Europäische Mobilitätswoche

Ablenkung als Unfallursache: Aktion der Polizei im MK

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Präventionsarbeit im Rahmen der Mobilitätswoche: Die Polizei sensibilisiert Autofahrer für eine bedeutende Unfallursache: Ablenkung am Steuer. Das Trassierband zeigt die Wegstrecke an, die mit 50 Kilometern pro Stunde beim Sekundenblick aufs Handy zurückgelegt wird.

Neuenrade – Die Abteilung von Andreas Filthaut bei der Kreispolizeibehörde hatte schon in der Vergangenheit personell Federn lassen müssen. „Wir haben nicht alle Stellen nachbesetzt bekommen“, sagte der Hauptkommissar.

Die mit rechnerisch zehn Planstellen besetzte Abteilung für Prävention und Opferschutz arbeitet daher schon lange am Limit. Nun geht ein Kollege demnächst in den Ruhestand. Filthaut hofft inständig, dass er Ersatz bekommt. Wenn das nicht gelingt, könne die Abteilung nicht mehr flächendeckend präventiv tätig werden. 

Das hätte Folgen. Die Polizei könnte in dem wichtigen Bereich Prävention nur noch eingeschränkt Angebote machen. Schon jetzt werde es kritisch, wenn jemand erkrankt. „Dann fällt die Veranstaltung aus“, sagte Filthaut. Eine schwierige Situation: Es gelte, die Grundversorgung zu erhalten. Das Ganze ist sicher eine Baustelle für den nächsten Landrat, der als Chef der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis hier eine Lösung zu finden hat. 

Einstellungskriterien jüngst geändert

Dabei hat die Polizei Probleme, überhaupt genug junge Leute auszubilden. So wurden unlängst die Einstellungskriterien geändert. Auch wer einen Realschulabschluss hat, kann sich jetzt um den Dienst in der Polizei bewerben und muss gegebenenfalls noch eine Art Berufsschuljahr absolvieren, bevor es an die Ausbildung geht. Viele ältere Polizisten verabschieden sich in den Ruhestand, wegen des demografischen Wandels werde es schwierig, die Lücken zu schließen, sagte Filthaut. „Da ist über Jahre hinweg zu wenig eingestellt worden.“ 

Der Blick auf das Aufgabengebiet im Bereich Prävention und Opferschutz zeigt das umfangreiche Spektrum, das die Polizei hier zu bewältigen hat: Das fängt bei der ersten rudimentären Verkehrserziehung für Kindergartenkinder an und setzt sich über die Radfahrausbildung fort. Weitere Bestandteile sind der „Crashkurs NRW“, um Jugendliche und junge Erwachsene für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren (Arbeit mit Schock-Bildern, Interviews mit Rettungskräften und Opfern) und die Puppenbühne. Es gibt Fahrsicherheitstrainings und Seniorenarbeit mit Rollatortraining, Seniorenkino und – gerade frisch in der Entwicklung – ein Angebot für alle Altersklassen: das Pedelec-Training. Ein wichtiger Komplex ist auch der Opferschutz, wo es um die Betreuung von Unfallopfern geht, aber auch um das Überbringen von Todesnachrichten. Hier lässt die Polizei die Menschen nicht allein. 

14 Meter im Blindflug

Am Mittwoch ging es in Neuenrade im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche (bis 22. September) um ein spezielles Gebiet, das immer wieder zu Unfällen führt: die Ablenkung am Steuer. Um zu demonstrieren, was eine Sekunde Ablenkung bedeutet, hatten Polizistin Heike Scholz, Polizist Uwe Dichting und Andreas Filthaut ein 14 Meter langes Trassierband gespannt. Das ist genau die Strecke, welche bei 50 Kilometer pro Stunde sozusagen im Blindflug zurückgelegt wird. Ablenkung kann dabei vielfältig sein. Der Blick aufs Handy, trinken, essen, rauchen, am Radio den Sender wechseln, Spinnen oder Wespen im Auto, der Hund im Kofferraum, die Kinder auf dem Rücksitz. 

Abhilfe schafft hier, rechts ran zu fahren, statt das Problem bei voller Fahrt lösen zu wollen, rät der Experte. Die Polizisten hielten gestern am Baumarkt Arens & Hilgert Autofahrer an und sensibilisierten sie für das Thema, verteilten Flyer. Andreas Filthaut sagte: „Wir haben ein Doppelkonzept. Viele Kollegen sind repressiv unterwegs und ahnden tatsächliche Verstöße. Das ist in der Regel das Handy. Und wir sind präventiv dabei.“

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