, dass wir bald ausziehen.“ Gegenüber der Redaktion wollte sich die Rechtsanwältin nicht äußern. 

Innerhalb von vier Wochen eine Wohnung in Neuenrade zu finden, die Platz für sechs Personen bietet – das erschien der fünffachen Mutter unmöglich. Doch kurz vor Ablauf der Frist am 15. September hatte eine Freundin die rettende Idee: Sie brachte den Namen des Werdohler Immobilienmaklers Harun Cici ins Spiel. Dieser sagte sofort seine Hilfe zu, und bot an, die Familie in einer seiner Immobilien unterzubringen. „Warum sollte man in einem solchen Notfall nicht helfen? So etwas ist doch selbstverständlich. Im schlimmsten Fall wäre die Familie zerrissen worden, das darf man auf keinen Fall zulassen“, unterstreicht Harun Cici. Er verweist aber auch auf die Stadt Neuenrade, die es ihm erst ermöglicht habe, der Familie zu helfen: „Die Stadt ist eigentlich noch bis Ende Oktober Mieterin des Gebäudes, in dem sich die Wohnung befindet. Ohne die Zustimmung der Stadt hätte die Familie dort nicht einziehen können.“ 

Zwangsräumung konnte nicht mehr verhindert werden

Die 46-Jährige ist Harun Cici sehr dankbar. Doch die Zwangsräumung der bisherigen Wohnung habe trotz des Engagements des Werdohlers nicht mehr verhindert werden können, berichtet sie: „Am Vorabend habe ich seine Vermieter-Bescheinigung vorlegen können. Das war zu spät.“ Folglich musste die Neuenraderin am 15. September tatenlos zusehen, wie die Möbelpacker anrückten: „Wir durften nur noch das Nötigste zusammenpacken“, erinnert sie sich mit leiser Stimme. 

Die Mitarbeiter des beauftragten Unternehmens hätten das Hab und Gut der Familie in Kisten geschmissen und seien beim Abbau der Möbel nicht zimperlich gewesen. „Schränke und die Einbauküche sind zerkratzt und beschädigt, es fehlen Einzelteile, Leisten und Schrauben. Mein Sofa ist so dreckig, dass ich es nicht mehr sauber machen kann.“ Den Möbelpackern macht die Neuenraderin dennoch keinen Vorwurf: „Sie haben nur ihre Arbeit gemacht. Und wir haben ihnen so leidgetan, dass sie die Möbel bis in die neue Wohnung getragen haben. Dabei hätten sie alles nur vor die Tür stellen müssen.“ 

46-Jährige hat Geschehen noch nicht verarbeitet

Verarbeitet habe sie das Geschehene noch nicht, sagt die fünffache Mutter. Zumal der Berg ihrer Sorgen wächst: „Ich weiß nicht, ob das Jobcenter die Miete für diese Wohnung komplett übernimmt, ich weiß nicht, was mit den Mietschulden wird, und ohne Hilfe kommen wir auch hier nicht zurecht.“ 

Ihr neue Wohnung müsse dringend komplett renoviert werden, stellt die 46-Jährige fest. Doch dazu sei sie weder körperlich noch finanziell in der Lage. Die Neuenraderin sagt: „Ich war sicher sehr gutgläubig. Habe aber bewusst nie etwas Unrechtes getan. Und meine Kinder leiden sehr unter der Situation. Ich hoffe, dass meine Geschichte von Menschen gelesen wird, die bereit sind, uns zu helfen.“

Den Kontakt zu der fünffachen Mutter stellt die Redaktion gerne her: sv@mzv.net.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare