400 Zuschauer erleben spritzigen Fatih Çevikkollu

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Fatih Çevikkollu. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Du gehst auf die Bühne mit nix und alle lachen“. Die erste Veranstaltung des Mitte Juli dieses Jahres neu gegründeten Kulturvereins „Kultur-Schock“ war ein grandioser Einstieg in das vielfältige Kulturprogramm, das die junge Vereinsmannschaft auf die Beine stellen will. Der mehrfach prämierte Kabarettist Fatih Çevikkollu war in der Lennehalle zu Gast und wurde für seine ebenso scharfsinnige wie spritzige Bühnenschau gefeiert.

„Komm zu Fatih“ lautete das Bühnenprogramm, und die Leute kamen. Mehr als 400 Gäste hatten sich eingefunden und genossen einen kurzweiligen, niveauvollen Abend mit vielerlei Hintergründigem, Nachdenkenswertem, Unterhaltsamem und Gesellschaftspolitischem. Dabei ließ der türkischstämmige Deutsche kein wichtiges Thema aus und schlug den Bogen von Sprache und Integration über Politik und Wirtschaftskrise bis zum Klassentreffen 19 Jahre nach dem Abitur - und dem einschneidenden Erlebnis der Geburt der eigenen Tochter. Er zielte auf die Amerikanismen in der deutschen Sprache ab, überzeichnete gewaltig und machte das „Event“ in der außergewöhnlichen „Location“ wie der Lennehalle in „freshem Outfit“ mit Zehenstegsandalen, silbernem Anzug sowie „coolen“ Sprüchen zu einem echten „Highlight“ für das „home crowd“. „Was ist los? Ihr habt einen Krieg verloren, nicht die Sprache“ und fragte bissig in die Runde: „Wenn ihr euch einen Klapprechner von Apfel kauft, warum sagt ihr dann Laptop von Apple?“. Er kreierte unter Publikumsbeteiligung, neue Begriffe wie „Striptease-Desk“ für Ausziehtisch und erheiterte die Anwesenden mit immer neuen, geistreichen Sprüchen, die diese mit anhaltendem Applaus belohnten. Und was ein Abschmelzer ist? Jener aus der Mittelschicht, der vom Porsche- zum Twingofahrer absteigt und dies mit dem Klimawandel begründet. „Irgendwann gibt's nur noch die oben und die unten, also uns und die anderen. Aldi-Nord und Aldi-Süd“. Wer wer ist, überließ er dem Publikum. Çevikkollu nahm viele „Wahrheiten“ unter die Lupe wie offensichtlichen Rassismus: „Renovieren lasse ich die Wohnung von einem Polen. Ist aber ein ganz netter“. Oder die politische Bühne: „Die, die entscheiden, sind nicht gewählt. Und die, die gewählt sind, entscheiden nicht“. Kein Wunder, dass die SPD Prozente „wie eine Apfelschorle“ habe, und als Muppet-Show-Puppe ließ er Angela Merkel sagen: „Huhu, Atomkraft ist gut, soll ich euch sagen!“.

Mehr als drei Stunden herrschte heitere Stimmung in der Lennehalle. Die Anwesenden genossen sichtlich einen besonderen Abend, der Kopf, Herz, Handflächen und Lachmuskeln gleichermaßen beanspruchte. Der Vorsitzende des neuen Kulturvereins Ronny Sachse bedankte sich mit seinem Stellvertreter Jan Schröder für die überwältigende Resonanz, bedankte sich aber auch bei allen Helfern sowie den Sponsoren, die er namentlich nannte, für die Unterstützung, ohne die „dieser Abend nicht möglich geworden wäre“. Unter großem Applaus überreichte Vorstandsmitglied der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis Mike Kernig einen Scheck über 1000 Euro, der der Vereinsarbeit zugute kommen soll. Vor zwei Wochen sei der Verein als gemeinnützig anerkannt worden, verriet der Vorsitzende. „Wir möchten Kulturveranstaltungen nach Nachrodt holen, die für alle Interessenten offen sind“. Dies ist bereits in der Premiere gelungen: Jung und Alt waren in großer Zahl in der Halle zusammengekommen und dafür von Erwitte-Anröchte bis Bochum angereist. Die Gäste dürfen sich auf den nächsten Oktober freuen: Dann soll es einen Auftritt des Bochumer Kabarettisten Hennes Bender mit seinem Soloprogramm „Erregt“ geben. ▪

Yasmin Alijah

Interview m it ÇevikkolluÔ

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