Zeitreise im einst beliebten Café Winkhaus

+
Erinnern sich an schöne alte Zeiten: Gudrun Lenhoff, Karin Kempe und Edith Ide.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Noch einmal so wie früher im Café Winkhaus sitzen, das lassen sich die Wiblingwerder derzeit nicht nehmen: Seit Dienstag ist das Café wieder für einige Zeit geöffnet.

Gisela Gundermann hat dort ihre Stickereiausstellung. Neben den Handarbeiten gibt es in dieser Woche aber auch wieder Kaffee und Kuchen in dem einst so beliebten Café an der Nachrodter Straße. In den kleinen Geschäftsräumen herrschte zur Eröffnung reges Treiben. Wer durch die Tür trat, begann eine Zeitreise in die 50er- und 60er-Jahre, damals war das Café der Treffpunkt im Dorf. Auch wenn die Türen bereits seit zwölf Jahren verschlossen sind, herrschte doch Vertrautheit, denn alles war wie früher: Die Bilder an der Wand, die Bestuhlung - und sogar der Kuchen war nach Art der 50er Jahre.

„Ich habe mein halbes Leben hier verbracht. Das ist toll das noch einmal zu sehen“, freut sich Edith Ide. Die Wiblingwerderin gehörte einst quasi zum Inventar des Cafés. „Wenn ich hier bin, möchte ich am liebsten wieder anfangen zu bedienen.“ Auch Karin Kempe und Gudrun Lenhoff waren extra zur Eröffnung vorbei gekommen. Die Schwestern haben ihre Jugend ebenfalls im Café verbracht. Das nostalgische Flair ließ die drei in Erinnerungen schwelgen. „Was wurde hier einst gefeiert! Das Café war das beliebteste im Umkreis. An Sonntagen standen die Menschen bis draußen und warteten auf ein Stück von Rudis Kuchen“, erinnert sich Ide. Rudi Stelzner war damals der Chef. Für seine Kuchen kamen sogar Hohenlimburger zum Kaffeetrinken ins Höhendorf. Sein Frankfurter Kranz und sein Rollkuchen waren über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Kein Wunder, dass auch heute hauptsächlich diese Kuchen auf den Tellern zu finden waren. Als Edith Ide 1956 bei Winkhaus anfing war es noch eine reine Bäckerei. „Hier, wo wir jetzt sitzen, war noch gar nichts. Später, als das Café hinzukam, war das eine Terrasse. Hier standen Sonnenschirme. Ich kann mich sogar noch erinnern, einmal war es im Februar schon so warm, dass hier die Menschen saßen und den damals noch unverbauten Blick auf den Wixberg genossen.“ Mit 14 Jahren hatte die Wiblingwerderin in der Bäckerei ihren Dienst begonnen und bis zuletzt dort gearbeitet.

Gudrun Lenhoff kommentierte am Dienstag auch noch die Einrichtung: „Das Mobiliar ist noch genau das von früher, hier hat sich wirklich gar nichts verändert. Außer, dass alles so schön adventlich hergerichtet ist“.

Damals wurde bei Winkhaus viel gefeiert. Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstag und was sonst noch mit Kaffee und Kuchen begangen wurde. „Wir hatten damals ganz besonders hübsche Schürzen, eine habe ich heute noch. Die mussten immer mit Stärke gebügelt werden, damit die Spitze hielt“, erzählt Ide. Besonders die Adventszeit hat den drei Frauen damals gefallen. Denn dann wurde alles besonders hübsch hergerichtet. Bunte Decken und Kerzen zierten die Tische. Bereits Tage vorher hätten die Vorbereitungen begonnen. Die Decken mussten schließlich alle ordentlich gebügelt auf die Tische. Es gab in den 60-ern einen regelrechten Boom im Café. „Fronleichnam und Himmelfahrt waren immer die besten Tage. Da standen die Leute bei schönem Wetter bis auf die Treppe“, erinnert sich Karin Kempe. Im Café herrschte dann dichtes Gedränge. „Damit die Leute einen Platz bekamen, hielten sie sich bereits am Stuhl fest. Langes gemütliches Sitzen und Genießen war dann kaum möglich.“ Als die Leute dann mehr und mehr mobil wurden, kamen weniger Gäste. So blieben Hohenlimburger Stammgäste plötzlich aus, da sie am Wochenende lieber nach Bad Sassendorf fuhren. Dennoch lief es in Wiblingwerde nicht schlecht. Viele Vereine und Verbände nutzten die Räumlichkeiten für Versammlungen und Arbeiter gingen in der Mittagspause dorthin zum Essen. Die Drei sagen heute unisono: „Es war eine schöne Zeit“. - ▪ Lydia Machelett

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare