Lange Haftstrafen für kriminelles Duo

Symbolfoto Justiz

Neuenrade - Je dreieinhalb Jahre Haft kassierten zwei 20-jährige Neuenrader gestern im Amtsgericht Altena für eine räuberische Erpressung und einen Einbruchdiebstahl in Neuenrade. Dazu kamen mehrere Delikte aus dem Bereich der Betäubungsmittelkriminalität.

Zu Beginn des letzten Verhandlungstages ließ Richter Dirk Reckschmidt noch einmal alle angeklagten Delikte Revue passieren. Mitten in seinem Vortrag hielt er inne, wandte sich an die Angeklagten und sagte: „So, und genau an dem Punkt hätten wir das Verfahren noch einstellen können.“ Worauf Rechtsanwalt Ulrich Schorner konterte: „Das können wir ja noch machen.“ Von Richter Dirk Reckschmidt erntete er nur ein „Nee!“ und den Nachsatz: „Jetzt kommen wir nämlich zum unangenehmen Teil der ganzen Angelegenheit.“

Zu den dann vorgetragenen Diebstahlsdelikten und einem nicht vollendeten Ringverkauf beim Internetauktionshaus Ebay wollten sich beide Angeklagten nicht äußern. Bevor stattliche vier Mitarbeiterinnen der Jugendgerichtshilfe und der Jugendämter aus Neuenrade und Werdohl zu Wort kamen, verlas der Richter die mit vielen unterschiedlichen Delikten gefüllten Vorstrafenregister der beiden 20-Jährigen. Spätestens danach war klar: Schädliche Neigungen liegen bei Beiden zweifelsfrei vor. Die Mitarbeiterinnen der Jugendgerichtshilfe entwarfen ein Bild der häuslichen Situation der beiden Delinquenten und ihres schulischen Werdegangs, und sie zeigten auf, wo ihrer Meinung nach die Gründe für das Abgleiten der beiden Jugendlichen in die Kriminalität lagen: Eine inkonsequente Erziehung im Elternhaus wurde als Hauptursache benannt. Die Eltern seien nicht in der Lage gewesen, ihren Söhnen Regeln zu vermitteln. Ein Elternkompetenztraining und ein Familiencoaching sorgten über anderthalb Jahre hinweg für eine kriminelle Abstinenz der Beiden. Nach dem Ende dieser Maßnahmen rutschten beide aber wieder in ihre eingeschliffenen kriminellen Verhaltensmuster ab. An Intelligenz mangelt es ihnen offenbar nicht: Zumindestens einer von ihnen hätte einen guten Realschulabschluss erreichen können, zitierte eine Betreuerin einen Lehrer. Auch für die Sozialstunden, die sie immer wieder ableisteten, bekamen beide Angeklagten sehr gute Noten. Der Leiter des Kohlberghauses soll gesagt haben: „Diese beiden Jungs können Sie uns immer wieder schicken!“

Richter Dirk Reckschmidt zog sein Resümee mit den Worten: „Regeln scheinen euch gut zu tun! Aber jetzt gilt es, das externe Regelkorsett nach innen zu kriegen, denn ihr kommt ja irgendwann auch wieder raus. Also muss das alles mal nach innen durchsickern – auch durch den Panzer.“

Letztlich waren sich alle Berufsjuristen weitgehend einig, dass das Verfahren nicht ohne eine erhebliche Sanktion zuende gehen könne. Verteidiger Ulrich Schorner wandte sich direkt und mit eindringlichen Worten an seinen Mandanten: „Ich will hier etwas klar machen. Diese Haftstrafe, die wir fordern, ist keine Strafe, sondern eine Hilfestellung. Ich habe für euch nur zwei Perspektiven: Entweder ihr lernt im Knast alle Tricks und seid euer Leben lang kriminell. Oder ihr lasst euch jetzt helfen. Das ist die letzte Möglichkeit, die letzte Chance. Keiner hier will euch etwas Böses. Alle wollen nur das Beste.“

Das Schöffengericht schloss sich dieser Auffassung schließlich an und schickte die beiden für dreieinhalb Jahre in den Jugendstrafvollzug und zurück in ihre erfolgreich laufenden Ausbildungen. Richter Dirk Reckschmidt verabschiedete: „Das wird ein reibungsloser Vollzug werden. Davon gehe ich fest aus. Nutzt die Chance, macht etwas daraus!“

- Von Thomas Krumm

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