Ärztliche Versorgung: Dr. Khoury findet Nachfolger

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Dr. Akram Khoury (rechts, 78) möchte in Rente gehen. Er ist Chirurg und Allgemeinmediziner. Dr. Torsten Schulz aus Plettenberg (52) übernimmt den chirurgischen Teil in einer eigenen Praxis.

Neuenrade - Dass es um die ärztliche Versorgung in Neuenrade nicht gut bestellt ist, ist kein Geheimnis. Ein Funktionär der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nannte die Stadt im September noch die „hausärztlich älteste Gemeinde in Westfalen-Lippe“. Jetzt deutet sich aber eine kleine Besserung an.

Denn Dr. Akram Khoury, Chirurg und Allgemeinmediziner an der Bahnhofstraße, ist zuversichtlich, endlich seine Nachfolge regeln zu können. Der Anfang ist mit einem für die Neuenrader nicht mehr ganz unbekanntem Gesicht bereits gemacht: Seit Anfang des Jahres hat Dr. Torsten Schulz, Chirurg aus Plettenberg, in dem Haus an der Bahnhofstraße seine Praxis. An ihn gibt Dr. Khoury den chirurgischen Teil seiner Arbeit bereits jetzt ab. „Jeder hat aber seine eigene Praxis“ betont er. „Wir teilen uns nur den Eingang.“ Mit im Haus ist außerdem Dr. Wolfgang Ermes, der 2011 mit seiner Praxis ebenfalls von Plettenberg nach Neuenrade zog. 

Bereits am 2. Januar konnte Dr. Schulz in die Praxisräume an der Bahnhofstraße einziehen. Zuvor hatte er dort seit etwa einem Jahr eine Filialpraxis in der er allerdings nur Beratungen und Untersuchungen durchführen durfte. Insgesamt arbeiten die beiden Chirurgen schon seit fünf Jahren zusammen. 

Genehmigung der KV im Dezember erhalten 

Der 52-Jährige Dr. Schulz war bis 2012 leitender Oberarzt der Chirurgie im Attendorner Krankenhaus. Seit dem 11. Januar 2012 hatte er seine eigene chirurgische Praxis am Grafweg in Plettenberg. Diese ist nun seit Anfang des Jahres geschlossen. 

Dass der Wechsel nach Neuenrade so kurzfristig über die Bühne ging, liegt laut Schulz an der Kassenärztlichen Vereinigung. Nachdem er bereits im Juli einen Antrag gestellt hatte, erteilte die KV ihre Genehmigung zu der Praxis in Neuenrade am 22. Dezember. „Wegen der Dringlichkeit ging das sehr schnell“, weist Dr. Khoury darauf hin, dass ein solches Verfahren auch gerne deutlich länger dauern kann. 

Röntgen-Anlage in der Praxis

In Neuenrade übernimmt er nun neben den Operationsräumen von Dr. Khoury auch die Röntgen-Anlage. „Die Praxis ist im Umkreis die einzige, die auch röntgen kann“, sagt Schulz. Er bietet in Zukunft hauptsächlich Hand- und Fußchirurgie mit örtlicher Betäubung oder Vollnarkose an. Geplant ist außerdem auch ein Ausbau der OP-Möglichkeiten. „Ich möchte auch Gelenkspiegelungen anbieten und das Spektrum insgesamt erweitern“, sagt er. Geöffnet hat die Praxis offiziell ab dem 21. Januar. In dringenden Notfällen ist sie aber bereits erreichbar. 

Dr. Khoury wird währenddessen seine Praxis weiterhin öffnen. Seit mittlerweile acht Jahren versucht der 78-Jährige in den Ruhestand zu gehen und besucht regelmäßig die Börse der Kassenärztlichen Vereinigung. „Es hilft nur, selber aktiv zu werden“, weiß er. Und nun scheint es, als würden seine Mühen belohnt. 

Übergabe schon Mitte des Jahres?

„Sie können schreiben, Dr. Khoury hat endlich jemanden gefunden, der seinen Platz übernimmt“, verkündet er stolz. Einen Namen möchte er allerdings noch nicht nennen. Viel zu oft seien mögliche Kandidaten wenige Wochen und manchmal sogar Tage vorher abgesprungen. Mehr als sieben seien es definitiv gewesen, die seine Praxis hätten übernehmen sollen. 

Die Arbeit in einer kleinen Stadt sei häufig nichts für sie gewesen, erzählt Khoury. Für ihn bedeutete das, auf den Ruhestand zu warten. Die Praxis ohne Nachfolge zu schließen kam nicht in Frage. „Wenn die Patienten zufrieden sind, ist alles gut“, sagt er. 

Praxis 1983 eröffnet

Stimmt die Kassenärztliche Vereinigung zu, könne sein Nachfolger bereits Mitte des Jahres übernehmen, bis dahin werde ihm der 78-Jährige zur Seite stehen. Seine Praxis eröffnete Dr. Akram Khoury am 1. April 1983. Davor war er einige Jahre Oberarzt im Krankenhaus in Werdohl. Im Jahr 1997 erweiterte er seine Praxis um einen Operationsraum. 

Dass er neben seinem eigentlichen Arbeitsfeld, der Chirurgie, auch Allgemeinmediziner ist, ist auf die Kassenärztliche Vereinigung zurückzuführen. „Die sagte damals, der Ort Neuenrade ist zu klein und ich sollte auch Allgemeinmedizin anbieten“, erklärt Khoury.

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