Bankräuber habe um Festnahme gebettelt

Nachrodt-Wiblingwerde - Der 35-jährige Sparkassenräuber von Nachrodt hat seine Ergreifung durch die Polizei offenbar vor allem sich selbst zu verdanken. Die kurzen Wege, die sein Geständnis gegenüber seiner Freundin nahm, legt den Verdacht nahe, er habe um seine Festnahme geradezu gebettelt.

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Denn seine Freundin war wiederum „die beste Freundin“ jener 20-jährigen Auszubildenden, die von dem Überfall auf die Sparkasse in ihrer Seele am schlimmsten getroffen wurde. Allerdings war nicht sie es, die sich mit dieser Information bei der Polizei meldete.

Flankiert von zwei Zeugen, darunter einem Opferschutzbeauftragten der Polizei, machte die junge Frau am Donnerstag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts ihre Aussage. Sie zeichnete ein katastrophales Bild von der Beziehung des Angeklagten zu seiner (und ihrer) Freundin: Diese habe öfters grüne und blaue Arme von seinen Schlägen gehabt. „Sie trennte sich nicht, weil sie ihn liebte und weil sie ihn nicht allein lassen wollte.“

Vor allem unter dem Einfluss von Drogen sei der Angeklagte sehr gewalttätig gewesen und habe sich nicht mehr um das Alltägliche gekümmert. Die Aufputschmittel hatten persönlichkeitsverändernde Wirkungen: „Meine Freundin war froh, wenn er mal geschlafen hatte und zur Ruhe kam, damit er nicht so aggressiv war. Wenn er geschlafen hatte, war er ein ganz anderer Mensch.“ Die Zeugin berichtete von Polizeieinsätzen bei dem Paar, bei denen seine Freundin die Beamten beschwichtigt habe.

Mit den Worten „Ich bin entsetzt“ leitete der Angeklagte eine persönliche Erklärung ein, in der er dieser Darstellung vehement widersprach: „Ich habe meine Freundin nicht eingesperrt und nicht geschlagen.“ Mehrfach habe er seine Freundin wegen solcher Behauptungen zur Rede gestellt. Unter Tränen habe sie nicht begründen könne, warum sie solche Behauptungen über ihre Beziehung verbreite.

Die Aussagen weiterer Zeugen machten deutlich, wie die Wege der Preisgabe des Namens des Angeklagten verliefen: Eine Altenpflegeschülerin, die im gleichen Kurs wie die Freundin des Angeklagten saß, erfuhr von der möglichen Identifizierung des Täters und rief ihren Bruder bei der Polizei an. Der wusste zu berichten, dass der Täter tatsächlich noch gesucht wurde. Nach der Festnahme des 35-Jährigen machte sich die junge Sparkassenangestellte vor allem Sorgen, dass weder das Geld noch die Waffe aufgetaucht waren, von der sie sich weiterhin bedroht fühlte. Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen berichtete von den schlimmen gesundheitlichen Einschränkungen der 20-Jährigen. Diese litt an Sehstörungen und musste wegen einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ stationär in der Hans-Prinzhorn-Klinik aufgenommen werden. „Sie ist die von dem Überfall am stärksten betroffene Person“, stellte die Richterin fest.

Der Prozess wird am 30. Juni fortgesetzt. - Thomas Krumm

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