Virtuoses Zusammenspiel

+
Ada Tanir am Cembalo, Constanze Chmiels an der Flöte. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Es hatte sich ganz offenbar herumgesprochen, dass am Sonntagnachmittag in der Dorfkirche in Wiblingwerde ein Konzert der ganz besonderen Art zu erwarten war. Dort gastierte das Duo „Ombre et Soleil“. Die Kirche war sehr gut gefüllt, selbst die Empore war fast vollständig besetzt.

Gut 120 Zuhörerinnen und Zuhörer fanden sich ein, um den Musikerinnen Constanze Chmiels (Quer- beziehungsweise Traversflöte) und Ada Tanir (Cembalo) zu lauschen. Geboten wurde Kammermusik von Johann Sebastian Bach.

Das Konzert begann mit einer von Bach komponierten Sonaten für Traversflöte und Cembalo in e-moll. Das Werk beinhaltet einige der wichtigsten Elemente der klassischen Musik. Das Adagio, das Allegro und das Andante. Während sowohl Adagio wie auch Andante mäßig langsam, zum Teil auch feierlich vorgetragen werden, lässt das Allegro wesentlich schnellere Spielweisen erkennen. Die Sonate e-moll begann mit dem Adagio.

Hierbei zeigte sich das intensive Zusammenspiel beider Künstlerinnen. Der Vortrag wirkte leise, fast feierlich, mit zurückhaltenden Variationen gespielt. Er war stark flötenlastig, das Cembalo erwies sich als reines Begleitinstrument. Das folgende Allegro hingegen war gekennzeichnet von sehr schneller Spielweise, die sowohl der Chmiels als auch Tanir einiges an Fingerfertigkeit abverlangten. Das Werk des Komponisten sah einen schnellen Wechsel zwischen hohen, mittleren und tiefen Tönen vor. Der Sonate e-moll, die noch aus zwei weiteren Sätzen bestand, folgte dann die Sonate a-moll für Traversflöte auf. Hier glänzte Chmiels durch ihre Vortragsweise.

Es ist erstaunlich, wie ein einziges Instrument rein klanglich betrachtet eine ganze – wenn auch relativ kleine – Kirche mit Musik erfüllen kann. Chmiels spielte diese Sonate sicherlich so, wie Bach es sich gewünscht hätte. Von den leisen Tönen bis hin zu einer mit Nachdruck und Enthusiasmus vorgetragenen Spielweise. Das allerdings muss man auch Tanir uneingeschränkt bescheinigen. Denn nun folgte die Französische Suite für Cembalo in G-Dur. Das Cembalo –wie ein kleiner Flügel aussehend – ist ein Jahrhunderte altes Instrument und klanglich durchaus gewöhnungsbedürftig. Es ist im Grunde der „Flügel der leisen Töne“. Das es Tanir gleichwohl schaffte, dieses Instrument auch recht „hart“ erklingen zu lassen, ist wohl nur mit ihrer spielerischen Klasse zu begründen. Den Abschluss des rund einstündigen Konzertes bildete die Sonate h-moll für Traversflöte und obligates Cembalo. Das Werk wurde ursprünglich nur für eine Flöte konzipiert doch in einer zweiten Fassung wurde dann das Cembalo hinzugefügt. Die Sonate in h-moll ist eine der längsten Werke dieser Art des großen Komponisten. Sie dauert, obwohl nur aus drei Sätzen bestehend, fast 20 Minuten.

Bewundernswert war eindeutig das virtuose Zusammenspiel der Künstlerinnen. Denn die Sonate in h-moll ist hochkompliziert angelegt und zeigt vielen Vortragenden, wo Spielen endet und wo Bach beginnt. Nicht so Chmiels und Tanir. Sie begannen ihren grandiosen Vortrag mit einem Andante, leise und fast andächtig gespielt. Dann folgte der zweite Satz, das Largo. Dieser Satz ist gekennzeichnet von seiner Klangfülle. Die wiederum wurde unterstützt durch die hervorragende Akkustik der Dorfkirche. Und dann das Presto. An Fingerfertigkeit wohl kaum noch zu überbieten trugen die Musikerinnen diesen Teil der Komposition vor. Es war nicht nur „heftig“, es war „wuchtig“, was die Zuhörer da zu hören bekamen. Das zeigte insbesondere der lang anhaltende Schlussapplaus.

Das Konzert fand innerhalb der Reihe „Junger Musiksommer“, die noch von Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi initiiert worden war. Nach dem großen, sonntäglichen Erfolg ist wohl davon auszugehen, dass diese musikalische Reihe fortgesetzt wird. Das Duo „Ombre et Soleil“ besteht seit 2009. Die Künstlerinnen lernten sich während ihres Studiums in Berlin kennen. ▪ hb

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare