Erste Zeugen vernommen

22-Jähriger soll Ex-Freundin erwürgt haben: „Es gab keine freien Atemwege“

Der Angeklagte mit einer Dolmetscherin und Verteidiger Andreas Trode (rechts) im Gerichtssaal.
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Der Angeklagte mit einer Dolmetscherin und Verteidiger Andreas Trode (rechts) im Gerichtssaal.

Mit der Verlesung der Anklage und ersten Zeugenvernehmungen hat am Montag im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 22-Jährigen aus Neuenrade begonnen, der seine Ex-Partnerin am 19. März in deren Wohnung an der Bahnhofstraße erwürgt haben soll.

Da sich der Angeklagte zunächst nicht zu dem Vorwurf äußerte, begann die Beweisaufnahme mit einem Audio-Dokument vom Tattag. Gegen 16.05 Uhr rief der 22-Jährige bei der Kreisleitstelle an und schilderte in brüchigem Deutsch die Situation: Vieles war schwer zu verstehen, doch es wurde deutlich, dass nach einem Kampf eine Frau neben ihm auf dem Boden lag und nicht mehr atmete.

Da der Nigerianer im Laufe des Gesprächs irgendwann ins Englische gewechselt war, machte die Übersetzung der Dolmetscherin die damalige Situation noch einmal deutlich. „Meine Frau ist auf dem Boden – es geht ihr nicht gut“, teilte der Anrufer mit und schilderte den Ablauf aus seiner Sicht: „Ich kam heute her, und sie hat nach dem Messer gegriffen. Sie hat gesagt, sie könne sich nicht mehr um die Kinder kümmern.“ Es war möglicherweise ein Detail, das der Frau letztlich das Leben kostete. Denn der Angeklagte teilte den Einsatzkräften nicht die richtige Hausnummer mit. Rettungswagen und Polizei kamen erst 24 Minuten nach dem ersten Notruf an der richtigen Adresse an.

Rettungsdienst fährt zuvor drei andere Häuser an

Zuvor hatten sie drei andere Wohnhäuser an der Bahnhofstraße vergeblich angefahren. Nach der dritten falschen Zieladresse wollten die Einsatzkräfte schon aufgeben: „Als wir da angekommen sind, haben wir alle an einen Scherz geglaubt“, erinnerte sich ein Sanitäter.

Erst eine Ortung des Handys des Angeklagten brachte Polizei und Krankenwagenbesatzung an den Ort des Geschehens. Dort fanden sie den Angeklagten, der festgesetzt wurde, zwei schlafende Kinder und das Opfer, das nur noch sehr schwache Vitalzeichen aufwies. Alle Bemühungen um ihre Wiederbelebung blieben erfolglos.

Massive Gewalteinwirkung gegen den Kehlkopf

Schon vor Ort wurde deutlich, dass die 24-Jährige eine massive Gewalteinwirkung gegen ihren Kehlkopf erlitten hatte. „Es gab keine freien Atemwege“, erinnerte sich der Sanitäter. Die Versuche, ihr Sauerstoff durch einen gelegten Schlauch in der Luftröhre zu verschaffen, waren vergeblich. Der Zeuge erinnerte sich aber nicht nur an medizinische Fakten. Nach seinem Eindruck lag die Frau auf dem Boden, „als wäre sie hingelegt und das Messer in ihre Hand gelegt worden“.

Sie habe ihn mit diesem Messer angegriffen, behauptete der Angeklagte im Verlauf seines Notrufs. Eine oberflächliche Schnittverletzung im Bereich seiner Schulter könnte als Hinweis darauf gedeutet werden, dass es vor dem tödlichen Würgegriff eine Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten gab. Ihre Verletzungen waren allerdings erheblich gravierender: „Sie hatte eine Schnittwunde mitten am Hals und am Wangenknochen“, erinnerte sich der Zeuge.

Sachverständigen-Gutachten liegt noch nicht vor

Wurde der Angeklagte vor Ort angemessen über seine Rechte belehrt, und sind seine bereits gemachten Aussagen verwertbar? Diese Frage beschäftigte Gericht und Verteidiger am ersten Verhandlungstag. Rechtsanwalt Andreas Trode stoppte das Abspielen der Aufzeichnung des Notrufs mit Hinweis auf diese rechtlichen Probleme. Denn der Angeklagte hat sich auch gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. Brian Blackwell zu dem Geschehen geäußert. Dessen Gutachten lag allerdings noch nicht vor.

Termin: Der Prozess wird am Montag, 13. September, ab 12 Uhr, fortgesetzt.

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