Affelner Mühle: Darum ist das Restaurant nur noch an drei Tagen geöffnet

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Martina Flöper ist Inhaberin der Affelner Mühle.

Affeln/Altenaffeln - Das Gastgewerbe ist eine schwierige Branche. Das eine oder andere Restaurant oder Bistro ist für ein paar Jahre auf dem Markt – und verschwindet dann wieder.

Viele Wirte halten nicht lange durch. Es ist harte Arbeit, die häufig dann geleistet werden muss, wenn andere frei haben. Es gibt häufig viel Gegenwind: Immer mehr Konkurrenz, personelle Probleme, neue Trends, die Politik, neue Vorschriften – wer hier erfolgreich sein will, der muss ein Konzept haben und vor allem mit Herzblut bei der Sache sein. 

Und eben mit Herzblut dabei ist Martina Flöper, die Inhaberin der Affelner Mühle, einem Traditionsbetrieb der 1955 gegründet wurde. Die 62-Jährige führt seit mehr als 30 Jahren ein Restaurant von tadellosem Ruf. Organisatorisch modern und auf der Höhe der Zeit. Per Handy bezahlen, das ist in der Affelner Mühle kein Problem. Martina Flöper stemmt Küche und Management alleine, sie ist Einzelkämpferin, unterstützt einzig von einem Team von Aushilfen. Investiert hat sie auch – in die komplette Renovierung des Biergartens. 

Probleme durch die Straßensperrung

Probleme bekam sie, als die Straße von Affeln nach Plettenberg saniert und dafür ein gutes dreiviertel Jahr gesperrt wurde: Viele Stammgäste konnten ihr Restaurant nur noch unter erschwerten Bedingungen erreichen, die Planung wurde unter der Woche schwierig. Das Plettenberger Stammpublikum fiel aus. Wochentags zu kalkulieren, war kaum mehr möglich. Wurde Personal geordert, fehlten die Gäste und umgekehrt. Lebensmittel wurden eingekauft, aber es kamen nicht genug Leute. Ohnehin sei das Geschäft nicht einfacher geworden: „Landflucht, der demografische Wandel, zudem gehen viele gezielt essen und nicht mehr spontan, das Geld sitzt nicht mehr so locker für die Gastronomie“, erläutert Flöper die Hintergründe. 

Dass nun wochentags vor allem wegen der Straßensperrung die Gäste ausblieben, war in gewisser Art und Weise auch hilfreich: Flöper sah, dass die Geschäfte am Wochenende eben das Salz in der Suppe sind – so entschied sie sich, ab 1. August die Affelner Mühle nur noch am Wochenende zu öffnen. 

Die neuen Öffnungszeiten

Zur Verfügung steht das Flöper-Team dann freitags ab 15 Uhr, warme Küche ab 17 Uhr bis 20 Uhr; samstags, ab 15 Uhr, warme Küche ab 17 Uhr bis 20 Uhr; sonntags, Mittagstisch von 11.30 Uhr bis 13.30 (Menükarte), warme Küche (Abendkarte) ab 17 Uhr bis 20 Uhr. Auch das Waffel- und Kuchenangebot gibt es weiterhin.

„Die Stammkunden zeigen Verständnis, sie verlegen ihre Termine dann aufs Wochenende“, so Flöper. Ausnahmen will sie zulassen: Den 80. Geburtstag mache sie nach Absprache auch an den anderen Tagen. 

Vorbereitung auf den Ruhestand

Zudem: Martina Flöper will sich langsam auf den Ruhestand vorbereiten. „Ich will nicht unbedingt noch mit 70 Jahren im Restaurant stehen.“ Dabei stellt sie sich einen langsamen Abschied von der jetzigen Form des Betriebes vor. Wie auch immer das Konzept am Ende aussehen mag, sie ist optimistisch, dass dieser langsame Abschied gelingt. Da sei sie kreativ. 

Dass der Betrieb von einem ihrer Kinder übernommen wird, scheint dabei unwahrscheinlich. „Sie sind in anderen Berufen angekommen“, sagt Flöper. Martina Flöper hatte als junge Frau ursprünglich auch ganz andere Pläne. Sie wollte Lehrerin werden und hat das 1. Staatsexamen in der Tasche. Doch das Restaurant ihrer Eltern ließ die junge Frau nie los, schon als Jugendliche half sie mit. So entschied sich die junge Frau Flöper im Alter von 30 Jahren den Betrieb 1987 zu übernehmen. Martina Flöper („Ich bin ein kommunikativer Mensch“) lässt durchblicken, dass es doch das Führen eines Restaurants mit all seinen Freuden wie zufriedenen Gäste und den Gestaltungsmöglichkeiten war, was sie begeistert hat. 

Ihr mit Herzblut geschriebenes Restaurantkonzept fußt auf einer abwechslungsreichen Speisekarte, natürlich auch vegan oder vegetarisch. „Ich koche alte Hacke – frische Lebensmittel, aufwendig“, erklärt Flöper. Und sie hat das Bestreben, es „den Gästen so angenehm wie möglich zu machen“. Dazu gehören für sie weiße Tischdecken und abwechslungsreicher Blumenschmuck – auch in der Außenanlage. 

Regelmäßige 14-Stunden-Tage

Die Arbeitsintensität bei einem 14-Stunden-Tag gehört ebenfalls zum Konzept. Damit alles reibungslos funktioniert, sei der feste Rhythmus wichtig, denn nur so könne das Restaurant funktionieren. Buchhaltung, Lohnzettel schreiben, Kalkulation – auch das macht sie alles selbst. Wichtiger Teil des Ganzen ist ihr Service-Team. Auch das hat gut zu tun, vor allem wenn im neuen Biergarten viel los ist. 

Sie habe ein tolles Team, aber es sei schwierig einen Plan zu bauen – eben weil die Servicekräfte das nebenbei machen würden. Wichtig sei auch eine persönlich gute Konstitution, um den Stress und die wenige Freizeit auffangen zu können. So hält Flöper sich fit, wandert zur Kracht und erfreut sich „am wunderbaren“ Sauerland. „Ein Traum ist das, so schön ist das hier.“

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