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2G im Einzelhandel: Händler zwiegespalten, manche kontrollieren schon

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Von: Maximilian Birke

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Bis zu 2000 Kunden besuchen den Hagebaumarkt Arens & Hilgert täglich. Sie zu kontrollieren wäre ein immenser Aufwand.
Bis zu 2000 Kunden besuchen den Hagebaumarkt Arens & Hilgert täglich. Sie zu kontrollieren wäre ein immenser Aufwand. © Jona Wiechowski

Vertreter von Bund und Ländern haben bei ihrer Konferenz am Donnerstag die Ausweitung der 2G-Regel auf den Einzelhandel beschlossen. Wir haben bei den betroffenen Händlern nachgefragt, was sie davon halten.

Neuenrade/Werdohl – Schon ab Samstag, 4. Dezember, dürfen nur noch Geimpfte und Genesene shoppen. Ausgenommen sind von der neuen Regel Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien und Apotheken. Bei den Einzelhändlern in Neuenrade und Werdohl gibt es darauf gemischte Reaktionen. Noch gänzlich unklar war für Geschäftsführer Peter Staubach am Freitagabend, ob der Hagebaumarkt Arens & Hilgert von der 2G-Regelung betroffen ist.

Aus der neuen Corona-Schutzverordnung, die das Land kurz zuvor veröffentlicht hatte, gehe das für ihn nicht eindeutig hervor. Deshalb möchte er sich am Montag mit dem städtischen Ordnungsamt beraten. Für unverschämt hält er, dass die Beschlüsse am Freitagnachmittag bekannt gegeben wurden und schon ab Samstag gelten.

Kontrollen an den drei Eingängen durchzuführen, sei mit einem großen Personaleinsatz grundsätzlich zu bewältigen, meint Peter Staubach. „Hin kriegen wir das schon, aber es ist natürlich ein Riesenaufwand.“ 1800 bis 2000 Kunden besuchen den Hagebaumarkt in Neuenrade normalerweise pro Tag.

Wenn viele zeitgleich ankommen, könnten sich an den Eingängen Warteschlangen bilden, gibt Staubach zu bedenken. In diesen Schlangen wäre die Ansteckungsgefahr möglicherweise größer, als wenn sich die Kunden auf der 20 000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche verteilen.

Absperrmaterial, um die Kunden wieder über Einbahnstraßensysteme in den Baumarkt lenken zu können, stehe bereit, so der Geschäftsführer. Er hoffte aber darauf, dass der 2G-Kelch an ihm vorübergeht. Die Stimmung der Kunden könnte sich verschlechtern. Es sei schwierig abzuschätzen, wie sie die Kontrollen von Impf- und Personalausweis aufnehmen. „Schließlich ist das eigentlich eine Art behördliche Anmaßung“, so der Geschäftsführer.

Schon Erfahrungen mit der 2G-Regelung gesammelt hat Juwelier Dirk Holtschmidt aus Werdohl. Er hatte sich dazu entschlossen, in seinem Geschäft bereits ab Freitagmorgen zu kontrollieren, ob die Kunden geimpft oder genesen sind. Das Feedback sei dabei größtenteils positiv gewesen, berichtete der Juwelier.

„Die Kunden sind sehr verständnisvoll und haben ihren Impfausweis bereitwillig gezückt.“ Einige seien auf den Nachweis richtig stolz gewesen. Nur einen ungeimpften Kunden musste Holtschmidt am Freitagmorgen wegschicken, obwohl der Andrang im Geschäft recht groß war. Die bundesweite Ungeimpften-Quote von rund 30 Prozent machte sich bei ihm also bislang nicht bemerkbar.

Aus kaufmännischer Sicht sei für den Juwelier noch nicht abzuschätzen, welche Auswirkungen die 2G-Regel längerfristig haben wird. „Die umsatzstärkste Zeit steht jetzt vor Weihnachten erst noch bevor.“ Insgesamt habe er aber nicht den Eindruck, dass es ruhiger ist, als zur selben Zeit im vergangenen Jahr.

Auch Guido Funke, Geschäftsführer des Möbelhauses Sauerland in Neuenrade, kontrolliert bereits seit längerer Zeit, ob seine Kunden geimpft oder genesen sind. Er befürwortet die Ausweitung von 2G auf den Einzelhandel und begrüßt, dass neue Maßnahmen getroffen wurden, um die Pandemie zu bekämpfen.

„Ich möchte keinen weiteren Lockdown haben und bin deshalb klar für das Impfen“, so Funke, der sich auch für die Einführung einer Impfpflicht aussprach. Ohne die Impfungen bekomme man die Lage nicht wieder in den Griff. Auswirkungen auf sein Geschäft gebe es durch 2G praktisch keine: „Die meisten Vernünftigen lassen sich impfen“, sagte Funke. Auch der mit den Kontrollen verbundene Aufwand halte sich in Grenzen, „da wir keine Kundenfrequenz wie im Discounter haben“.

Blumenhändler Carsten Fromm aus Werdohl blickte der Einführung der 2G-Regelung ebenfalls gelassen entgegen: Er muss seine Kunden nicht kontrollieren, da Blumenfachgeschäfte in der neuen Corona-Schutzverordnung von der Verschärfung der Maßnahmen ausgenommen sind.

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