Jetzt gibt es (endlich?) Noten

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Die Drittklässler aus Nachrodt bekommen zum ersten Mal Noten – und finden das richtig gut.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Ich fände es gut, wenn mein Freund auch gute Noten kriegen würde“, sagt Robin. „Dann können wir zusammen aufs Gymnasium.“ Ziele haben sie also auf jeden Fall, die Mädchen und Jungen aus der dritten Klasse der Nachrodter Grundschule. Ein bisschen mulmig ist ihnen aber durchaus – denn zum ersten Mal gibt es jetzt „echte“ Noten.

Vor allem die Leistungsträger der Klasse sind besorgt. Komischerweise. Am 2. Februar könnte erstmals ein „Sehr gut“ oder ein „Befriedigend“ zu finden sein – Ausschläge nach oben und unten inklusive. „Ich habe Angst, dass ich schlechte Noten bekomme“, sagt ein Mädchen – und hebt dann aber doch den Daumen auf die Frage, wie sie Noten generell findet. Und alle Kinder wissen genau, worauf es ankommt: „Auf eine schöne Mappe, auf Teamarbeit, auf Mitarbeit, auf die Sorgfalt, aufs Zuhören und Anstrengen“, erzählen sie beim AK-Besuch.

Die Note ist also die Summe aus vielen Dingen – hängt sich nicht an einer schlecht oder gut geschrieben Arbeit auf. Schulleiterin Carsta Coenen weiß um die Aufregung rund um die Noten: „Die Kinder warten darauf“, ist sie sich aber sicher und ist Befürworterin der Notengebung. Und während die Berichtszeugnisse doch reichlich Interpretationsspielraum bieten, sind die Noten rein und sachlich – im besten Fall.

 In Nachrodt gibt es augenscheinlich keine viel zitierten Hubschrauber-Eltern, die bei der Schulleiterin auf der Matte stehen und Bewertungen anzweifeln. „Nur in Einzelfällen werden die Noten hinterfragt“, sagt Carsta Coenen. Auch würden die meisten Eltern die Empfehlungen der Lehrer für eine weiterführende Schule annehmen – obwohl diese nicht verbindlich sind. Diese Gespräche werden im vierten Schuljahr bereits im November geführt – auf der Grundlage der Einschätzungen der Eltern und der Einschätzungen der Lehrer. „Natürlich gibt es Eltern, die von sich aus gewisse Ziele haben“, sagt Carsta Coenen. „Und manchmal ist das auch nicht realistisch.“

Noten sollen eine Orientierungshilfe sein. Sie können Ansporn und Mutmacher sein, aber auch Kinder unter erheblichen Druck setzen. Viele Eltern geben zur (Noten)-Belohnung gern Geldgeschenke aus – wie auch die Nachrodter Kinder erzählen, die sich darauf durchaus freuen. In der Nachrodter Grundschule wird möglichst differenziert unterrichtet – so unterschiedlich die Kinder, so unterschiedlich die Anforderungen.

 Aktuell werden 240 Kinder unterrichtet, darunter sind acht Kinder mit Förderbedarf und sieben Flüchtlingskinder. Übrigens: In Schleswig-Holstein wurden zum Schuljahr 2014/2015 Noten in der Grundschule komplett abgeschafft. Drei Viertel aller Eltern halten Zensuren aber für sinnvoll, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Sie schätzen die Übersichtlichkeit des Systems. Die Deutschen hängen an der 200-jährigen Notentradition.

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