Würstchen aus Stein und Wurzelburgen

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Das Spielen im Wald macht den Nachrodter Kindern sichtlich Spaß. Hier vergnügen sich einige von ihnen gerade auf dem Wurzelteller eines umgestürzten Baumes. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Sie benutzen den Wurzelteller eines umgestürzten Baumes als Burg, bauen sich aus dicken Ästen eine Sitzgelegenheit oder sehen in einem länglichen Stein eine Wurst. Die Fantasie der Kinder, die derzeit in einem Waldstück Im Dümpel herumtollen, ist beinahe grenzenlos. Es sind 27 Mädchen und Jungen des St. Elisabeth-Kindergartens Nachrodt, die hier seit Montag ihre ganz eigenen Naturerfahrungen machen.

Kindergartenleiterin Sandra Schwieren bedauert ein wenig, dass sich nicht alle 42 Kinder der Einrichtung an diesen drei Waldtagen beteiligen. „Die Bewegung im Wald ist einfach eine ganz andere als auf Asphalt. Hier werden Motorik und Feinmotorik geschult“, nennt die Erzieherin die Vorteile des Spielens im Wald. „Die Kinder brauchen gar kein Spielzeug, denn hier im Wald liegt es in rauen Mengen herum“, sagt sie und zeigt auf die Äste und Steine, Zapfen, Blätter und Moose.

Das Naturmaterial, das unter den mächtigen Bäumen ausgebreitet ist, erlangt in den Händen der Kinder und mit ihrer Fantasie eine ganz neue Bedeutung. Diesmal haben sich einige Jungen zusammen getan, um aus Ästen und Zweigen ein Schiff zu bauen, mit dem sie auf große Fahrt gehen wollen. An einer anderen Stellen sitzen ein paar Kinder an einem imaginären Lagerfeuer. „Die Kleinen lassen sich schon eine ganze Menge einfallen“, hat Sandra Schwieren erfahren. Solche Waldtage veranstaltet der Nachrodter Kindergarten nämlich schon seit einigen Jahren. Im Frühsommer, wenn draußen war ist, geht es praktisch mit dem ganzen Kindergarten in den Wald, dann ist die Einrichtung an der Hagener Straße auch geschlossen. Im etwas kühleren Herbst sind nur die Vier- bis Fünfjährigen an der Reihe. Im Großen und Ganzen jedoch spielt das Wetter für diese Unternehmungen in der freien Natur keine Rolle. „Wir gehen auch bei Regen“, betonte Sandra Schwieren. Nur bei Gewitter ist es auch ihr zu gefährlich, mit einer Horde Kinder im Wald unterwegs zu sein.

Apropos Gefahr: Natürlich wissen Sandra Schwieren und ihre Kolleginnen, dass das Spielen im Wald durchaus auch seine Tücken haben kann. Deshalb haben sie für die Waldtage klare Verhaltensregeln aufgestellt. Eine davon lautet: „Kein Kind darf nur so weit in den Wald hineingehen gehen, wie es einen erwachsenen Betreuer sehen kann. Und: Auf einen Pfiff hin muss unverzüglich der nächste Erwachsene aufgesucht werden. So soll gewährleistet sein, dass alle wieder unversehrt im Kindergarten ankommen.

Doch auch wenn die Erzieherinnen ihre Augen bei diesen Tagen in der feien Natur ihre Augen praktisch überall haben müssen, versichert Sandra Schwieren, dass sie dabei völlig entspannt sei. Sie jedenfalls möchte diese Tage nicht missen. „Mittags sind wir alle zwar müder als sonst, aber glücklich“, hat sie festgestellt.

Müde ist nach rund vier Stunden Toben über Stock und Stein auch mancher ihrer kleinen Schützlinge. Doch auch dafür hat das Kindergarten-Team eine Lösung: Wer den Rückweg partout nicht mehr auf den eigenen Beinen schafft, wird in einem Bollerwagen gefahren. „Dann sind fast alle reif für einen kleinen Mittagsschlaf, sogar die Großen, die das sonst eigentlich nicht tun“, weiß Sandra Schwieren. ▪ vg

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