Zustimmung zu Distanzunterricht / Offene Fragen bei Testpflicht

Distanzunterricht und Testpflicht an Schulen: Die Reaktionen in Altena und Nachrodt

Wieder Homeschooling: Die Schulleiter können die Entscheidung nachvollziehen.
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Wieder Homeschooling: Die Schulleiter können die Entscheidung nachvollziehen.

Die Schulleiter kann nichts mehr schocken. Sie haben längst ein dickes Fell. Ob Hans-Ulrich Holtkemper, Carsta Coenen oder Anne Rohde: Sie tragen die Entscheidung für den Distanzunterricht in der kommenden Woche mit Fassung. Und mit Wohlwollen. „Aber Eltern, Schülern und Kollegen geht das alles mittlerweile auf den Keks“, sagt Hans-Ulrich Holtkemper.

Altena/Nachrodt – Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein und die Eltern nicht in der Luft hängen zu lassen, hatte der Schulleiter des Burggymnasiums mit der „Arbeitsgruppe zur Bewältigung der Corona-Pandemie“ bereits am Donnerstag zwei mögliche Szenarien in einem Elternbrief zusammengefasst. Und: Das Szenario eins greift ab Montag. Die Schüler der Q2 bekommen bis zum 22. April Unterricht in Modulen, die der gezielten Vorbereitung in den Prüfungsfächern dienen. Am 22. April steht ab 13.15 Uhr die Belehrung aller Abiturienten in der neuen Halle an.

Für Schüler, die nicht pünktlich sind, wird die Veranstaltung am selben Tag ab 20.30 Uhr nachgeholt. Die Schüler der Q1 haben Präsenzunterricht nach Stundenplan. Alle anderen Schüler bekommen Distanzunterricht über Webex. „Ich persönlich finde die Entscheidung für den Distanzunterricht angesichts der Inzidenzzahlen gut“, sagt Hans-Ulrich Holtkemper.

Was ihn aber auch umtreibt: „Die allermeisten Leute halten sich an die Vorgaben, aber es gibt immer einige, die ausbüxen, auch bewusst in Situationen reinlaufen und damit das Infektionsgeschehen immer wieder anfachen. Das macht schon innerlich wütend und geht vielen inzwischen auf den Senkel.“

Was passiert mit Schülern, die die Tests verweigern?

Wie genau die Testpflicht in den Schulen umgesetzt werden kann, wenn wieder Wechselunterricht stattfindet, weiß Hans-Ulrich Holtkemper noch nicht genau. „Ich habe noch keine Rechtsverordnung gesehen.“ Tests sind in ausreichendem Maße am Burggymnasium eingetroffen. Doch was passiert mit Schülern, die die Tests verweigern?

„Wenn ein Unterrichtsausschluss passiert, dann bedeutet das, dass der Schüler aus selbst verschuldeten Gründen fehlt und den Stoff eigenständig nacharbeiten muss. In der Zeit kann er keine Leistung erbringen. Da hängt viel dran. Und so ist es wichtig, wie die Verordnung formuliert ist und welche Möglichkeiten als Alternativen eröffnet werden“, so der Chef des Burggymnasiums.

Alternative

Apropos Alternativen: Es besteht augenscheinlich auch die Möglichkeit für die Schüler, die Schnelltestzentren aufzusuchen und mit einem aktuellen, negativen Test dann den Unterricht zu besuchen. „Eltern können im Prinzip die Tests auch zu Hause machen, aber wie der Nachweis erbracht werden kann, dass das Kind tatsächlich negativ ist, weiß ich nicht“, sagt Hans-Ulrich Holtkemper, den eigentlich nichts mehr aus der Ruhe bringen kann.

Interessant an seiner Schule: Mit einer Jahrgangsstufe wollte man in der kommenden Woche erproben, wie Schüler, die zu Hause sind, per Kamera in den Unterricht zugeschaltet werden könnten. „Wenn das gut funktioniert und die Leitungskapazitäten ausreichen, werden wir das sukzessive erweitern“, so Hans-Ulrich Holtkemper. Das Experiment wird nun erst einmal verschoben.

„Wenn man weiß, wie es weitergeht, dann ist es in Ordnung“

Verschieben muss auch Carsta Coenen die Pläne für die Grundschule Nachrodt-Wiblingwerde. Viele E-Mails der Eltern beantwortete die Schulleiterin bis spät in die Abendstunden, als die Entscheidung für die Schulschließung eintraf. „Wir haben uns bemüht, alle Infos so schnell wie möglich an die Eltern weiterzugeben. Sie brauchen verlässliche Auskünfte“, sagt Carsta Coenen. Für alle Seiten sei die Entscheidung nicht schön. „Um die Kinder auf die neuen Themen einzustimmen, wäre Präsenzunterricht wichtig gewesen, aber wir müssen ja mit dem leben und arbeiten, was kommt“, so die Schulleiterin. Auch sie hatte sich aufgrund der Inzidenzzahlen auf den Distanzunterricht eingestellt und kann die Entscheidung durchaus gutheißen. „Wenn man weiß, wie es weitergeht, dann ist es in Ordnung. Aber die Phase der Ungewissheit geht an die Nieren“, gibt Carsta Coenen zu. Als Prellbock für alle Entscheidungen „von oben“ sieht sich Carsta Coenen nicht. Die Eltern hätten im Gegenteil viel Verständnis dafür, dass die Schule nichts dafür kann, „was an anderen Stellen entschieden wird“. Ob die Notbetreuung in der nächsten Woche überlaufen wird, weiß Carsta Coenen noch nicht, sagt aber: „Das wird sich in einem vernünftigen Rahmen halten.“

„Dafür muss man nicht zwei Wochen nachdenken“

Aufgewühlt über die Ereignisse ist Anne Rohde nicht. Allerdings kann die Leiterin der Sekundarschule den Zeitpunkt der Entscheidung für den Distanzunterricht nicht nachvollziehen. „Dafür muss man nicht zwei Wochen nachdenken“, sagt Anne Rohde mit Blick auf die Inzidenzzahlen.

Ihre Schule war ebenfalls auf alle Eventualitäten vorbereitet. Um alle Erlasse, Verordnungen und Ausführungsbestimmungen einordnen und in die Tat umsetzen zu können, war längst entschieden, für Montag eine Dienstbesprechung für das Kollegium und von 10 bis 11 Uhr Klassenlehrer-Unterricht als Videokonferenz per Teams anzusetzen, um die Kinder auf die bevorstehende Unterrichtssituation vorbereiten zu können. Diese Entscheidung, die alle Eltern kannten, dürfte sich jetzt als sehr nützlich erweisen.

Betretungsverbot

Dass der Wechselunterricht mit konsequentem Testen kommen wird, steht fest. „Aber es ist lästig und ärgerlich, dass noch keine Verordnung da ist, wie das umgesetzt werden soll“, sagt Anne Rohde und ergänzt: „Es wird wohl so sein, dass es ein Betretungsverbot für alle geben wird, die sich der Testpflicht nicht unterziehen wollen. Es wird dann aber nicht so sein, dass diese Schüler Videounterricht bekommen, sondern Aufgaben für Zuhause.“

Tests schon ausprobiert

Auch Anne Rohde hält es für wahrscheinlich, dass negative Testbescheinigungen von Testzentren für einen Besuch der Schule ausreichen werden, „die dann aber maximal 48 Stunden alt sein dürfen“. In der Sekundarschule wird – wenn wieder Wechselunterricht stattfinden kann – nicht in der Aula, sondern in den Klassenräumen getestet. „Bei offenen Fenstern. Durch den Wechselunterricht sind dann nicht viele Kinder da, sodass mit großem Abstand Testungen möglich sind.“ Und wenn jemand positiv getestet würde, wäre der Kontakt mit anderen nur wenige Minuten mit Mundschutz, sodass das Risiko für die anderen als sehr gering einzuschätzen sei. Die Tests wurden bereits vor den Ferien in der Sekundarschule ausprobiert. „So konnten schon mal einige Ängste genommen werden“, sagt Anne Rohde. Für die Abschlussschüler, die nächste Woche kommen dürfen, sind noch ausreichend Tests da, weitere sollen kommen.

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