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Zu viel Wild erschwert Wiederaufforstung

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Von: Lydia Schmitz-Machelett

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Bei der Jahreshauptversammlung geehrt wurde Kai Finkernagel (2. v. r.). Die Auszeichnung für 40-jährige Mitgliedschaft erhielt er von den Vorstandsmitgliedern (v. l.) Kim Hohage, Linda Geßler, Torsten Pühl und Johannes Pühl.
Bei der Jahreshauptversammlung geehrt wurde Kai Finkernagel (2. v. r.). Die Auszeichnung für 40-jährige Mitgliedschaft erhielt er von den Vorstandsmitgliedern (v. l.) Kim Hohage, Linda Geßler, Torsten Pühl und Johannes Pühl. © Machelett, Lydia

Wildschäden werden in diesen Tagen gerade überall sichtbar. Die Wildschweine erobern wieder das Grünland und graben es um. Was viele allerdings nicht auf dem Schirm haben: Auch im Wald sorgt das Wild für massive Probleme – gerade auf den sogenannten Kalamitätsflächen, also den Bereichen im Wald, in denen keine Bäume mehr stehen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Diplom-Forstingenieur Michael Sommer referierte über dieses derzeit brisante Thema im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Hegerings im Schlosshotel Holzrichter. Überall entstehen gerade Flächen, die nach und nach wieder aufgeforstet werden müssen. Ist der Wilddruck im Wald zu hoch, haben die jungen Bäume keine Chance zu wachsen. „Ich bin niemand, der sagt, dass wir alle Tiere schießen müssen. Ich sage aber, Sie müssen die Wildschäden im Blick behalten und den Dialog zu den Eigentümern suchen“, appellierte Michael Sommer an die Anwesenden. In dem rund eineinhalbstündigen Vortrag erläuterte er die Problematik und gab auch Tipps. „Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie hoch der Wilddruck ist, rate ich Ihnen, sogenannte Weisergatter zu errichten. Die sind sogar gefördert.“ Eine Weiserfläche ist eine wilddicht umzäunte Fläche, die durch den Vergleich mit dem nicht gezäunten Bereich außerhalb eine Beurteilung erlaubt, wie stark das Wild auf die Naturverjüngung des Waldes Einfluss hat.

„Bitte haben Sie Verständnis für die Waldbesitzer“

Sommer erklärte, dass viele Jäger die Problematik im Wald unterschätzen würden – insbesondere in Bezug auf das Rehwild. „Auf dem Grünland sehen Sie die Schäden mit bloßem Auge. Im Wald hingegen sind die jungen Bäume dann halt einfach weg. Sie werden erstaunt sein, was sich in so seinem Gatter entwickelt im Vergleich zu der Fläche außerhalb“, erklärte der Referent. Ein weiteres Indiz seien die Ebereschen. Diese müssten sich die ersten Monate ähnlich entwickeln wie die Birken. Wenn diese nicht so wachsen, sei das ein Indiz dafür, dass zu viele Rehe auf der Fläche seien. „Bitte haben Sie Verständnis für die Waldbesitzer. Viele haben in den vergangenen Jahren Ihre Altersversorgung verloren. Sie müssen aufforsten. Dabei müssen wir Sie unterstützen“, betonte Michael Sommer.

Perfekte Bedingungen für das Rehwild

Gleichzeitig sei der Wald natürlich auch Lebensraum. Auf den neuen Flächen finden die Tiere Futter und Deckung zugleich. Gerade für das Rehwild perfekte Bedingungen. Das merke man schon jetzt. Die meisten Ricken seien mindestens mit Zwillingen unterwegs. Mehrlingsgeburten seien normal, jedoch eher eine Seltenheit. „Beschäftigt Euch mit den Wildbeständen und deren Einfluss auf die Biotope. Bildet Euch fort und macht Euch mit den neuen Begebenheiten vertraut“, appellierte Sommer an die Anwesenden.

Aushängeschild des Hegerings

Neben dem Referat berichteten auch die verschiedenen Abteilungen von ihren Aktivitäten. Das große Aushängeschild des Hegerings bleiben die Aktivitäten auf den Waldlehrpfaden. 465 Personen wurden darüber geführt. Besonders beliebt ist der in Altena. „Viele Besucher der Jugendherberge nutzen das Angebot“, erklärte Obmann Walter Strüning. Derzeit sucht der Hegering dringend einen Raum in Altena oder Wiblingwerde – in unmittelbarer Nähe zu den Waldlehrpfaden – um dort die Präparate zu lagern. „Karl-Heinz Tacke hat so viele tolle Ausstellungsstücke. Die würden wir gerne erhalten. Wir brauchen einfach einen trockenen Raum“, erklärte Walter Strüning.

Ehrungen

Im Rahmen der Versammlung fanden zudem Ehrungen statt. Seit 60 Jahren sind Friedrich-Wilhelm Krummenerl und Werner Holzrichter als Mitglieder des Hegerings Altena aktiv. Peter-Wilhelm Schmidt feiert in diesem Jahr seine 50-jährige Mitgliedschaft und seit 40 Jahren ist Kai Finkernagel dabei.

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