In Zukunft mehr Pflege im Laubwaldbestand

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Bezirksförster Christof Schäfer zeigte anschaulich auf, wie sich der Holzeinschlag in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Deutlich sichtbar ist unter anderem der Ausschlag nach oben im Kyrill-Jahr 2007. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Fünf Jahre nach dem Orkan Kyrill, der im heimischen Raum ganze Wälder flachgelegt hat, kehren die Waldbauern wieder zur Normalität zurück. Das wurde in dem Bericht von Bezirksförster Christof Schäfer deutlich, der in der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Nachrodt-Wiblingwerde über das Wirtschaftsjahr 2011 berichtete.

Bezirksförster Christof Schäfer informierte die Mitglieder über den Holzeinschlag und Frostschutz, die Holzmarktlage sowie Wiederaufforstung und geplante Aktivitäten. „Durch die Aufarbeitung der Kyrill-Schäden wurden zwischen 2007 und 2009 die geplanten und notwendigen Pflegehiebe zunächst zurückgestellt. Im Jahr 2010 standen dann Aufforstung und Pflegemaßnahmen in den Kulturen im Vordergrund“, erinnerte Schäfer. Pflegehiebe hätten somit erst im vergangenen Jahr wieder durchgeführt werden können. Im Jahr 2010 stammten noch zwei Drittel der Holzmenge aus so genanntem Kalamitätsholz, also Baumstämmen, die durch Stürme gefallen oder von Käfern befallen waren, sowie aus Begradigung. „2011 war der Anteil des Kalamitätsholzes am Gesamteinschlag wieder deutlich geringer“, so Schäfer. Allerdings räumte der Bezirksförster ein, dass er auch künftig noch mit Problemen in Hinblick auf Käferholz und Folgewürfe rechne. Insgesamt wurden in vergangenen Jahr 68 Prozent Laubhölzer und 21 Prozent Kalamitätsholz eingeschlagen, aus Durchforstungsarbeiten fielen noch elf Prozent des insgesamt vermarkteten Holzes an. Der Holzeinschlag nach Baumarten gliedert sich auf in 87 Prozent Fichte, fünf Prozent Buche, vier Prozent Eiche, zwei Prozent Kiefer, Lärche, Douglasie und andere sowie in zwei Prozent sonstige Laubhölzer. Momentan gebe es eine gute Nachfrage nach Fichtenholz, berichtete Schäfer. „Bei der Preisentwicklung geht die Tendenz aufwärts“, konnte der Bezirksförster den Waldbesitzern mitteilen.

Dank einer Fördermaßnahme konnten neun Nachbesserungen auf einer etwa elf Hektar großen Fläche stattfinden. 12 500 Laubbäume waren davon betroffen. Drei geförderte Wiederaufforstungen erfolgten im vergangenen Jahr auf einer Gesamtfläche von etwa 1,6 Hektar. „Da wurden 4390 Laubbäume aufgeforstet“, berichtete Schäfer, blieb allerdings skeptisch, was den Erfolg angeht: „Die Frühjahrswitterung war sehr trocken. Was angegangen ist, können wir erst demnächst sehen.“

Insgesamt erfolgten im vergangenen Jahr Wiederaufforstungen auf 18 Hektar Kyrillfläche mit Nadelholz und Laubholz – rund 36 000 Setzlinge wurden hier in die Erde gebracht. „Durch die lange Schneelage und die nachfolgende Frühjahrstrockenheit wurde erst spät mit der Aufforstung begonnen“, blickte Schäfer zurück. Kulturpflege konnte auf insgesamt 25 Hektar betrieben werden. Dickungspflege, die Voraussetzung für starke und widerstandsfähige Wälder, wurde auf etwa einem Hektar vorgenommen. Chemischen Verbissschutz brachte der Landesbetrieb Wald und Holz auf etwa vier Hektar auf.

Gute Erfahrungen hat der Bezirksförster mit der Verwendung von Schafwolle in den Kulturen als Frostschutz sowie als Fegeschutz gemacht. „Es sieht zwar komisch aus, doch es hilft für ein Jahr das Wild abzuhalten“, so Schäfer. Die verwendeten Tonkinstäbe stünden dagegen nach hoher Schneelage oder Frost schief und müssten im Frühjahr wieder neu gesteckt werden, erklärte Schäfer: „Tonkinstäbe müssen glatt am Stamm stehen, sonst geht der Rehbock trotzdem ran.“

Schwerpunkt in den kommenden Jahren werde sein, so der Bezirksförster, den Laubwaldbestand mehr zu pflegen, und Licht in die Bestände zu bringen. „Durch regelmäßige Pflegeeingriffe können viele Bestände qualitativ aufgewertet werden.“ ▪ sr

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