Corona-Lage

Wünsche für Lockerungen: Nachrodter haben klare Favoriten 

Corona-Lockerungen in Hessen
+
Noch sind die Stühle zusammengeklappt in den Lokalen. Doch Lockerungen rücken in Sicht.

Die Inzidenzen sinken, die Hoffnungen wachsen. Wünsche gibt es viele. Welche Lockerungen sehnen die Nachrodter am meisten herbei? Es gibt zwei klare Favoriten.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Ich würde gern zur Schönen Aussicht gehen, ein Schnitzelchen essen, ein Bier trinken und mit Freunden reden“, sagt Jens Grote. Für den Vorsitzenden des TV Wiblingwerde wäre ein „ganz normaler Rhythmus“ das Größte – und dazu gehört natürlich auch der Sport.

„Als Erstes werden die Jedermänner so bald es geht eine Wanderung machen“, meint Jens Grote und blickt auch auf die Senioren. „Die Älteren über 75 sind alle zweimal geimpft. Da wollen wir gucken, ob es möglich ist, in der Halle Sport zu treiben.“ Auch Corona-Tests, die der TV Wiblingwerde für alle zur Verfügung stellen würde, kann er sich vor den Sportstunden gut vorstellen. Persönlich freut er sich besonders auf ungezwungene Treffen.

Erstes Reisefieber gestillt - auf Sylt

Genau das wünscht sich auch Jürgen Gütting. Ausgefallene Geburtstage nachholen und sich im Restaurant mit gutem Essen verwöhnen lassen, stehen auch bei ihm ganz weit oben. Und dem Nachrodter fehlen die richtigen Gottesdienste. Die neue Lennekirche, die er mitgestaltet und die in der Pandemie an den Start ging, möchte natürlich gern Präsenz-Gottesdienste anbieten.

Zudem möchte Jürgen Gütting im Fitnessstudio trainieren. „Mir fehlt das wirklich, denn dann habe ich viel weniger Rückenschmerzen“, gibt er zu. Die Pandemie, so erzählt Jürgen Gütting, ist ihm nicht an die Substanz gegangen. Auch, weil er beruflich und ehrenamtlich sehr eingespannt ist.

Jemand, der jetzt schon das hat, was sich viele sehnlich wünschen, ist Hans Wehr. Er ist auf Sylt. „Ich gucke gerade aufs Meer“, erzählt er im Telefonat. Zweifach geimpft, hat er sofort die Urlaubs-Möglichkeit beim Schopfe gepackt. „Worauf soll ich warten?“, fragt der Vorsitzende des Fördervereins Gartenhallenbad. Cuxhaven war zuvor auch gebucht, musste aber storniert werden. „Ich bin da immer ganz mutig und gucke, was geht“, sagt Hans Wehr.

Speisekarte wieder in der Hand „ist schon grandios“

Dass er seinen Impfausweis überall vorzeigen muss, stört ihn überhaupt nicht. „Wir haben uns immer an alle Vorschriften gehalten, jetzt sind wir geimpft und es ist nicht wahrscheinlich, dass uns andere schlimm anstecken oder wir ansteckend sind. Ich bin mit allen medizinischen Informationen versorgt und kann einschätzen, was ich machen kann und was nicht“, sagt Hans Wehr und erzählt begeistert vom Abendessen im Restaurant: „Das erste Mal nach langer Zeit eine Speisekarte in der Hand zu haben, ist schon grandios.“

Auf dem Dorf „sehr privilegiert“

Apropos grandios: So empfindet es Dr. Christian Schulze, wenn er wieder Urlaub in Griechenland machen kann. „Wenn ich eine Rangliste erstellen soll, was ich mir wünsche, steht Urlaub ganz oben an“, sagt der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins. In den Osterferien hat er es auch nach Griechenland gewagt und einen Hürdenlauf mit PCR-Tests und Quarantäne in Kauf genommen. Jetzt hat er Thessaloniki gebucht und sieht „dem frohen Mutes entgegen“.

Außerdem freut er sich, die heimischen Gastronomen zu besuchen. „Essen gehen ist eben mehr als eine Kalorienaufnahme“, findet Christian Schulze, sagt aber auch: „Ich sitze aber nicht auf heißen Kohlen. Wir sind, was unser Dorf betrifft, sehr privilegiert.“

Bürgermeisterin vermisst Abend mit Freundinnen

Urlaub hat Birgit Tupat noch nicht geplant. „Am meisten freue ich mich auf ein Treffen mit meiner ganzen Familie, im Garten mit Grillwürstchen. Ich möchte nicht mehr abzählen, wie viele wir sind“, sagt die Bürgermeisterin. Auch auf die Treffen mit Freundinnen freut sie sich, „einfach mal abends überlegen, wo wir hingehen, wo wir schön Essen gehen können und endlich mal wieder persönlich quatschen“.

Der ständige Blick auf die Inzidenzen, die Bundesnotbremse, Click and Meet findet Birgit Tupat anstrengend. Sie fragt sich, ob man die Ungezwungenheit wohl erst wieder erlernen muss. „Ich würde es als schrecklich empfinden, wenn die Distanz bleiben würde, wenn man sich nicht mehr umarmen oder nicht mehr die Hand geben würde.“

Online-Party als Überraschung für Freunde

Christina Westerwell wird das sicher nicht passieren. „Ich freue mich total darauf, mit Freunden wieder zusammensitzen zu können. abends bei einem Glas Wein, ohne Maske. Ich vermisse die Freunde und nette Unterhaltungen am meisten“, sagt die Nachrodterin, die im Vorstand der KFD mitarbeitet.

Für den Freundeskreis hat sie im „tiefsten Lockdown“ eine Online-Party ausgerichtet und die Freunde damit überrascht, die schon zu Wochenbeginn geheimnisvolle Whatsapp bekamen. „Ich habe sie richtig heißgemacht“, erzählt Christina Westerwell lachend. „Samstags haben wir dann ein Paket vor die Tür gestellt, mit Wein, Mettwürstchen, Luftballons, Teelichtern und Süßigkeiten.“ Jeder musste eine kleine Playlist mit Partymusik erstellen. Und dann startete die Fete online.

Hoffnung auf Schrauber fürs Wohnmobil in München

„Das war ein richtig toller Abend, aber doch nicht zu vergleichen mit dem, wenn man sich gegenübersitzt. Das wieder live zu erleben, wäre total klasse.“ Trotz aller Hoffnung auf Lockerungen, sagt Christina Westerwell auch: „Bei uns ist niemand ernsthaft krank geworden. Dafür darf man auch dankbar sein. Denn was nützt uns die Freiheit, wenn es uns gesundheitlich schlecht geht?“

Reinhard Kühn wartet auf die zweite Impfung. „Ich habe vor, übernächste Woche nach München zu fahren, weil die Stufe vom Wohnmobil kaputt ist und ein bekannter Schrauber das dort reparieren kann.“ Urlaub mit dem Wohnmobil ist für ihn auch ohne Corona perfekt, jetzt aber noch mehr.  Alle Neuigkeiten rund um die Corona-Pandemie im MK lesen Sie in unserem News-Blog

„Man sitzt niemandem auf der Pelle, man hat die eigene Toilette dabei und alles, was man braucht, auch wenn die Restaurants geschlossen sind“, erzählt Reinhard Kühn, langjähriger CVJM-Vorsitzender. Und so möchte er nach München direkt noch eine Tour nach Norddeich machen. Jeden Tag guckt Reinhard Kühn auch im Internet, ob sein Lieblingscampingplatz am Datteln-Hamm-Kanal wieder geöffnet hat. „Da habe ich die Hoffnung, dass dort auch ein Wohnmobil-Dinner angeboten wird“, sagt er und steht in den Startlöchern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare