95-Jährige bedroht und erpresst: Verfahren eingestellt

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Neuenrade/Hagen - Die schwere räuberische Erpressung in einer Villa in Neuenrade im Juni 2016 bleibt für einen der drei Täter ohne Folgen.

Ob ein 26-jähriger ehemaliger Neuenrader der dritte Mann war, der eine 95-jährige Seniorin und ihre Pflegekraft bedroht hatte, um die Herausgabe von Geld und Wertgegenständen zu erpressen, bleibt ungeklärt: Auf Antrag der Staatsanwaltschaft stellte die 6. große Strafkammer das Verfahren ein. 

Die umfassende Aufklärung des Verbrechens scheiterte vor allem an einem Problem: Es gab zwei heiße Kandidaten, die als dritter Täter in der Villa gewesen sein könnten: Den ersten von ihnen hatte die 1. große Strafkammer des Landgerichts im ersten großen Verfahren als einzigen von vier Angeklagten freigesprochen – eine Entscheidung, die den Richtern erklärtermaßen schwergefallen war. Gravierende Indizien hätten gegen den 23-Jährigen gesprochen – sie legten es „mehr als nahe, dass der Angeklagte an der Tat beteiligt war“, erklärte damals der Vorsitzende Richter. 

Beteiligung nicht sicher nachzuweisen

Doch weder die Tatbeteiligung des 23-Jährigen, noch seine Unschuld konnten die Richter mit Sicherheit feststellen, obwohl er mit den Haupttätern nach Neuenrade gekommen war. Die Pflegerin der alten Dame hatte sich allerdings an einen osteuropäischen Akzent eines der Täter erinnert. Diesen hatten weder die beiden Hauptangeklagten, noch der jetzt angeklagte 26-Jährige ehemalige Neuenrader. 

Wer tatsächlich als „dritter Mann“ mit im Haus war, wussten letztlich nur die verurteilten Täter. Diese waren aber im jetzigen Verfahren nicht geneigt, ihr Wissen preiszugeben. Wenig Zweifel gab es aber daran, dass der 26-Jährige als ortskundiger Neuenrader zumindest als Tippgeber im bösen Spiel gewesen war. Schon im ersten Verfahren waren die Richter aber davon ausgegangen, dass zunächst nur ein Einbruch geplant gewesen war, aus dem aufgrund der Anwesenheit der beiden Frauen eine räuberische Erpressung wurde. Entsprechend hätte der Angeklagte jetzt lediglich wegen Beihilfe zu einem Einbruchdiebstahl verurteilt werden können. 

Erst zwei Jahre später aufgespürt

Das dafür zu verhängende Strafmaß wäre vor dem Hintergrund der Haftstrafe, die der 26-Jährige derzeit wegen einer anderen räuberischen Erpressung verbüßt, nicht merklich ins Gewicht gefallen: 2014 hatte ihn ein Schöffengericht im Amtsgericht Altena wegen räuberischer Erpressung und eines Einbruchdiebstahls in Neuenrade zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. 

Aus Gründen der Prozessökonomie wurden damals viele weitere Verfahren wegen diverser Einbruchdiebstähle eingestellt. Nach dem Überfall auf die Villa war der 26-Jährige abgetaucht. Erst gut zwei Jahre später spürte ihn die Polizei in Köln auf.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier:

Menschenraub und schwere Erpressung? Neuenrader steht vor dem Landgericht

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