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3800 Ukrainer beim Jobcenter MK

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Von: Peter von der Beck

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Jobvermittlung für Menschen aus der ukraine
Das Jobcenter MK ist aktuell für die Betreuung von rund 3800 ukrainischen Kriegsflüchtlingen zuständig. © Jens Büttner

Etliche Arbeitgeber rufen beim Jobcenter an und erkundigen sich nach qualifizierten Flüchtlingen aus der Ukraine.

Neuenrade – Dass viele allerdings zu blauäugig mit dem Thema umgehen, dokumentieren die Daten des Jobcenter MK, die Sprecherin Renate Holke auf Nachfrage der Redaktion aufbereitete. Die Rahmenbedingungen sind schwierig. Es ist ein komplexes Unterfangen, um die Menschen aus der Ukraine fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu machen und in Lohn und Brot zu bringen.

Viele alleinerziehende Frauen und Jugendliche

Aktuell rund 3800 Menschen aus der Ukraine betreut das Jobcenter MK. Davon sind wiederum nur 2560 erwerbsfähig. Das bedeutet, dass es sich um Ukrainer zwischen 15 und 67 Jahren handelt. „Hinzu kommt, dass mit knapp 1800 der überwiegende Teil der Erwerbsfähigen weiblich ist, männlich sind gerade einmal 760 Männer“, erläuterte Jobcenter-Sprecherin Holke. Darunter seien auch viele Jüngere, die noch zur Schule gehen und somit ebenfalls aus dem Raster fielen. Und bei den Frauen ergebe sich zudem eine Besonderheit: „Sie sind häufig alleinerziehend“, sagt Holke. Klare Sache, denn ihre Männer dürfen nicht ausreisen, sondern werden an die Front geschickt.

Mütter stehen vor Betreuungsproblem

Die Frauen wollten zudem flexibel bleiben und sich nicht unbedingt durch eine Job binden, hätten sie doch häufig den Wunsch, irgendwann zurückzukehren in ihre ukrainische Heimat zu ihren Familien. „Wenn die alleinerziehenden Frauen arbeiten wollen, so muss häufig auch eine Lösung für die kleineren Kinder gefunden werden“, sagte Holke. Hinzu komme: Sowohl die Plätze in den Kitas als auch an den Offenen Ganztagsschulen seien zum Teil knapp. Es gebe „ein Betreuungsproblem“.

Wichtig als Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt sei zudem der Spracherwerb. Hier müssen 1630 der Ukrainer im Kreisgebiet erst einmal Deutsch lernen, nennt das Jobcenter Zahlen. Und das funktioniere eben mal nicht so schnell.

Über Beziehungen zum neuen Job

Holke beziffert die Zahl der Arbeitsaufnahmen bis jetzt auf 68. Das betreffe zum Großteil Helfertätigkeiten. Etliche davon seien beim Armaturenhersteller Grohe in Hemer untergekommen. Eine Person habe sofort einen Job bekommen. „Er ist EDV-Spezialist und kann sich in dem entsprechenden Unternehmen in englischer Sprache verständigen“, so Holke. Allerdings hätten sich nach ihrer Kenntnis aber manche Ukrainer gar nicht erst beim Jobcenter registriert, sondern gleich über Beziehungen eine Arbeit hier gefunden.

Was nun die Qualifikation der Ukrainer anbelangt, so ergibt sich anhand der Daten des Jobcenters ein eher buntes Bild: Besagter EDV-Spezialist ist die Ausnahme. Gleichwohl sind immerhin 250 Ukrainer dabei, die „hochkomplexe berufliche Qualifikationen aufweisen – beispielsweise einen Masterabschluss.“ Rund 200 Ukrainer werden als Spezialisten geführt. Ihre Ausbildung komme in der Qualifikation einem Meister oder einem Bachelorabschluss gleich. Fachkräfte, die eine Lehre/duale Ausbildung haben, beziffert Holke mit rund 580 Menschen. Knapp 630 Ukrainer würde sie als Helfer einordnen. „Der Rest sind eben Schüler oder ähnliches.“ Welche Berufe und Fertigkeiten es im Einzelnen gibt, vermochte Holke nicht zu sagen.

Anerkennungsverfahren laufen

Seitens der Arbeitgeber sei das Interesse in jedem Fall groß, betonte sie. Doch mal eben Ukrainer zum Beispiel im Pflegebereich zu beschäftigen, sei gar nicht unbedingt machbar. Denn: Im Bereich Pädagogik und Pflege gebe es bestimmte Gebote – Anforderungen, die deutschen Berufsrichtlinien entsprechen müssten. Diese Anerkennungsverfahren liefen derzeit. Das müsse sich in den kommenden Monaten klären, hieß es.

All das dauert also: Das beruflich erfahrene Chirurgenehepaar, welches zu Beginn des Ukraine-Kriegs mit Familie in Neuenrade Unterschlupf fand und in puncto Fachkräfte wohl die Ausnahme bildet, wird sich sicher auch einem beruflichen Anerkennungsverfahren unterziehen müssen – wenn das Ehepaar überhaupt seinen Lebensmittelpunkt in diesem Land wählt. Das hängst sicher auch von dem Kriegsausgang in der Ukraine ab.

Was nun Flüchtlinge aus anderen Gegenden der Welt anbelangt, so ergebe sich hier eben auch ein großes buntes Bild, das von drei Jahren Grundschule bis zur Akademiker-Bildung reiche.

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