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19 Grad sind problematisch

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Von: Peter von der Beck

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Klassenräume sind von der 19-Grad-Celsius-Vorgabe zum Sparen von Energie ausgenommen, zumal auch die Corona-Stoßlüftungen weiterhin regelmäßig durchgeführt werden müssen.
Klassenräume sind von der 19-Grad-Celsius-Vorgabe zum Sparen von Energie ausgenommen, zumal auch die Corona-Stoßlüftungen weiterhin regelmäßig durchgeführt werden müssen. © Guido Kirchner / DPA

19 Grad Celsius als Raumtemperatur will die Stadtverwaltung in Büroräumen und vor allen Dingen in den Klassenräumen haben, um Energie zu sparen. Für Sporthallen visiert die Verwaltung gar nur 16 Grad an. Doch inzwischen gibt es Richtlinien für die Klassenräume, die das Schulministerium herausgegeben hat.

Neuenrade – Demnach müssen die Klassenräume mindestens 20 Grad Celsius haben, an Förderschulen je nach Belang der Schüler auch durchaus mehr. Zudem gibt es das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), das bestimmte Gruppen besonders schützt. Dazu gehören eben grundlegende soziale Dienste. Zu Letzteren zählen nach der maßgeblichen europarechtlichen Regelung (Art. 2 Nr. 4 der SoS-VO) ausdrücklich auch Dienste im Bereich Bildung, wie zum Beispiel Schulen, ungeachtet der jeweiligen Trägerschaft im Einzelfall (öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich).

Nur wenn es ganz knapp mit dem Gas wird...

Nur wenn es ganz knapp mit dem Gas werden sollte, könnten auch die besonders Geschützten etwaigen Anordnungen der Bundesnetzagentur unterliegen. An der Hönnequell-Schule weiß Jörg Leiß aus dem Führungsteam der Schule auch noch nichts von dem Vorhaben der Verwaltung, alles auf 19 Grad runter zu regeln: „Mir ist keine Order bekannt.“ Leiß verwies auch darauf, dass die Schule doch ohnehin mit Pellets geheizt werde. Und angesichts der aktuellen Außentemperaturen sei das Heizen noch gar nicht nötig. In seinem Büro sei die Heizung noch gar nicht aufgedreht worden.

Alle 20 Minuten lüften

Leiß hält Unterricht bei 20 bis 21 Grad Celsius für angemessen. Außerdem fragt er sich, wie man die Raumtemperatur angesichts der Corona-Verordnung, die Stoß-Lüften erforderlich macht, denn halten könne. Das indes scheint zu funktionieren. Auf der Homepage des Schul- und Bildungsministeriums ist nachzulesen, dass Klassenräume – so die Faustregel – mindestens alle 20 Minuten für fünf Minuten zu lüften seien. Die Räume würden anschließend wieder flott warm.

Arbeitsschutz und präventiver Unfallschutz

Ganz klar sagt das Schulministerium zudem, dass individuelle Absprachen nicht möglich seien: „Bei den Vorgaben zu den Raumtemperaturen handelt es sich um Anforderungen des Arbeitsschutzes und des (präventiven) Unfallschutzes. Ziel ist, Gesundheitsgefährdungen für die Beschäftigten und die Schülerinnen und Schüler am „Arbeitsplatz“ Schule durch zu niedrige – wie auch zu hohe – Temperaturen weitestgehend zu vermeiden; daher gelten diese Vorschriften unmittelbar.“ Sparen geht insoweit, als das es möglich ist, Durchlauferhitzer oder Warmwasserspeicher abzuschalten, wenn es ums Händewaschen geht.

Raumtemperaturen schwierig zu halten

Überhaupt scheint es nicht einfach zu sein, die Temperatur in Klassenräumen und Büroräumen zu halten. Ingenieurin Brigitte Neuhaus vom städtischen Bauamt sagt: „Schon wenn 20 Leute im Raum sitzen, ist es schwierig, die Temperatur zu halten.“ Zudem sei jeder Raum anders. Büro- und Klassenräume hätten zudem die Behördenventile an den Heizkörpern, die natürlich zentral gesteuert würden und fest eingestellt seien. Theoretisch seien individuelle Raumsteuerungen (Funkmodule) möglich. Doch, ob Anschaffung, Einbau, Einsparung und Genauigkeit in einem gesunden Verhältnis stünden und zudem noch für Schulklassen geeignet seien, könne man nicht zweifelsfrei sagen. Sie könne sich jedenfalls nicht vorstellen, dass das gradgenau hinzukriegen sei. Hinzu komme das Alter der Gebäude.

50 Prozent des Gasverbrauch durch Schulen

„Gut 50 Prozent des städtischen Gasverbrauchs wird von den Schulen (und Schulkomplexen) verursacht,“ hat Neuenrades Klimaschutzmanager Simon Mai auf Nachfrage ausgerechnet. Und beim Stromverbrauch haben die Schulen einen Anteil von 36 Prozent. Arbeitsschutz ist zudem auch ein Thema, wenn es um die Büroräume geht. 19 Grad in den Büros ist durchaus grenzwertig, vor allem, wenn man sich nur wenig bewegen könne, heißt es in einschlägigen Veröffentlichungen. Jüngst meldeten sich auch Arbeitsschutzmediziner zu Wort.

19 Grad am Arbeitsplatz problematisch

Kein geringerer als der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, hält eine Höchsttemperatur von 19 Grad am Arbeitsplatz in manchen Berufen für problematisch. Dies gelte zum Beispiel für „die Kommandozentrale der Feuerwehr, wo Menschen stark an den Bildschirm gebunden sind, sich nicht viel bewegen können – das sind Dinge, wo diese 19 Grad schwierig werden“, wird Arbeitsschützer Panter in den Ippen-Medien zitiert.

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