„Jeder denkt, der andere macht es“

Zu wenig Hilfe: Grundschul-Fördervereine suchen Mitglieder

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Bürgermeisterin Birgit Tupat (rechts) und Edeka-Chef Kai Kantimm spendeten die Bänke für den Schulhof Wiblingwerde. Einen großen Dank gab es vom Förderverein – hier Andrea Knura (links), Sandra Hochstein (2.v.l.) und Alexandra Meckel.

Nachrodt-Wiblingwerde – Nicht nur Toben, sondern auch Ausruhen können und sollen sich die Grundschulkinder in Wiblingwerde in den Pausen. Jetzt gibt es zwei nagelneue Bänke auf dem Schulhof, gespendet von Bürgermeisterin Birgit Tupat und Edeka-Chef Kai Kantimm. Dennoch gibt es Kummer.

Das kam während der Bänke-Einweihung zur Sprache. Die kleinen Fußballtore auf dem Wiblingwerder Schulhof sind wohl die heiß begehrtesten. „80 Prozent der Kinder spielen Fußball, Jungen und Mädchen gleichermaßen“, erzählt Sandra Hochstein, Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule im Höhendorf. Mittlerweile gibt es auch bunte Hüpfkästchen und einen Hüpfparcours. „Da müssen wir aber noch mal die Farbe erneuern“, sagt Alexandra Meckel. 

Sie ist Kassiererin im Förderverein, der händeringend Unterstützung sucht. Denn es gibt zwar 80 Schülerinnen und Schüler, die die Grundschule Wiblingwerde besuchen, aber nur 29 Mitglieder im Förderverein. 

Und gerade mal eine Handvoll, die sich engagieren. Es ist längst nicht selbstverständlich, dass sich Eltern einbringen – eigentlich werden es sogar immer weniger. Davon kann auch der Förderverein der Grundschule Nachrodt ein Liedchen singen. 

Neuwahlen stehen in Nachrodt an

„Es sind wirklich sehr wenige Leute“, bedauert Yeysel Gümüs, erster Vorsitzender des Fördervereins in Nachrodt. Zudem werden dort jetzt Neuwahlen des Vorstands notwendig, da sich Eltern, deren Kinder jetzt die vierten Klassen besuchen, verabschieden wollen.

„Es ist nicht wirklich ein dankbarer Job“ Ebenso in Wiblingwerde. Sandra Hochstein gibt den Vorsitz nach vielen Jahren auf. Sie war schon aktiv, als ihre Kinder noch nicht in der Grundschule waren. Und auch ihre Stellvertreterin Andrea Knura hört auf. Denn die Kinder der beiden besuchen bald eine weiterführende Schule. 

„Es ist nicht wirklich ein dankbarer Job“, sagt Sandra Hochstein zur Vorstandsarbeit und hofft, dass Eltern dennoch die Wichtigkeit des Vereins erkennen. „Es melden sich alle fleißig ab, wenn die Kinder in der vierten Klasse sind, aber die neuen kommen nicht dazu.“ 

Dabei halten sich die Mitgliedskosten in Grenzen. Zwölf Euro sind es für ein ganzes Jahr in Wiblingwerde, 6,50 Euro in Nachrodt. „Wenn man bedenkt, dass der Förderverein allein die Theaterfahrt mit zehn Euro pro Kind übernimmt, dann haben die Eltern das Geld schon wieder heraus“, versteht Yeysel Gümüs in Nachrodt die Zurückhaltung der Eltern so gar nicht. 

Aktivitäten drohen auf der Strecke zu bleiben

Wenn sich immer weniger Eltern in den Fördervereinen der Grundschule engagieren, bleiben über kurz oder lang auch die Aktivitäten auf der Strecke. 

„Wir waren drei Jahren beim Weihnachtsmarkt dabei, aber das mussten wir dann einstellen, weil einfach keiner mehr geholfen hat“, erzählt Sandra Hochstein. „Jeder denkt, der andere macht es.“ Und so ist es ein Kreislauf: Weil keiner helfen will, kann weniger auf die Beine gestellt werden. Und weil weniger auf die Beine gestellt wird, schwächelt die Außenwirkung. 

„Und dann fragen sich alle, was der Förderverein denn macht“, meint Sandra Hochstein. Aufgeben und den Kopf in den Sand stecken, ist allerdings keine Option. Und so wollen die Förderverein-Aktiven in Wiblingwerde als auch in Nachrodt weiterhin die Werbetrommel rühren. Dass das nicht grundsätzlich etwas bringt, hat Yeysel Gümüs schon oft erfahren müssen. 

Fördervereine bilden Rückhalt für Arbeit in der Schule

„Bei der Weihnachtsfeier habe ich für alle Kinder Nikoläuse verteilt und auch mit Mitgliedskarten auf den Förderverein aufmerksam gemacht, aber obwohl 200 oder 300 Personen in der Lennehalle waren, sind nur zwei oder drei Kärtchen zurückgekommen. Manchmal fragt man sich, warum man sich so engagiert. Manchmal bin ich wirklich verärgert. Ich laufe auch durch Nachrodt und suche Sponsoren.“ 

Die Fördervereine sind ein großer Rückhalt für die Arbeit in der Schule. „Wir unterstützen zum Beispiel auch das Leseparadies, Theaterfahrten, die Seminare ‘Mit Kindern fängt der Frieden’ an und vieles mehr“, erzählt Sandra Hochstein. 

Die Kinder im Blick, die Unterstützung auf die Fahne geschrieben – und manchmal gibt es einfach Dinge vom Förderverein, die den Kindern riesige Freude bereiten – wie im vergangenen Jahr der Besuch der Basketballer der Iserlohner Kangaroos der 2. Basketball-Bundesliga ProB, die mit den Mädchen und Jungen trainierten.

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