Babyalarm und ein fast zerplatzter Traum

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Dajana und Marco (links), Sebastian und Sofia freuen sich auf ihre Babys.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein Baby macht die Liebe stärker, die Tage kürzer, die Nächte länger, die Vergangenheit vergessen und die Zukunft lebenswert. So in etwa. Manchmal ist die Welt wirklich rosarot. Sofia Putz und Dajana Kroschke strahlen das Glücklichsein so herrlich aus. Beide sind hoch schwanger. Beide erwarten bald ihr Baby. Beide bekommen ein Mädchen. Und doch könnten die Geschichten nicht unterschiedlicher sein. Das AK traf die werdenden Mamas im Rahmen der Serie „Baby-Alarm“.

Am 25. September kommt das Kind von Sofia und Sebastian Putz zur Welt. Das ist zumindest der errechnete Geburtstermin. Sternzeichen? „Weiß ich gar nicht“, lacht Sofia. „Königin“ , ruft Marco, der Mann von Dajana, aus dem Hintergrund. Seine „Königin“ wird am 31. Oktober geboren. Die werdenden Väter, mindestens ein klein wenig mehr aufgeregt vor der Geburt des Nachwuchses als die Mamas, wollen natürlich dabei sein – Sebastian in der Berglandklinik, Marco im Bethanien in Iserlohn.

Alles gesund und munter

 Ob Kaiserschnitt oder Spontangeburt: Sofia und Dajana wollen einfach abwarten, was passiert. Alles gesund und munter – da haben beide Frauen viel Glück. Die Schwangerschaften verlaufen super. Seit der 20. Schwangerschaftswoche hat Dajana mit Wasser in den Füßen und in den Fingern zu kämpfen, aber das trägt sie tapfer – auch die 23 Kilo mehr auf der Waage. Denn Dajana hatte gar nicht mehr damit gerechnet, Mama zu werden. Jetzt kann sie ihr Glück kaum fassen. Und ihr Mann Marco trägt sie auf Wolke 8 durchs Leben.

 Seit 2004 sind Sofia und Sebastian zusammen. „Ich wollte immer gern Kinder, Sebastian eher nicht. Aber auf einmal war es anders“, erzählt Sofia und findet schmunzelnd, dass sie in der Schwangerschaft eigentlich kaum Stimmungsschwankungen hatte und hat. „Ein oder zweimal vielleicht“, witzelt die 34-Jährige, die mit Sebastian einen Fels in der Brandung an ihrer Seite hat.

Dass sie ein Baby erwartet, prophezeite ihr übrigens eine Freundin, die selbst vier Kinder hat. „Sie rief mich morgens an und sagte: ‘Du bist schwanger. Ich habe Übelkeit beim Zähneputzen gehabt, wie bei allen vier Schwangerschaften, aber ich kann es ja nicht sein.’“ Sie hatte tatsächlich recht. Mentale Verbindung?

 Mittlerweile ist der Bauch kugelrund. „In den letzten zwei Wochen muss die Kleine einen Schuss gemacht haben. Ich stoße überall an“, schmunzelt Sofia, die allerdings nur sechs Kilo zugenommen hat. Sie war nicht einmal krank, hatte keine Allergien: „Wenn es nach meiner Gesundheit ginge, könnte ich länger schwanger sein“, lächelt Sofia, die bei der Diakonie in der ambulanten Pflege arbeitet. Ein Job, den sie sehr liebt, den sie auch später gern wieder ausüben möchte.

„Nur Hausfrau und Mutter sein, das könnte ich mir nicht vorstellen. Aber zwei Jahre möchte ich auf jeden Fall zu Hause bleiben, vielleicht auch drei.“

„Sie wird wahrscheinlich fürchterlich verwöhnt“

Das Kinderzimmer (altrosa und grün) ist fertig, die Tasche gepackt. Es ist die Zeit, nach 1000 Babysachen zu gucken. Die Vorfreude ist riesig. Und: Es ist das erste Enkelkind für alle. „Sie wird wahrscheinlich fürchterlich verwöhnt“, ist sich Sofia sicher.

Vor der Geburt hat sie überhaupt keine Angst. „Da vertraue ich voll und ganz meinem Arzt und den Hebammen.“ Aber was ist mit der Zeit danach? „Da mache ich mir schon Gedanken“, sagt Sofia, die auch eine Pro- und Contraliste zum Thema Stillen gemacht hat – eine Sache, die ihr durchaus auch mal schlaflose Nächte bereitet. Entschieden hat sie sich noch nicht.

 Eine perfekte Mama muss stillen?

 Für Dajana steht es schon fest: Sie möchte gern ihrer Tochter das Fläschchen geben, um auch ihren Mann viel mehr mit einbeziehen zu können, ihm die Zweisamkeit und die Sinnlichkeit zu ermöglichen. Dass der gesellschaftliche Druck immens ist, „denn eine perfekte Mama muss auch stillen“, sehen beide werdenden Mütter durchaus. „Alle erwarten es, aber wenn man sich jetzt hier hinsetzen und stillen würde, dann würden viele Leute auch komisch gucken“, sagt Dajana.

Sorge vor einer Behinderung des Kindes haben beide Frauen nicht. „Den Gedanken verdrängt man. Aber es ist bis jetzt alles so gut gelaufen und alle Untersuchungen waren okay, warum sollte es dann anders werden“, sagt Sofia. Sie muss übrigens eine Tochter bekommen. Für einen Sohn hätten sie und Sebastian gar keinen Namen parat. „Wenn wir mal eine Tochter bekommen, dann heißt sie ...“ Dieser Satz fiel schon vor zehn Jahren. Der Name blieb all die Jahre aktuell und geheim. „Es ist ein schöner altdeutscher Name. Er steht aber nicht in den Top Ten“, lacht Sofia. Chantal und Jacqueline sind es auch nicht. Das Geheimnis bleibt.

 Auch Dajana und Marco verraten nicht, wie die Kleine heißen wird. Die beiden sind seit 18 Jahren zusammen, seit zwölf Jahren verheiratet. Im Oktober ist Petersilienhochzeit. Kurz vor der Geburt.

 Das Baby ist langersehnt

 „Wir haben es lange versucht, aber es klappte nicht. Nach drei Jahren bin ich dann zum Frauenarzt und habe das Problem geschildert“, erzählt Dajana. Die Versuche, nach den richtigen Eisprungzeiten zu gucken, halfen nicht weiter. „Es war eine schwierige Zeit. Wenn ich Schwangere gesehen habe, war ich eifersüchtig. Die Tränen liefen.“ Nach außen haben sich Dajana und Marco immer gelassen gegeben: „Wir sind noch jung, wir haben noch Zeit.“ Doch innerlich wuchs der Kummer.

Das junge Paar suchte Hilfe in der Kinderwunschklinik Dortmund. Aber auch dort waren alle Versuche vergeblich. „Als ich 28 wurde, habe ich dann gesagt: Wir akzeptieren unser Schicksal.“ Einige Jahre arbeitete Dajana sodann als Tagesmutter. „Das hat mir gut getan. Es hat mir ein bisschen das gegeben, was mir gefehlt hat“, erzählt die 32-Jährige. Zwar wurden die Kinder nachmittags von Mama und Papa wieder abgeholt, aber Dajana war voller Leidenschaft in ihrer Aufgabe. „Das haben die Kinder gemerkt, das haben die Eltern gemerkt.“

 Vor eineinhalb Jahren wagten Marco und Dajana einen weiteren Schritt, nahmen Kontakt zum Jugendamt auf. „Es gibt so viele Kinder in der Welt, die ein schönes Zuhause brauchen.“ Marco und Dajana wollten Dauerpflegeeltern oder Adoptiveltern werden. Sie besuchten eine Schulung. Auch Sitzungen zu Hause und ein bisschen „Seelen-Striptease“ gehörten dazu, bis im November 2017 die Anerkennung kam. Da gerade die ersten drei Lebensjahre sehr prägend sind, wollten Dajana und Marco gern ein Kind aufnehmen, das nicht älter als zwei Jahre ist.

Warten bis das Telefon klingelt

 Also: Warten bis das Telefon klingelt. „Wir haben eigentlich nur auf einen Anruf gewartet.“ Doch dann kam es ganz anders. Im Februar blieb die Periode von Dajana aus. Nach sieben Tagen: „Ich fühlte mich einfach schlapp.“ Als sie sich einen Schwangerschaftstest kaufte und plötzlich ein Plus im Ergebnisfeld auftauchte, war die Welt von jetzt auf gleich eine andere. „Ich habe ganz laut geschrien. Da steht plus. Was heißt das. Hol schnell die Verpackung aus dem Müll.“

 Glücklich und happy. „Ich bin nur noch die Gegend gehüpft. Wir haben dann meiner Mama per Whatsapp-Videochat den Schwangerschaftstest in die Kamera gehalten. Sie war auch fassungslos und hat geweint.“

Dass das Unterbewusstsein manche Streiche spielt, der Kopf so sehr im Weg ist, dass das, was man sich wünscht, so gar nicht passiert, gehört zu den vielen Dingen im Leben, die einfach passieren. Die unerklärlich sind. Dajana und Marco hatten den Wunsch nach einem eigenen Kind aufgegeben – und werden jetzt Eltern. „Wir konnten es selber nicht glauben.“

„Darum habe ich sie beneidet“

Der eine wartet und wartet, bei dem anderen klappt es sofort, wie bei Sofia, die nach vier Wochen schwanger wurde. „Darum habe ich sie auch beneidet“, gibt Dajana zu, die in der siebten Schwangerschaftswoche krank wurde, Fieber bekam. Die Angst, das Kind zu verlieren, konnte ihr die Frauenärztin nur ein bisschen nehmen. „Marco ist sehr fürsorglich. „Er möchte eigentlich, dass ich gar nichts trage“, erzählt Dajana. Wenn man so viele Jahre gemeinsam gehofft und gelitten hat, dann stärkt es die Beziehung. „Es war sehr nervenaufreibend und ging an die Psyche.“ Das Thema Dauerpflegekind oder Adoptivkind ist übrigens noch nicht ad acta gelegt. „Gesetzlich ist es so, dass das Geschwisterkind zwei Jahre älter sein muss. Wir dürfen also zwei Jahre kein Kind aufnehmen. Und dann sehen wir weiter.“

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