Waldorfschule Neuenrade

23 junge Menschen am (Zwischen-)Ziel

20 Jungen und Mädchen schafften den Jahrgang 11 an der Waldorfschule mit dem Realschulabschluss. 13 von ihnen streben das Abitur an.
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20 Jungen und Mädchen schafften den Jahrgang 11 an der Waldorfschule mit dem Realschulabschluss. 13 von ihnen streben das Abitur an.

An der Waldorfschule Neuenrade haben 23 junge Menschen Etappensiege auf ihrem Lebensweg feiern können. Für einige geht dieser Weg in der Schule weiter, andere sehen sich am Ende ihrer schulischen Laufbahn und wollen ins Berufsleben starten.

Neuenrade – Zwei glänzende Abschlüsse konnte jetzt die Schulgemeinde der freien Waldorfschule feiern. Zuerst kamen die Elftklässler an die Reihe. „Ich habe euch als so tolle Klasse erlebt“, sagte Waldorfschul-Lehrerin Gesine Kaller und stand dabei kurz vor den Tränen. „Man kann sich lange auf eine Sache vorbereiten, aber wenn der Tag dann da ist, merkt man: Ich bin doch sehr gerührt.“ Sie sammelte sich wieder und rief den 20 Absolventen der 11. Klasse zu: „Ihr seid die Generation, die jetzt zu gestalten hat. Ihr werdet einmal Berufe ausüben, die es heute noch gar nicht gibt.“

Doch zunächst einmal werden die meisten weiter die Schulbank drücken. 13 der 20 Elfer gaben an, das Abitur anzustreben – einige in Lüdenscheid oder Menden, der Großteil wird dazu jedoch auf der Neuenrader Waldorfschule verbleiben. Klassenbetreuer Patrick Scholl verkündete stolz: „Ihr alle habt den Realschul-Abschluss geschafft!“

Dann sinnierte er: „Ihr seid der ‘Corona-Jahrgang’. Und ihr habt es in euren Händen, was dieser Begriff dereinst einmal bedeuten wird.“ Die Pandemie habe eines gezeigt: „Die Menschen entwickeln erst dann ein Bewusstsein für den Wert der Dinge, wenn sie sie nicht mehr haben. Und auch ihr seid im vergangenen Jahr plötzlich gerne zur Schule gegangen.“

Ratschläge für die Zukunft hatte er auch noch für seine scheidenden Schützlinge: „Ihr müsst mutig sein, Entscheidungen zu treffen und neue Wege zu beschreiten. Nehmt keine Herausforderung auf die leichte Schulter. Habt Toleranz vor Menschen, die anders denken. Und denkt daran: Freundlichkeit ist ein Bumerang!“

Stellvertretend für ihre Mitschüler sagte Lucienne Bremecker: „Nach einem holprigen Jahr sind wir nun alle sehr erschöpft.“ Sie sprach Klassenlehrer Scholl direkt an: „Sie waren mehr wie ein Freund und weniger ein Klassenbetreuer.“ Schließlich erinnerte sie sich an ihre Lieblingssprüche diverser Lehrer, darunter: „Meine Frau sieht besser aus als ihr“ und „Jede Seite hat zwei Seiten“. An ihre Mitschüler richtete sie die Worte: „Durch euch habe ich einen Teil meines Selbst gefunden.“

Für die Eltern sprach Mutter Isabelle Bömmer. Sie erinnerte sich daran, dass die Schüler zu Beginn ihrer Schulzeit behauptet haben, ihr Hund habe die Hausaufgaben gefressen. In Zeiten von Homeschooling habe es dann geheißen: „Der Hund hat das WLAN-Kabel geschrottet.

Drei Abiturientinnen und drei Abiturienten entließ die Neuenrader Waldorfschule am Donnerstagmorgen in den Ernst des Lebens. Einer macht nun eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann, einer ein duales Studium bei der Bundespolizei. Eine möchte Kunst, eine Schauspiel studieren. Die beiden Verbleibenden gaben bei der Abschlussfeier an, noch keine Idee für ihre Zukunft zu haben.

Drei junge Frauen und drei junge Männer legten die Abiturprüfung an der Waldorfschule Neuenrade ab und bekamen jetzt ihre Zeugnisse.

Zu Beginn der Feierstunde hatte Pädagogin Gesine Kaller sich an die scheidenden Schüler gewandt: „Ihr habt eigentlich viel geschafft. Ich habe aber mit euch gebangt und gelitten.“ Dennoch betonte sie: „Ich weiß aber, dass ihr Potenzial habt.“

Klassensprecherin Sarah Stahlberg hielt eine selbstironische Abschlussrede: „In den vergangenen zwei Jahren herrschte bei uns Schülern die pure Gelassenheit, während es bei unseren Eltern und den Lehrern graue Haare und Kopfschmerzen gab. Doch wir blieben der Faulheit treu.“

Zwar sagte Elternvertreter Michael Becker an die Lehrer gerichtet: „Sie haben aus unseren Kindern Erwachsene gemacht.“ Doch verschiedene Lehrer, die in Folge das Wort ergriffen, kamen allesamt auf die zuvor auch selbst eingestandene Faulheit der Abiturienten zu sprechen. Das klang dann beispielsweise so: „Pause machen und ausruhen könnt ihr schon sehr gut.“ Kontemplation sei auch wichtig und mache die Hälfte des Lebens aus. Doch nun gelte es, sich auch auf die andere Hälfte des Lebens vorzubereiten.

Zum Abschluss überreichte Lehrer Björn Bitter die Zeugnisse.

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