Kurioses und Verrücktes bei der Affelner Altarmusik

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Affeln - Ein hochklassiges, anspruchsvolles, abwechslungsreiches und berührendes Orgelkonzert mit Helmut Schröder erlebten die Besucher der Affelner Altarmusik am Sonntagnachmittag in der katholischen Pfarrkirche St. Lambertus.

Beim Verlassen des Gotteshauses unterhielten sich die Besucher über das Gehörte. „Solch ein Konzert ist doch eine angenehme Möglichkeit, neue Stücke zu hören und sich daran zu gewöhnen“, sagte eine von ihnen.

Bevor sich Schröder an die Orgel setzte, trat er vor seine Zuhörer und sagte: „Ich wünsche Ihnen viel Spaß – mir auch und dass ich nicht allzu oft daneben lange.“ Diese Sorge war unbegründet. Der Hagener Musikschulleiter und studierte Pianist ist auch Dozent an verschiedenen Hochschulen. Am Sonntag in Affeln unterstrich er seine Klasse.

Die Altarmusik begann mit Auszügen aus der „Messe Solemnelle“ von Francois Couperin. Die „Feierliche Messe“ von Couperin, der von 1668 bis 1733 lebte, so erklärte Organist Schröder, sei stark beeinflusst von dessen Zeitgenossen Johann Sebastian Bach (1685 - 1750).

Helmut Schröder gestaltete die Altarmusik am Sonntag in St. Lambertus.

Weiter ging es von Frankreich nach Norwegen. Der zeitgenössische Komponist Jon Laukvik schrieb 1986 die Suite „Lein neu - Recht - Grand jeu“. Schröder erläuterte: „Ein Kuriosum daran ist, dass Laukvik hier mit Blues- und Jazz-Elementen experimentierte.“ Im Mittelteil der Suite meinte man in der Affelner Kirche zu hören, wie eine Wolkendecke aufriss und die Sonne durchbrach.

Die Altarmusik setzte sich fort mit „Le Jardin Suspendu“ von Jehan Alain. Der Franzose lebte von 1911 bis 1940 und hatte mit diesem Werk nach Einschätzung von Schröder „sehr meditative Musik“ geschrieben. In der Tat könnte diese Komposition im Horrorfilm ein drohendes Unheil ankündigen, auch wenn die Übersetzung des Titels lediglich „Der Hängegarten“ bedeutet. 

Dann folgte Johann Sebastian Bach selbst: „Piece d’Orgue in G-Dur“ aus der Kantate Nr. 146 kündigte Schröder als „sehr verrücktes Stück für Bach“ an. Die Komposition, welche auch den Untertitel „Wir müssen durch viel Trübsal“ trägt, wirkte tatsächlich für den Meister des Barock ungewöhnlich ungestüm und ungeschliffen. Mal jubilierten die Klänge erwartungsvoll, dann wieder präsentierten sie eine gedämpfte Stimmung voller Zweifel.

Nach einem ersten Zwischenapplaus spielte Schröder noch „Präludium und Fuge D-Dur“ – ebenfalls von Bach. Es folgte ein weiterer Applaus mit vereinzelten stehenden Ovationen. Und ein paar Zuschauer bedauerten, dass „das Konzert so kurz“ gewesen sei. Die anderen hatten viele neue Eindrücke zu verarbeiten.

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