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Alkoholsucht mit Haschisch bekämpft

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Von: Thomas Krumm

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Puder auf Arbeitsplatte
Der Neuenrader hatte bei einer Kontrolle Amphetamin und Marihuana dabei. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / springfield

Keine Chance auf Aussetzung seiner Strafe zur Bewährung hatte ein 59-jähriger Neuenrader im Landgericht Hagen.

Letztlich nahm er seine Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Altena, das ihn am 21. September 2021 wegen zweifachen Drogenbesitzes und vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer vollstreckbaren Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt hatte, zurück. Innerhalb der kommenden zwei Jahre dürfte die Straßenverkehrsbehörde ihm außerdem keine neue Fahrerlaubnis erteilen.

Ohne Führerschein und mit Amphetamin im Blut

14,6 Gramm Haschisch und vier Gramm Amphetamin hatte die Polizei in seinem Auto bei einer Kontrolle am 19. März 2021 gefunden. Am 3. Juli 2021 hatte er auf der Derwentsider Straße in Werdohl fünf Gramm Marihuana und 6,4 Gramm Amphetamin dabei. Dazu kamen Straßenverkehrsdelikte: Fahren ohne Fahrerlaubnis und mit Amphetamin im Blutkreislauf.

Die Voraussetzungen, mit der Berufung etwas zu erreichen, standen schlecht: Der Angeklagte erklärte, dass er seit 30 Jahren Haschisch konsumiere und dass er dadurch seine Alkoholsucht dauerhaft in den Griff bekommen habe. Eine Selbsttherapie, die das Strafrecht vielleicht nicht mehr allzu lange sanktioniert.

Alternative zu Alkohol

Im Amtsgericht kam all das nicht gut an. Weil der Angeklagte kurz vor dem erneuten Amtsgerichtstermin wegen ähnlicher Delikte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, galt er als „Bewährungsversager mit erstaunlicher Rückfallgeschwindigkeit“. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine vollstreckbare Haftstrafe, Verteidiger Martin Düerkop eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant kiffe „seit Jahrzehnten“. Für ihn sei es eine Alternative zum Alkohol, die unglücklicherweise aufgrund der bestehenden „Geisteshaltung in der Gesellschaft“ sanktioniert werde. „Das ist nichts, was jemanden ins Gefängnis bringen müsste.“

Einschlägige Vorstrafen

Die Vorsitzende Richterin der Berufungskammer des Landgerichts und ihre beiden Schöffen sahen angesichts zahlreicher einschlägiger Vorstrafen jedoch wenig Spielraum für eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung: „Wir haben das vorberaten. Nach Aktenlage sieht das nicht gut aus. Es spricht wenig dafür, von einer positiven Sozialprognose auszugehen.“

Und so nahm der Verteidiger des Neuenraders nach Beratung mit seinem Mandanten die aussichtslose Berufung zurück.

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