Postkarten und Fotos

Youtube-Kanal zeigt besondere Perspektiven Nachrodts

Antonio Benitez, hier mit seiner Frau Carmen, sammelt alte Postkarten aus Nachrodt.
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Antonio Benitez, hier mit seiner Frau Carmen, sammelt alte Postkarten aus Nachrodt.

Nachrodt früher und heute: Das ist nun auf Youtube zu sehen. Ob das Lennewehr, der Nachrodter Hof oder die Rastatt: Ein Nachrodter hat sich auf Spurensuche begeben - und spannende Geschichten entdeckt.

Nachrodt-Wiblingwerde – Früher war alles besser in Nachrodt? Romantischer? Beschaulicher? „Zumindest optisch schöner“, sagt Antonio Benitez und lacht. Seit ein paar Jahren sammelt er alte Postkarten mit Ansichten aus der Gemeinde und stellt sie mit aktuellen Fotos auf seinem eigenen Youtube-Kanal „Nachrodt heute und damals“ gegenüber. Ein aufwendiges und spannendes Hobby, das viele Überraschungen und einige ungeklärte Fragen aufwirft.

Wo war eigentlich das erste Feuerwehrgerätehaus? „Das versuche ich noch herauszufinden“, sagt der 53-Jährige, der Bilder von 1927 mit dem Titel „Abschied vom alten Gerätehaus“ hat. Wo es stand, ist nicht zu erkennen. 1928 wurde das neue an der Ehrenmalstraße eingeweiht – mit Männern, die an dem Türmchen hängen.

Fliegerbombe mitten im Ort entdeckt

Antonio Benitez ist ein Nachrodter Kind, lebt seit seinem vierten Lebensjahr in der Gemeinde, jetzt an der Freiherr-vom-Stein-Straße. Und dort, wo heute die blauen Container der Gemeindeverwaltung stehen, ist er aufgewachsen. Die Häuser sind längst abgerissen, aber Antonio Benitez hat viele persönliche Erinnerungen – zum Beispiel daran, dass dort eine Fliegerbombe gefunden wurde, als er klein war und alle Bewohner schnell das Haus verlassen mussten.

Es sind genau diese Erinnerungen, die Antonio Benitez zu seinem Hobby brachten. „Irgendwann kommt man in ein Alter, in dem man sich an alte Sachen erinnert. Weißt du noch damals?, fangen dann manche Gespräche an. Und so habe ich mit den Nachforschungen begonnen“, erzählt der Nachrodter.

Postkarten mit spannenden Geschichten

Alte Fotografien fand er nicht, aber Postkarten. Fündig wurde Antonio Benitez auf Ansichtskarten-Portalen und auch bei E-Bay. „Man muss vergleichen, nicht sofort kaufen, weil es klasse aussieht“, sagt der Sammler, denn manchmal kostet eine Postkarte 18 Euro und ist auf einem anderen Portal für acht Euro zu haben. Auch 38 Euro kann eine alte Ansicht schon mal kosten.

Das Wehr in Nachrodt ist auf dieser Postkarte gut zu erkennen.

Mittlerweile hat Antonio Benitez ein großes Album mit unzähligen historischen Postkarten aus Nachrodt aus der Zeit ab 1902. Das Besondere: Viele Briefkarten erzählen auch Geschichten, gingen sie doch damals von Nachrodt in die ganze Welt. Manche sind gut zu lesen. So hat eine Bärbel 1961 eine Postkarte an einen Mann geschickt, in der Hoffnung, „dass man sich im nächsten Urlaub doch mal treffen könnte“. Augenscheinlich kannten sich die beiden nicht, denn Bärbel schrieb, dass sie 1,75 Meter groß und dunkelblond sei und blaue Augen habe. „Es ist interessant, was die Leute so geschrieben haben“, sagt Antonio Benitez schmunzelnd.

Haus Helbecke und Nachrodter Hof dabei

Es gibt Bilder von Klaras Höhe zu Zeiten, als die katholische Kirche noch nicht gebaut war. Man sieht die Rastatt, aber keine Kirche. „Im Gebäude, das heute neben der Kirche steht, war früher oben eine Glocke“, weiß der Sammler, der auch viele alte Bücher über die Gemeinde besitzt.

Immer neugieriger wird er darauf, sich mit den alten Zeiten zu beschäftigen. „Wenn man Vergleiche zieht, dann war es früher wirklich schöner hier“, sagt Antonio Benitez. Ein Beispiel ist die Helbecke. Da gab es einst ein wunderschönes Restaurant, Hotel und Biergarten.

Noch viele Geschichten zu entdecken

Aus der kleinen Gaststätte des Karl Dresel, an der Mündung der Helbecke gelegen, wurde später das beliebte Ausflugslokal Haus Helbecke. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges wurde es zur Lungenheilstätte. Später war es ein weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekanntes, exklusives Tanzlokal.

Der Nachrodter Hof, heute ein Altenheim, war einmal ein Hotel.

Bilder gibt es auch vom Nachrodter Hof. Er war einst ein Treffpunkt der Nachrodter, die nach einem langen Arbeitstag ihren Flachmann gern mit Korn oder Wacholder füllten. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Haus auch Übungslokal des Gesangsvereins Frohsinn. Nach dem Krieg wurde der Saal zu Wohnräumen umgebaut. Heute ist der Nachrodter Hof ein Alten- und Pflegeheim. Viele solcher Geschichten gibt es – und viele weitere möchte Antonio Benitez noch entdecken.

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