Christi Geburt auf zwei Etagen im Reihenhaus

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„Heimatkrippe“ nennt Wolfgang Funnemann diese Darstellung mit Schwarz-Weiß-Fotos von markanten Nachrodter Bauernhäusern im Hintergrund und einer Drahtzieherei am linken Rand. Auch einen kleinen Backofen hat der Krippenbauer in diese Szenerie eingefügt (rechts).

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Nein, mit einer Modelleisenbahn möchte Wolfgang Funnemann das nicht vergleichen, was er seit fast 15 Jahren sammelt. Dabei gibt es durchaus Parallelen. Dennoch beharrt der 68-Jährige darauf: „Eine Krippendarstellung ist etwas anderes!“

Ein Faible für die figürliche Darstellung des Geschehens der Heiligen Nacht hatte Wolfgang Funnemann eigentlich schon immer. Deshalb hat er auch gleich nach der Hochzeit mit seiner Ehefrau Margret im Jahr 1969 eine handgeschnitzte Weihnachtskrippe aus Oberammergau angeschafft. So richtig gepackt hat ihn das Sammelfieber aber erst viel später. „1997 und 1998 haben ich Krippenbaukurse besucht, danach ging es los“, erzählt der Rentner, der früher als Schaufenstergestalter in einem Altenaer Kaufhaus und als Grafiker beim Märkischen Kreis gearbeitet hat. Aus diesen Tätigkeiten hat Funnemann natürlich eine Menge kreatives Rüstzeug mitgebracht, um auch im Krippenbau schon bald zu Erfolgen kommen zu können. So hat er zum Beispiel eine Nachrodt-Wiblingwerder Heimatkrippe gebaut, mit viel Liebe zum Detail: Am linken Rand geht ein Drahtzieher seiner Arbeit nach, rechts wird in einem Steinofen frisches Brot gebacken. Und im Hintergrund erkennt der aufmerksame Betrachter auf zwei großen Schwarz-Weiß-Fotos zwei Fachwerkhäuser: Eins steht in der Löbbecke-Kurve, das andere im Dümpel. „Bethlehem ist überall“, sagt Wolfgang Funnemann. Auch in Nachrodt-Wiblingwerde.

Etwa 50 Krippen umfasst Wolfgang Funnemanns Sammlung, von ganz schlichten bis zu sehr detailreichen Modellen.

Sehr geschmackvoll gestaltet ist auch Funnemanns orientalische Krippe. Die bis zu 30 Zentimeter großen Figuren dazu hat er aus einem Nachlass bekommen, allerdings ziemlich ramponiert. Doch der Krippensammler erkannte, welchen Schatz er da in den Händen hielt und ließ die 100 Jahren alten Figuren restaurieren. Dazu baute er aus Hartschaumstoff und Holz eine kleine Wüstenstadt.

Für die Heimat- und die Orient-Krippe hat Wolfgang Funnemann in der zweiten Etage seines Hauses in Opperhusen einen Platz gefunden, eine Krippe im alpenländischen Stil steht in der Weihnachtszeit im Wohnzimmer. Gut zwei Meter breit und sicher einen halben Meter tief, bietet sie Platz genug für die Hirten, die Könige und die Heilige Familie. Und für jede Menge Details. Da gibt es einen hölzernen Wegweiser nach Bethlehem, einen Brunnen, einen Bildstock und ein Wegkreuz – alles selbst gebastelt von Wolfgang Funnemann. „Bei mir wird so etwas nicht gekauft“, sagt der Krippenbauer, der auch Leitern und Gartenzäune, Holzkarren und Brennholzstapel, Wagenräder, Schleifsteine und Handwerkszeuge selbst herstellt und dabei gar nicht einmal die absolute Perfektion anstrebt. „Da darf auch einmal etwas windschief sein“, sagt er und schiebt gleich noch eine Regel für seine Arbeit hinterher: „Eine Krippe muss nicht aus Gold und Silber sein, denn Jesus ist ja nicht im Prunk geboren.“ Wolfgang Funnemann ist ein Freund der einfachen Mittel, für ihn kommt es auf das Geschehen an, das er darstellen möchte, nicht auf das Material.

So hat er im vergangenen Jahr, als er mit seiner Ehefrau erstmals einen Weihnachtsurlaub verbracht hat, eine Krippe aus Strandgut gebaut. Auf der Nordseeinsel Spiekeroog hat er aus Holzresten einen Stern gebastelt und aus Steinen Josef, Maria und das Jesuskind zusammengefügt. Jetzt steht diese sehr minimalistische Krippendarstellung bei den Funnemanns auf einem Sideboard im Esszimmer.

Auf der Suche nach brauchbarem Material für seine Krippen ist Wolfgang Funnemann übrigens das ganze Jahr, ob zuhause oder im Urlaub. Von einem Besuch der vatikanischen Gärten hat er zum Beispiel das Stück eines hohlen Baumstammes mitgebracht, aus dem er dann eine Art Höhlenkrippe gebaut hat.

Doch auch wenn Wolfgang Funnemann viel selbst macht, einige Krippen hat er auch schlicht und einfach gekauft. Doch mit beinahe jeder verbindet er eine Geschichte. So hat er inzwischen Krippen aus Südtirol und aus Dänemark, aus Ungar und aus dem Erzgebirge, aus Chile, Peru und Afrika. Auch eine Krippe aus Bethlehem ist dabei, geschnitzt aus Olivenholz. Auch böhmische Papierkrippen gehören zu seiner Sammlung, die mittlerweile an die 50 Krippen umfasst. Zwei Mal hat Wolfgang Funnemann sich mit einigen seiner Exemplare schon an einer Krippenausstellung in Essen beteiligt. Ansonsten hat er die kleinen Häuser, Ställe und Figuren zuhause in einem umfunktionierten alten Wäscheschrank untergebracht. Die drei großen Krippen werden nur zur Weihnachtszeit aufgebaut und „übersommern“ ansonsten im Keller.

Funnemanns Sammelleidenschaft ist übrigens ungebrochen. „Ich freue mich immer über Krippenfiguren, auch wenn sie vielleicht ein bisschen kaputt sind“, sagt er. Hirten mit abgebrochenen Köpfen, Ochs und Esel mit abgeplatzter Farbe oder Könige, denen ein Zacken aus der Krone gebrochen ist, kämen in seiner Krippensammlung in gute Gesellschaft, versichert Funnemann. Allerdings wird es langsam eng in dem Reihenhaus. „Ja, vom Platz her ist die Grenze jetzt erreicht“, weiß der 68-Jährige. ▪ Volker Griese

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