Ein Zwerg von Gestalt mit riesigen Fähigkeiten

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Familienzusammenführung auf dem Sofa: Bettina Bleiweiß, Uschi Euler und Romy Hendel (v.l.) mit ihren Zwergpinschern.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Och, guck mal, ist der süß!“ So oder ähnlich reagieren Passanten, wenn ihnen ein Zwergpinscher über den Weg läuft. Dann jedoch darauf zu schließen, dass es sich bei diesem kleinen Tier um einen „Schoßhund“ handelt, wäre ein ziemlich fataler Fehler. Die Nachrodterin Bettina Bleiweiß kann davon viel erzählen.

Die Größe des Hundes allein ist nämlich nicht entscheidend, denn ein Zwergpinscher ist unter Berücksichtigung seines geringen Körpervolumens ein wahres Kraftpaket. Und wer sich einen solchen Hund zulegen möchte, sollte gut zu Fuß sein. Besser noch wäre eine Vorliebe für das Joggen, denn ein ausgebildeter Zwergpinscher eignet sich hervorragend als sogenannter Begleithund. Und er verfügt über einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Auch eine Fahrradfahrt, die er an der Leine begleitet, bringt bestenfalls Herrchen ins Schwitzen.

Ein Zwergpinscher ist intelligent, zäh, ausdauernd und –gemessen an seiner Größe – kraftvoll. So ist es daher auch kein Wunder, dass diese Tiere von der Mitte des 19. Jahrhundert bis in die 1920er Jahre in Pferde- und Kuhställen gehalten wurden. Ihre Aufgabe: Ratten und Mäuse zu jagen und damit wirtschaftlichen beziehungsweise auch gesundheitlichen Schaden von ihren Besitzern fernzuhalten.

Das Jagen einer Maus kann man sich ja möglicherweise noch vorstellen. Aber eine ausgewachsenen Ratte? Dieses Tier ist ja fast so groß wie der Zwergpinscher selbst. Aber eben nicht so schnell und wendig. Und das wird dem Nager zum Verhängnis. Die Ratte weiß es zwar noch nicht, aber der Kampf ist von vornherein für sie verloren.

Über diesen Instinkt verfügen auch noch die heutigen Zwergpinscher. Das kann auch Bettina Bleiweiß aus Nachrodt bestätigen. Denn sie züchtet seit einigen Jahren diese immer beliebter werdende Hunderasse. „Aufgrund seiner geringen Größe kann man ihn leicht in einer Wohnung halten“, sagt sie über den Zwergpinscher. Ihre Vorliebe für die wegen ihrer Fellfarbe auch Rehpinscher genannten Hunde begann im Jahr 2008. Da nämlich erhielt sie eines dieser kleinen Tiere von ihrem Ehemann zu Weihnachten geschenkt. Ihr Interesse war geweckt und Xina – so der Name der Hündin – wurde mit Freude in die Familie aufgenommen.

Und Xina sorgte auch prompt für Nachwuchs. Auf einer Bundessiegerausstellung lernte Bettina Bleiweiß einen Züchter kennen, der einen seiner Rüden ausstellte. Der wiederum deckte Xina und heraus kam ein Wurf von vier Welpen. Das war im Oktober 2010. Mit einem dieser Hunde besuchte die Nachrodterin dann die Europasiegerausstellung. In seiner Altersklasse belegte ihr Rüde den zweiten Platz. Ein immenser Zuchterfolg.

Die Tiere sind –bis auf Hündin Xina – mittlerweile allesamt verkauft. Zu allen Käufern pflegt die Züchterin auch heute noch persönlichen Kontakt. So zum Beispiel auch zu Romy Hendel aus Dortmund und Uschi Euler aus Lüdenscheid. Beide reisten zum Gespräch des AK mit Bettina Bleiweiß eigens an, um ihre Tiere noch einmal zu präsentieren. Hendel besitzt nun ihren ersten Pinscher. „Ich kam durch meine Tochter darauf“, sagt sie. „Die hat einen Pinschermischling“. Uschi Euler aus Lüdenscheid hielt bislang nur große Hunde. „Das wollten mein Mann und ich aber nicht mehr. Wir wollten was Kleineres“. Und so kamen sie im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Hund“, in diesem Fall auf den Pinscher. „Aber der fordert uns genauso, wie die großen Hunde“, schmunzelt Euler. Die Größe eines Hundes ist also ganz offenbar kein Kriterium, aber seine Fähigkeiten. Und davon scheint ein Pinscher ganz offensichtlich zahlreiche zu haben. ▪ Hartwig Bröer

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