Affelner Eichen für Rekordsumme verkauft

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Revierförster Frank Bossong vor den gut 180 Jahre alten Eichenstämmen auf dem Lagerplatz in Münster.

Affeln - So viel Geld hat die Stadt Neuenrade noch nie mit Holz gemacht: Bei einer Versteigerung erzielte sie mit sieben Eichen ein Rekordergebnis. 

Neuenrader Eichenstämme aus dem Affelner Waldgebiet Mormke haben bei einer Holzversteigerung in Münster ein Rekordergebnis erzielt: 24,5 Festmeter wurden insgesamt verkauft, 19 Festmeter stammen dabei aus dem 300 Hektar umfassenden städtischen Waldbesitz. Mit den Festmetern aus Neuenrade-Affeln habe man einen der besten Preise erzielt, sagte der zuständige Revierförster in Affeln, Frank Bossong. Die Stadt Neuenrade erwirtschaftete rund 10 000 Euro. Der Durchschnittspreis lag demnach bei 550 Euro pro Festmeter. 

Am besten ohne Äste

Sieben Stämme aus Neuenrader Besitz wurden verkauft, drei große Stämme stammten aus Privatbesitz. „Sie zeichnen sich durch ihre starke Dimension aus und haben keine Äste“, sagte Bossong. 

Das Alter der Bäume schätzte er auf etwa 180 Jahre. Um das Jahr 1840 wurden die Eichen demnach gepflanzt. In dem Jahr heiratete die damalige britische Königin Victoria Prinz Albert von Sachsen-Coburg. Gotha, das britische Kolonialreich wurde ausgebaut, und der deutsche Maler Carl Spitzweg kreiert einige seiner berühmten Gemälde, unter anderem „der arme Poet“. 

Holz für edle Outdoor-Tische

Nun, 180 Jahre später, kauften Möbelfabrikanten und Schnittholzproduzenten die Affelner Eichen, die gut sieben bis acht Meter lang waren. Ein Käufer baut Möbelsysteme oder von einem Designer konzipierte, innovative Tischböcke. Andere wiederum produzieren hochpreisige Outdoortische aus Eichenholz. 

Schwer zu verkaufen: Stämme mit vielen Ästen.

Die Veranstaltung in Münster-Wolbeck, bei der es ausschließlich um Wertholz wie Eichen- und Buntlaubholz geht, ist eine der großen Holzversteigerungen ihrer Art. Gut 2000 Festmeter lagen dort auf dem Platz. Viele Stämme würden dabei direkt aus dem Münsterland kommen, aber eben auch ein paar Eichenstämme aus dem Sauerland. Aus Ostwestfalen kommen überwiegend Buchenstämme. Und aus dem Sauerland in der Regel Fichte, erläuterte Bossong die Hintergründe. 

Knallharte Kalkulation nötig

All die Stämme sind durchnummeriert und können vorher besichtigt werden. Dann werden sie live versteigert. Trotz der guten Preise muss der Förster hart kalkulieren. Die Transportkosten dürfen nicht zu hoch sein: „Sonst rechnet es sich nicht.“ So sind Förster in gewisser Weise auch Kaufleute. 

Nicht nur die Affelner waren in Münster. Wie Bossong berichtete, habe das Regionalforstamt mehr als 70 Festmeter angeboten. Zum Affelner Laubwald sagte er: „Wir mussten insgesamt den Bestand durchforsten, um das Wachstum zu fördern.“ Denn nur Baumkronen, die sich ordentlich ausbreiten können, dienten dem Zuwachs und der Vitalität des Baumes. „Die leben dann länger und sind auch wertvoller.“ Das Laubholz habe man in der Vergangenheit jedoch stiefmütterlich behandelt. 

Borkenkäfer senkt Preise

Der Verkauf sei auch nötig geworden, weil hohe Einnahmen mit Fichten wegen des Borkenkäfers und der Schäden schwer zu generieren seien. Da müsse man auf andere Baumarten ausweichen. Doch auch diese kämpfen mit Schädlingen: Der Eichenprozessionsspinner habe bedingt eine Rolle gespielt. 

Grundsätzlich denken Revier-Förster bei ihrer Arbeit über Zeiträume, die weit über das Lebensalter eines Menschen hinausgehen. „Eine Menschengeneration ist hier kein Maßstab.“ Sogar ein Nadelbaum, außer Fichte, benötige schon 80 bis 100 Jahre, Laubbäume 120 bis 130, Eichen gar 160 bis 180 Jahre, bis sie sozusagen erntereif seien. Zudem gelte es zunehmend, bei Neuanpflanzungen auch den Klimawandel zu berücksichtigen. 

Mischwälder sind robuster

Der Trend gehe Richtung Mischwald. Heißt: Vier bis fünf Baumarten anpflanzen, um das Risiko zu verteilen und zu minimieren. Es gelte Baumarten zu nehmen, die mit Trockenphasen oder Sturm gut zurechtkommen.

Von Peter von der Beck

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