Neuenrade ohne Aldi: Filiale schließt heute „für immer“

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Neuenrade wird ohne Aldi auskommen müssen. ▪

NEUENRADE ▪ Am Freitag endet eine Ära: Fast 40 Jahre war der Aldi-Markt eine feste Discountergröße in Neuenrade. Am 20. November 1973 öffnete der Markt als einer der ersten im Märkischen Kreis an der Bahnhofstraße 16 seine Pforten – nun hängt seit Wochen ein auffälliger grüner Zettel an Ein- und Ausgang, der trocken präzisiert: „Dieser ALDI-Markt wird am Freitag, 31.08.2012 um 20:00 Uhr für immer geschlossen.“

Die Kunden schlendern an den letzten Tagen etwas wehmütig durch die Gänge des 580 Quadratmeter großen Gebäudes. „Jetzt bin ich hier so lange einkaufen gegangen, das ist schon etwas komisch“, schüttelt ein Kundin den Kopf. Andere stimmen ihr zu: „Das ist nicht schön, ich bedauere es.“ Auch die Gespräche zwischen Kunden und Mitarbeitern drehen sich ausschließlich um die heutige Schließung. Fest steht: Die Kunden sind traurig, die Mitarbeiter auch. „Das ist nun Geschichte. Tja“, sagt ein Mann an der Kasse. Dann bezahlt er seine Waren; etwas Seife, ein Brot, was man eben so zum Leben braucht, und sagt im Hinausgehen: „Dann ist in Neuenrade nicht mehr viel los.“

Der Parkplatz ist voll, einige Regale indes bereits leer. Ein letztes Mal werden gefüllte Einkaufswagen aus dem Albrecht-Discount in Neuenrade geschoben – über die berühmt-berüchtigte Bodenwelle und den steilen Weg hinunter zum Parkplatz mit knapp 30 Parkboxen.

Einige Kunden kaufen beliebte Artikel auf Vorrat: eine Frau verlässt mit fünf Paketen Brot den Markt, eine andere mit einer Palette Joghurt. „Das muss man horten“, teilt sie sich ihre Lieblingsspeise ein.

Die nächstliegenden ALDI-Märkte in Werdohl, Dahle oder Balve müssen jetzt für die bevorzugten Produkte angepeilt werden. Ein Kunde sieht darin einen Vorteil – einen kleinen zumindest: „Im Gegensatz zu Werdohl oder Balve ist dieser Laden hier verhältnismäßig …“, findet er, und macht eine bedeutungsschwangere Pause, da er den Neuenrader Aldi für überholt und verbesserungswürdig hält.

Das hat letzten Endes auch den Ausschuss für die Schließung gegeben, wie Regionalleiter Thomas Pfeifer auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. „Es ist schade, weil wir einen langjährigen Standort verlassen müssen – aber wir müssen uns auch an die Gegebenheiten anpassen“, erläuterte Pfeifer. So habe man in Neuenrade nicht die Möglichkeit, geplante Vorhaben wie die stetige Erweiterung der Produktpalette adäquat umzusetzen. Rund 900 Quadratmeter bräuchte ein Aldi-Markt nun, um zum Beispiel den jetzt standardmäßigen Brotbackautomaten mit in das Angebot zu integrieren. „Wir können die Neuerungen dort nicht umsetzen“, bedauerte der Regionalleiter weiter, „die Filiale war damals zeitgemäß – heute aber nicht mehr.“ So werde das Gebäude nach der Schließung in den Verkauf gehen, die restlichen Waren in den umliegenden Märkte verteilt.

Ein paar Lebensmittel hat sich Thavalingam Rajan jedoch noch kaufen können. „Die Schließung ist schlecht – wir kaufen hier oft ein. Das wird schwierig“, wirft er einen Blick in die Zukunft. Denn auch er ging – wie als einhellige Meinung vieler Neuenrader zu vernehmen ist – immer gerne bei Aldi einkaufen.

Annette Kemper

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