Alfons Rohrmann baut Schützenvögel in 4. Generation

Da fliegen die Späne: Alfons Rohrmann beim Drechseln des mehrfach verleimten Adler-Körpers. - Foto: Michels

Neuenrade - Das Affelner Schützenfest steht wieder kurz bevor und die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Doch was ist mit den Menschen, die im Hintergrund mitwirken und von denen kaum jemand weiß. Alfons Rohrmann ist einer dieser Menschen, ohne den der Schützenfestsonntag ins Wasser fallen würde. Denn er ist der Vogelbauer.

Seit seinem 14. Lebensjahr interessierte sich der Affelner bereits für jedwede Holzarbeiten. In der Stummelstraße (wo er auch heute noch wohnt) war früher eine Stellmacherei/Wagenbau in der schon sein Urgroßvater Wilhelm Rohrmann den Schützenfestvogel gedrechselt hat.

„Bereits in der vierten Generation wird der Aar von uns gebaut“, so Rohrmann, „ich kann mich nicht entsinnen, dass dieser jemals woanders gedrechselt wurde.“ Anfangs, seit Bestehen der Bruderschaft, wurde lediglich ein grobes Stück Holz zurechtgeschnitten und mit Blumen behangen, doch ab 1930 wurden die Insignien nach einem zur Verfügung gestellten Bauplan hergestellt. Die Insignien sind das Zepter, die Krone, der Reichsapfel und die Flügel, die am Vogel befestigt sind.

Während der Kriegszeit gab es keine Schützenfeste. Erst danach, seit 1948, wurde der Aar wieder an der Stummelstraße gedrechselt. Seit 50 Jahren nun übernimmt Alfons Rohrmann gerne diese Aufgabe und hat schon über 60 Schützen-Aare hergestellt. Am Anfang belief sich seine Arbeitszeit auf 40 Stunden, doch mittlerweile hat er Routine bekommen und kommt mit 20 Arbeitsstunden aus. In diesem Jahr hat er im Mai bereits mit der Arbeit begonnen.

Es gab auch schon Jahre, in denen er mehrere Vögel bauen musste, wie zum Beispiel für Jubelschützenfeste. Doch leider gab es im Jahre 1991 eine unschöne Situation, in der der Vogelbauer vor eine große Herausforderung gestellt wurde. Der Affelner Schützenvogel wurde in der Nacht vorm Vogelschießen von der Stange gestohlen, doch einige aufmerksame Bewohner bemerkten noch rechtzeitig das Fehlen des Aares. Rohrmann musste auf die Schnelle einen neuen Vogel zaubern.

 Es war keine Zeit für Details und Insignien. Innerhalb von vier Stunden wurde provisorisch ein Korpus geschnitzt, und das Vogelschießen konnte stattfinden. Nach dem Schützenfest wurde der alte Vogel unter dem Auto-Scooter wiedergefunden. Seitdem ist der Vogel zusätzlich gesichert, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann. Einen Vogel herzustellen ist recht aufwändig: „Als erstes wird der Korpus gedrechselt, dass ist gar nicht so einfach, denn dieser muss mehrfach verleimt werden, damit er den Schüssen auch standhält“, erläutert Rohrmann, „Flügel, Schnabel und Beine werden mit Dübeln angesetzt und anschließend werden die Insignien angeschraubt.“

Zum Schluss bemalt er den Körper mit Liebe zum Detail. „ In diesem Jahr habe ich ihm sogar passend zur Fußball WM eine Deutschlandfahne aufgemalt“, freut er sich. Die Insignien werden in Affeln auch mit Geld prämiert, das soll die Mitglieder der Schützenbruderschaft reizen, mitzuschießen. Diese Tradition wurde vor vielen Jahren eingeführt, als die Anwärter für das Vogelschießen stark zurückgingen.

Für die Herstellung des Aares wird seit 15 Jahren nur noch Fichtenholz eingesetzt. „Früher wurde Birkenholz benutzt“, so der Vogelbauer, „doch da es ein Hartholz ist und die Sorge bestand, das Holz könne splittern oder das Geschoss zurückprallen, wurde diese Vorsichtsmaßnahme eingeführt.“

Auch in diesem Jahr wird er den Vogel wieder selbst festschrauben und sichern. Solange wie Alfons Rohrmann gesundheitlich fit bleibt wird er den Vogelbau weiter ausüben, doch danach wird dieses Amt wohl anderweitig vergeben. -  von Andrea Michels

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