1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

„Zeiten haben sich geändert“: Bücherei noch sinnvoll?

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Büchereileiterin Gaby Beil geht Ende des Jahres in den Ruhestand und wird die Entscheidung über die Zukunft der Bücherei nur noch von Weitem verfolgen.
Büchereileiterin Gaby Beil geht Ende des Jahres in den Ruhestand und wird die Entscheidung über die Zukunft der Bücherei nur noch von Weitem verfolgen. © Fischer-Bolz, Susanne

Hat die Gemeindebücherei eine Zukunft? Tatsächlich wird es irgendwann genau um diese Frage gehen, wenn man Matthias Lohmann zuhört.

Nachrodt-Wiblingwerde – Der fraktionslose Ratsherr hatte wie nebenbei im Rahmen der Sitzung des Bauausschusses angemerkt, dass man allen Nutzern der Bücherei eher einen Amazon-Gutschein kaufen könnte als viel Geld für eine neue Bücherei zu investieren. Grund dieser Anmerkung ist die Idee der SPD, die OGS-Betreuung, das Jugendzentrum und die Bücherei in einem neuen und modernen Gebäude an der Ehrenmalstraße 59 gemeinsam unterzubringen (wir berichteten). Und eben dieser Antrag wurde im Bauausschuss diskutiert, wobei man sich weniger mit dem Thema selbst, sondern mit der Frage beschäftigte, wer denn eigentlich die Idee zuerst hatte, ein gemeinsames „Zuhause für alle“ neben der Grundschule aufzubauen.

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

Die Verwaltung zeigte sich sehr erstaunt. „Als bekannt wurde, dass das Haus zum Verkauf steht, habe ich im Rat am 9. Mai und im Juni darauf hingewiesen, dass die Verwaltung schaut, wie wir dort OGS, Jugendzentrum und Bücherei unterbringen“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat. Sie hofft, auch im Rahmen der Städtebauförderung finanzielle Mittel dafür zu bekommen. Ab 2026 wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule schrittweise eingeführt. Für die Städte und Gemeinden eine Mammutaufgabe. Deshalb setzt Birgit Tupat auch auf Förderprogramme von Land und Bund, „denn man kann nicht von uns verlangen, dieses Riesenprojekt alleine zu stemmen.“ Die SPD war „so perplex“ über die Ansicht, dass ihre Idee nicht ihre Idee war, und dass dies auch die UWG so sah, dass sie erst mal nichts erwiderte. Später aber im AK-Gespräch sagte Ronny Sachse: „Das kam ja so ‘rüber, als hätten wir die Idee geklaut. Das haben wir nicht und ist im Protokoll auch nachzulesen.“

„Nicht gegen den Austausch von Literatur“

Letztlich wird diese Frage keine Rolle spielen, wohl aber, ob die Gemeindebücherei auch langfristig eine Zukunft haben wird. Büchereileiterin Gaby Beil geht Ende des Jahres in den Ruhestand, eine Nachfolgerin ist gefunden. Matthias Lohmann erklärte seine Meinung mit der Verhältnismäßigkeit: „Wenn wir neu bauen, werden die Kosten allein für die Bibliothek sicher bei 250 000 Euro liegen. Ich bin nicht gegen den Austausch von Literatur, aber man muss auch sehen, wie dies von den Bürgern angenommen wird und ob es noch wirklich das richtige Konzept ist.“ Es gebe Tage, da würde kein einziges Buch ausgeliehen. Eine Bücherei würde dem Kulturgut der Gemeinde zugeschlagen, aber die Zeiten hätten sich geändert, die Leute würden eher elektronisch lesen. „Es geht nicht um die Frage, ob Literatur abgeschafft werden soll, sondern um die Bücherausleihe.“ Wenn die Bücher selbst vom Kaufpreis weniger wert seien als die Kosten, die man für die Bücherei habe, müsse man darüber diskutieren.

Auch interessant

Kommentare