Nachrodt: Patt im Bauausschuss / Jetzt hat Rat das Wort

"Wollen nicht noch mehr Windräder im Gemeindegebiet!"

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Drei Windräder gibt es bereits in Veserde - zwei weitere sollen folgen.

Nachrodt-Wiblingwerde - CDU-Ratsherr Peter Herbel sprach den mehr als 40 Bürgern aus der Seele. „Wir wollen nicht mehr Windkraft-Anlagen im Gemeindegebiet.“ Das stellte er im Plan- und Bauausschuss fest, der am Montag, 10. April,  in der Mensa der Sekundarschule tagte.

Diese Haltung führte schließlich zu einem Patt in der Abstimmung über die „Fortführung der 22. Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP)“. Damit lehnte der Ausschuss eine Fortschreibung ab. Jetzt hat der Rat die alleinige Entscheidung.

Bekannt war jedem der anwesenden Bürger und Politiker, dass niemand in der Doppelgemeinde eine Verspargelung, also ein planloses Aufstellen von Windrädern in vielen Gemeindegebieten wirklich haben will. Deshalb und nur deshalb wurde einst die Vorrangfläche in Veserde ausgewiesen.

Dass jetzt zu den bestehenden zwei Anlagen bereits eine dritte montiert ist und weitere zwei folgen sollen, das aber beschäftigt den Gemeinderat bekanntlich seit mehr als vier Jahren. Pfiffe, abfälliges Gelächter und Buh-Ruhe – die erschienenen Anwohner, darunter auch zahlreiche Hohenlimburger, machten aus ihrem Unmut gegen weitere „Windmühlen“ in Veserde keinen Hehl.

Doch so sehr sie auch die zu Zehntausenden das Gebiet überfliegenden Kraniche, den Rotmilan, Uhu oder die Haselmaus ins Feld führten: Das von Diplom-Geoökologe Maik Palmer angeführte Duo des Ökoplan-Institutes Essen, das all dies unter planungsrechtlichen Gegebenheiten abgeklopft hatte, blieb bei seiner Einschätzung. 

Der Standort Veserde kann vergrößert und damit optimiert werden. Die Technik sei sogar soweit fortgeschritten, dass Hanglagen von 35 Grad kein Hindernis mehr seien, Masten aufzustellen. Palmer und Kollege präsentierten dem Ausschuss ein neues Konzept, das dem aus dem Jahr 2014 folgt und darauf aufbaut inclusive aller neuen gesetzlichen Vorgaben.

Vorrangfläche wird größer

Größte Änderung: Die sogenannte Potenzialfläche Veserde vergrößert sich deutlich. Bis zu 12 Windmühlen könnten hier einmal möglicherweise stehen, wie ein Ausschuss-Mitglied ohne Widerspruch feststellte. Begriffe wie Schutzgebiete, Eingriffe ins Landschaftsbild, Artenschutzprüfung, bedrängende Wirkung der auf einem Hochplateau stehenden bis zu 200 Meter hohen Masten, eine Masthöhenbegrenzung, Gesundheitsgefahren, Schattenwurf, Geräuschbelästigung und vieles mehr gingen zwischen Gutachtern, Politikern und Bürgern hin und her. Dabei wurden im wesentlichen bekannte Standpunkte ausgetauscht.

Herbel (CDU) fasst nach

Peter Herbel (CDU) hatte die über 100-seitige Vorlage zur Sitzung sehr genau gelesen und reklamierte, auf Seite 12 stehe, dass Nachrodt seiner Pflicht zur Ausweisung von Windenergieflächen bereits Genüge getan habe. Diese Interpretation akzeptierte die anwesende Juristin der Gemeinde, Christiane Rövekamp, aber nicht, sprach von bewusst gewählter „sprachlicher Vielfalt“ im Text. Herbel fasste nach: „Haben wir also genug getan oder nicht?“, erhielt aber keine für ihn zufriedenstellende Antwort.

Schröder (SPD):  Rat hat das Wort

Gerd Schröder (SPD), Ausschuss-Vorsitzender, fast schon resignierend: „Das wir es wollen müssen um die Gemeinde vor Schadensersatzansprüchen zu schützen“, sei für ihn jetzt der Auftrag an den Rat. Das Gremium tagt am Montag, 24. April, 17 Uhr, in öffentlicher Sitzung in der Rastatt.

Bürgermeisterin: Kein Platz für 12 Windräder!

„In Veserde ist kein Platz für 12 Windräder!“ So reagierte Bürgermeisterin Birgit Tupat im Nachgang auf Äußerungen im Plan- und Bauausschuss von Montag, 10. April. Dort war von einem Kommunalpolitiker die Befürchtung geäußert worden, dass bei einer Fortschreibung des Flächennutzungsplanes und der damit einhergehenden Vergrößerung der Vorrang-Flächen für Windkraftanlagen in Veserde dort einmal bis zu einem Dutzend Windmühlen stehen könnten. Widersprochen hatte dem Mann bei seinem „öffentlichen Philosophieren“ niemand. Tupat merkte im Come-on-Gespräch an, sie habe diese Einlassungen nicht mitbekommen, widerspreche aber vehement. Zu den bestehenden zwei Anlagen – eine weitere ist zusätzlich im Bau – wäre maximal Platz für zwei bis drei weitere Windräder. „Alles andere ist falsch.“ Zur Rolle der Juristin, die am Tisch des Ausschuss-Vorsitzenden Gerd Schröder (SPD), saß und sich mehrfach in die Diskussion einschaltete, merkte sie an: „Christiane Rövekamp ist die Vertreterin der Gemeinde in diesem Verfahren. Sie vertrat nicht, wie das AK berichtete, den Märkischen Kreis.“ Die Juristin von der Kanzlei Wolter-Hoppenberg aus Hamm sei auf Fragen des Immissionsschutzrechtes, Bauordnungs- und Bauplanungsrecht, Natur- und Landschaftsschutzrecht und Telekommunikationsrecht spezialisiert.

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