Besonderer Besuch

Syrisches Mädchen bedankt sich beim Bürgermeister

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Maryam Asslan am Schreibtisch von Bürgermeister Antonius Wiesemann. In der Hand hält er den Brief, mit dem sich die Schülerin vorab bei ihm bedankt hat.

Neuenrade - Es war ein ganz besonderer Besuch im Büro des Neuenrader Bürgermeisters Antonius Wiesemann: Die achtjährige Maryam Asslan aus Syrien kam, um sich zu bedanken.

Es sind viele Menschen, die Bürgermeister Antonius Wiesemann in seinem Amtszimmer aufsuchen und Wünsche und Sorgen vortragen. Teilweise sind diese Vorsprachen von deutlicher und lauter Sprache begleitet.

Ein Dankeschön erreicht die Nummer Eins im Rathaus eher seltener. In dieser Woche bekam der Bürgermeister Besuch von Maryam Asslan.

Die Achtjährige musste mit ihrer Familie aus Rakkan / Syrien fliehen, seit zwei Jahren lebt sie in Neuenrade. Ihr Anliegen: „Ich wollte mich bei dem Bürgermeister bedanken, dass er mir und meiner Familie geholfen hat.“

Von Rakkan ging es über die Balkanroute

Im September 2015 erreicht die Familie Asslan mit Vater Samer, Mutter Hala, den beiden Söhnen Ali und Mohamed und der kleinen Maryam nach kurzer Ankündigungszeit Neuenrade. Vor dem IS ist die Familie aus dem in diesen Tagen wieder befreiten Rakkan geflohen.

Die Flucht über die sogenannte Balkanroute (Türkei, mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer nach Griechenland, weiter bis Deutschland) ist der kleinen Maryam nicht mehr so in Erinnerung wie ihren Brüdern, die mehr Zeit zur psychischen Aufarbeitung benötigten.

Am Anfang hatten die Asslans fast nichts

Dafür erinnert sich die Familie an das Neuenrader Rathaus. Die Asslans waren die erste syrische Familie, die in Neuenrade untergebracht werden musste. Damals war es – wie heute auch noch – Cedar Khoury, die mit ihrer perfekten Kenntnis der arabischen Sprache Verständigungsprobleme weitgehend ausräumen konnte.

Der Start in Neuenrade war nicht einfach. An der Eichendorffstraße wurden die Asslans untergebracht. Vergessen haben sie diesen Anfang nicht, als sie „mehr oder weniger auf einem Bettlaken“ saßen.

Maryam geht in Neuenrade zur Grundschule

Die Flüchtlingshilfe konnte der Familie dann jedoch nach und nach mit gespendeten Möbeln helfen. Der Alltag stellte sich langsam ein, die kleine Maryam fand in der Kita „Villa mittendrin“ neue Freunde, mittlerweile ist sie Schülerin der 2. Klasse der Neuenrader Grundschule.

Das kleine Mädchen ist im wahrsten Sinn des Wortes durchgestartet. Ihre sprachlichen Kenntnisse sind gut, die deutsche Rechtschreibung und Grammatik haben sich auf ihren schulischen Lernprozess überraschend positiv ausgewirkt und selbst vor der Mathematik hat sie keine Angst und kann „schon bis Hundert rechnen“, was ihr den Spitznamen „Rakete“ eingebracht hat.

Mittlerweile hat sie viele Freunde gefunden

Maryam ist zu einem fröhlichen Kind geworden. In der Schule hat sie „viele Freunde gefunden“, beim TuS Neuenrade wird geturnt und das Selbstbewusstsein der jungen Dame ist beachtlich.

Vor dem Besuch im Rathaus war es ein Brief mit aufgemaltem Herzchen, der an den „lieben Herrn Bürgermeister“ gerichtet war. Mit einer Rose und einem strahlenden Lächeln eroberte die kleine Maryam im Beisein ihres Vaters und der Übersetzerin Cedar Khoury den Bürgermeister.

Der Bürgermeister war sichtlich beeindruckt

Neuenrades erster Bürger war von so viel Dankbarkeit sichtlich beeindruckt. Noch vor dem Rathauseingang hatte er die kleine Gruppe in Empfang genommen und eine Stunde Gesprächszeit reserviert.

Das eigentliche humorige Bonbon kam im Amtszimmer des BM ans Tageslicht. Auf die Frage, was sie später einmal werden wolle, antwortete Maryam mit schelmischem Augenaufschlag: „Vielleicht Bürgermeister... Aber wir haben ja in Neuenrade einen netten und hübschen Bürgermeister.“

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