Wer jung ist, kommt aus der Gemeinde schlecht weg

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Aykut Aggül war einer der Initiatoren der Zukunftswerkstatt. Sein Antrag auf Einrichtung eines Jugendparlaments hatte den Stein ins Rollen gebracht.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Berg und Tal kommen schlecht zusammen in der Doppelgemeinde. Gern würden Jugendliche aus Nachrodt und Wiblingwerde mehr miteinander unternehmen, doch es mangelt an Fahrgelegenheiten. Auch die schlechte Anbindung an Städte mit Einkaufs- und Feiergelegenheiten wurde bei der Zukunftswerkstatt bemängelt.

Insbesondere die Wiblingwerder Jugend sucht sich nach einem Disco-Besuch in Lüdenscheid oder Hagen Übernachtungsgelegenheiten bei Freunden. Der letzte Bus nach Mitternacht fährt zu früh ab, der erste am Morgen zu spät. Sehnsuchtsvoll warten junge Leute den 18. Geburtstag ab, um dann endlich selbstständig mit dem Auto ihre Freizeit gestalten zu können. Das ist eine Information, die die Lokalpolitiker mitgenommen haben aus der ersten Zukunftswerkstatt am Mittwoch in der Rastatt.

Jugendliche aus der Doppelgemeinde hatten sich dort zu einer „Stärken-Schwächen-Analyse“ getroffen. Kreisjugendamt, Jugendzentrum, Schulen und Rat hatten dafür die Werbetrommel gerührt. 13 junge Leute zwischen zehn und 18 Jahren nutzten den Abend bei Musik, Knabbereien und Getränken in der Rastatt, um ihre Vorschläge einzubringen. Die Gastgeber hatten vier Tafeln eingerichtet: Was gefällt und was gefällt nicht in der Doppelgemeinde? Was fehlt und was würden sie als erstes tun, wenn sie mal Bürgermeister wären?

Vorab: Es gibt vieles, was die Jugend an ihrer Heimat schätzt: die Natur, das Jugendzentrum, das gute Miteinander zwischen Jung und Alt und auch die Schulen kommen gut weg. Auch das Vereinsleben wird positiv empfunden, aber es fehlt an Action: Der Ruf nach Fun-Sportarten wurde an allen Tischen laut. Auch ein Fitnessstudio fänden die jungen Bürger klasse – oder eben eine bessere Verkehrsanbindung, um solche Angebote in anderen Kommunen zu erreichen.

Florian Pingel und Marcel Czubin zählen zu den sportlichen Jugendlichen, die weit fahren müssen, um Kraftsport und Bogenschießen ausüben zu können. „Und wenn das Gartenhallenbad wegfällt, dann müssen wir auch zum Schwimmen noch weite Wege in Kauf nehmen.“ Diese Einrichtung, da waren sich Kinder und Jugendliche einig, darf keinesfalls sterben.

Auch der eine oder andere utopische Wunsch durfte in der Zukunftswerkstatt laut ausgesprochen werden: Eine Filiale einer Fast Food-Kette wäre toll und auch die Anwerbung einer trendigen Modefiliale. Dass ein Burgerbrutzler oder ein großes Bekleidungsgeschäft sich in Nachrodt ansiedelt, ist zwar höchst unwahrscheinlich, aber immerhin wissen Sozialausschussvorsitzender Stefan Herbel und Bürgermeisterin Birgit Tupat nun, wie die Interessen gewichtet sind. In Absprache mit den Jugendzentrumsmitarbeitern ließe sich manche Idee vielleicht rasch verwirklichen: Kulturelle und sportliche Wochenendangebote zum Beispiel.

Zur Seite stehen bei der Umsetzung Kristina Baranski und ihr Kollege Matthias Sauerland vom Kreisjugendamt. Sie regten die Gründung lokaler Steuergruppen an, wie sie nach der Zukunftswerkstatt in Herscheid eingerichtet wurden. Dort kümmert man sich aktuell um einen Unterstand für die Jugend. In Nachrodt geht’s nach den Sommerferien weiter. ▪ Ina Hornemann

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