Massive Kritik der FWG

Ärger um MVZN: Bürgermeister zeigt sich fassungslos

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Die Sitzung des MVZN-Verwaltungsrates fand am Mittwoch im Saal des Hotels Kaisergarten statt.

Neuenrade – Dass das Medizinische Versorgungszentrum Neuenrade (MVZN) in der Kritik steht, ist nicht neu.

Doch während der Sitzung des Verwaltungsrates am Mittwoch im Kaisergarten gingen Heinz Friedriszik und Bernhard Peters als Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft Neuenrade (FWG) ganz massiv den gesamten Vorstand an – und den ärztlichen Leiter Michael Beringhoff. 

Im Nachtragshaushalt 2020 hatte Vorstand Gerhard Schumacher ein Defizit in Höhe von circa 79 700 Euro ausgewiesen – das tatsächlich aber geringer ausfällt: Schumacher erklärte ausführlich, dass die Einstellung der neuen Ärztin – Mohana Thayapararajah gehört seit dem 1. Mai zum MZVN-Ärzteteam – und einer weiteren Arzthelferin zwangsläufig zu höheren Personalkosten führen würden. Den Zuschuss der Kassenärztlichen Vereinigung für die neue Medizinerin in Höhe von 50 000 Euro könne er buchhalterisch jetzt aber noch nicht berücksichtigen, sondern erst in drei Jahren. „Außerdem habe ich auf der Ertragsseite sehr vorsichtig kalkuliert“, stellte Schumacher fest, dass viele Patienten coronabedingt seit Wochen sehr zurückhaltend seien und sich das auch auf das MVZN auswirke. 

Vorsorgeuntersuchungen "komplett eingebrochen"

Das bestätigte Michael Beringhoff: „Vorsorgeuntersuchungen sind komplett eingebrochen.“ Jetzt laufe der Praxisbetrieb langsam wieder an. „Aber niemand kann vorhersehen, was noch kommt“, warnte Schumacher vor verfrühtem Optimismus. 

Peters ignorierte diese Erklärungen und hielt dagegen: „Wenn man Personalinvestitionen tätigt, verspricht man sich doch auf der Einnahmenseite etwas davon.“ Vorstandsmitglied Daniel Wingen konterte: „Wir können froh sein, dass es uns gelungen ist, eine weitere Ärztin zu gewinnen.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mark Hantelmann ergänzte: „Dass die Ärztin nicht alle Patienten gleich mitbringen kann, ist ja wohl offensichtlich.“ 

Kündigung: Vorstand war informiert

SPD-Ratsherr Thomas Wette wollte wissen, ob der MVZN-Vorstand gewusst habe, dass Michael Beringhoff einem Patienten gekündigt hat. „Ja, wir waren bereits vor der Entscheidung informiert“, erklärte Gerhard Schumacher. Ein Arzt habe das Recht der freien Patientenwahl, unterstrich er, dass sich der Vorstand genau erkundigt habe: „Nur in Notfällen gilt das nicht.“ Wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nachhaltig gestört sei, sei eine solche Entscheidung gerechtfertigt. 

Zudem sei der besagte Patient im MVZN grundsätzlich immer willkommen: „Er kann sich dort gerne von einer der Ärztinnen behandeln lassen“, so Schumacher. Die FWG-Mitglieder wollten sich damit nicht zufrieden geben: Das Verhalten des ärztlichen Leiters Michael Beringhoff schade dem Ruf des MVZN, es schrecke Patienten ab, stellten sie unisono fest. 

Alles "wahltaktische Gründe"?

Vorstandsvorsitzender und Bürgermeister Antonius Wiesemann zeigte sich angesichts der vielfältigen Vorwürfe fassungslos: „Es kann nicht wahr sein, was diesem Gremium und dem ärztlichen Leiter hier aus wahltaktischen Gründen vorgeworfen wird. Wir müssten doch froh sein, dass wir es geschafft haben, die medizinische Versorgung durch das MVZN zu sichern.“ 

Das stellte auch SPD-Mitglied Frank Bäcker fest: „Ich bin von uns allen enttäuscht.“ Auch die SPD hätte kritische Fragen gestellt und um Klärung einiger Sachverhalte gebeten. „Aber jetzt sollten wir die Parteipolitik endlich beiseite lassen, um eine vernünftige Versorgung aufzubauen. Das machen wir uns hier gerade alles selbst kaputt.“

Mehr zum Thema Medizinisches Versorgungszentrum lesen Sie hier.

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