Mehr als 50 Jahre in einem Betrieb: Wolfgang Michel erlernte Beruf, den es gar nicht mehr gibt

+
Wolfgang Michel (mit Kollage) feiert den Abschied mit seinen Kollegen.

Nachrodt-Wiblingwerde –Das schafft kaum jemand: Wolfgang Michel hat mehr als 54 Jahre in einem Betrieb gearbeitet. Angefangen hat der Nachrodter in einem Beruf, den es gar nicht mehr gibt.

Jetzt hat er endlich mehr Zeit für Labrador Leo und den Enkelsohn. Und reisen würde Wolfgang Michel auch sehr gern. „Mal sehen“, sagt der 68-Jährige schmunzelnd, der mehr als ein halbes Jahrhundert bei der Firma M+S Kayser gearbeitet hat. 

Genau 54,5 Jahre war er als Diamant-Ziehsteinmacher in Nachrodt tätig. Für diese kleine Ewigkeit gab es jetzt eine Feier im Letmather Restaurant Shangri-La. Man muss sich schon sehr wohl fühlen, wenn man so lange in einer Firma bleibt. Da erlebt man Höhen und Tiefen des Unternehmens mit, sieht Kollegen und Chefs kommen und gehen. 

„Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht“, sagt Wolfgang Michel, der zum Abschied eine Fotocollage mit vielen Erinnerungsbildern bekam. Aber es ist weniger das Geschenk, als das Miteinander der Kollegen, die für ihn entscheidend war. Das Team von M+S Kayser hält zusammen. Man mag sich, manche sind befreundet. 

Chef verspricht Moped für Lehre

14 Jahre alt war Wolfgang Michel, als ihn Wilhelm Kayser beim Fußballspielen in Nachrodt sah und unbedingt in seiner Firma haben wollte. „Ich habe als Libero gespielt“, erzählt der gebürtige Nachrodter. „Und Wilhelm Kayser hat mir ein Moped versprochen, wenn ich anfangen würde.“ 

Das Moped gab es letztendlich doch nicht, aber eine Ausbildung zum Diamant-Ziehsteinmacher, die Wolfgang Michel nie bereute. Im Gegenteil. Er fühlte sich all die Jahre wohl. 

Den Beruf des Diamant-Ziehsteinmachers gibt es heute so nicht mehr. Er wurde am 18. Februar 1939 anerkannt und am 1. August 1987 aufgehoben. Abgelöst wurde der Diamant-Ziehsteinmacher durch den Werkzeugmechaniker in der Fachrichtung Stanz- und Umformtechnik. 

Insolvenz miterlebt

Tatsächlich sind Namen Schall und Rauch, denn das Aufgabengebiet hat sich für Wolfgang Michel nie groß verändert. „Es ist aber leichter geworden, früher haben wir alles mit der Hand gemacht“, erzählt der Rentner, der zu einem Spezialisten für Profilziehsteine wurde. Ziehsteine für Drähte zwischen 0,5 und 90 Millimeter Stärke hat er in mehr als fünf Jahrzehnten angefertigt. 

Auch eine Insolvenz musste Wolfgang Michel miterleben. Die Firma begann als Familienbetrieb W. Kayser Stanz- und Ziehwerkzeuge GmbH. In der dritten Generation erlebte der Betrieb seine schwärzeste Zeit, doch die Rettung kam mit Jürgen Siedler. 

Die Firma gehört heute zur M+S Gruppe. In Nachrodt arbeiten aktuell zehn Mitarbeiter „sehr effizient und mit großem Erfolg“, sagt Wolfgang Michel, der auch künftig immer mal vorbeischauen möchte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare