Größer als ein Fuchs

Ist das ein Wolf? Jäger aus MK streiten über Foto aus Wildtierkamera 

Ist das ein Wolf? Aufnahmen einer Wildtierkamera zeigen ein hundeähnliches Tier. Seitdem wird spekuliert, ob ein Wolf durch Nachrodt-Wiblingwerde streift. Auszuschließen ist es nicht. Schon mehrfach wurden Wölfe im MK nachgewiesen.

Wolf-Sichtung in Nachrodt-Wiblingwerde oder doch nur ein Hund oder etwas ganz anderes? Es ist so allerhand, was Karl Heinz Tacke auf den Bildern seiner Wildtierkameras begegnet: Ein freches Reh, dass dem Betrachter die Zunge herauszustrecken scheint, eine Fähe (Füchsin) samt Nachwuchs und eine Bache mit Frischlingen, also eine junge Wildschwein-Familie. Aber ein Wolf?

Wolf
Wissenschaftlicher NameCanis lupus
Lebenserwartung6 bis 8 Jahre (in der Wildnis)

Am 14. Mai aber, genau um 4.43 Uhr, machte die Kamera eine Aufnahme, die Tacke stutzig und hellhörig werden ließ: Ein Tier, deutlich zu groß für einen Fuchs, war ins Visier der Kamera geraten und hatte den Blitz ausgelöst. „Ist das ein Wolf?“ fragte sich Tacke. „Ja, das kann einer sein“, dachte er sich. Und auch Förster Christof Schäfer bestätigte ihm: „Es ist möglich.“ Ein anderer Jäger, ein Bekannter Tackes, sah in dem Tier aber eher einen Goldschakal.

Wolf-Sichtung im MK: Wölfe sind in Nachrodt nicht willkommen

Wer der nächtliche Besucher war, bleibt also erst einmal offen. Eine Meldepflicht gibt es nicht. „Ich habe ihn seither nicht mehr gesehen“, sagt Karl Heinz Tacke. Und er ist nicht böse darüber. Die Anwesenheit des Wolfes in Nordrhein-Westfalen sieht Tacke, Waid- und Forstmann mit jahrzehntelange Erfahrung, nämlich mit Skepsis.

Ein Wolf? Eine Wildtierkamera machte diese Aufnahme.

„Wir tun dem Wolf keinen Gefallen, wenn wir ihm den roten Teppich ausrollen.“ Der Wolf sei ein schönes und intelligentes Tier. Aber: „Er braucht sehr große Gebiete. Und er frisst kein Gras.“ Sondern reißt vielmehr Schafe und Rinder, weshalb Wolfsichtungen vor allem Landwirte in Aufregung versetzen. „Dass das Tier auf dem Foto ein Wolf ist, ist möglich“, sagt auch Förster Christof Schäfer. Jedoch lasse die Abbildungsqualität zu wünschen übrig. Schäfer teil Tackes Bedenken. „Ich bin auch skeptisch.“

Tacke vermutet aber, dass der Wolf, wenn es denn einer war, eher auf der Durchreise war oder ist. Denn Nordrhein-Westfalen ist dicht besiedelt und von vielen Straßen durchzogen. Der Wolf bevorzugt aber flache Landschaften mit wenigen Straßen und Siedlungen. Wenn die Jungen aus dem Rudel ausgestoßen werden, müssen sie sich ein eigenes Revier suchen. Dabei legen sie nicht selten mehr als 1000 Kilometer zurück.

Die meisten Wolf-Sichtungen in NRW habe es in Ostwestfalen und am Niederrhein gegeben Vor allem Norddeutschland sei bei den Raubtieren beliebt. Das berichtet Matthias Kaiser vom Wildtier-Monitoring des Landesumweltamtes (Lanuv).

In Balve reißt ein Wolf vier Schafe

Es gebe für den Märkischen Kreis nicht viele Nachweise von Wölfen, wohl aber Sichtungen. Die ordnet das Lanuv dann als „unbestätigte Hinweise“ ein. Als ein solcher dürfte auch das Tier gelten, das die Wildtierkamera des Forstmannes vom Hallenscheid ausgelöst hat.

Karl Heinz Tacke mit den Bildern aus seiner Wildkamera.

Der letzte Nachweis eines Wolfs gelang für einen Vorfall am 28. November 2020. Da riss ein Wolf in Balve vier Schafe. Es konnte genetisch identifiziert werden, dass es sich um einen Wolf handelte, berichtet Matthias Kaiser. Es habe sich um ein Weibchen aus dem Rudel „Rodewald in Niedersachsen“ gehandelt. 14 Tage nach der Attacke in Balve wurde das Tier dann im Hohen Venn in der Eifel gesehen. Es muss den Rhein überwunden haben. „Das Tier ist mittlerweile dort verpaart und nicht mehr im Märkischen Kreis“, sagt Kaiser.

In NRW sind drei Rudel bekannt

Weiter zurück liegen Wolfssichtungen am 5. Juli 2019 in Kierspe, am 13. Mai 2019 bei Meinerzhagen. Und dann gibt es noch einen Fall, in dem die Losung eines Wolfes gefunden wurde. Das sei am 10. Mai 2019 gewesen. „Das Tier war aber genetisch nicht zu identifizieren, die Losung war zu alt“, berichtet Kaiser über die Hintergründe.

Ein Einzeltier oder ein Rudel benötige teils mehr als 100 Quadratkilometer Lebensraum. In NordrheinWestfalen seien derzeit drei Rudel bekannt, die ständig hier leben. „Die Aufregung von Nutztierhaltern ist verständlich“, sagt Matthias Kaiser. Aber man müsse auch verstehen: „Der Wolf hat sich NRW ausgesucht, nicht NRW sich den Wolf.“

Das ist den heimischen Förstern, Jägern, Landwirten und Waldbesitzern bewusst. Dennoch weist Förster Christoph Schäfer einmal mehr auf die erheblichen Probleme hin, die unvermeidbar sind, wenn der Wolf hier heimisch wird. Schafe, Ziege, Kälber und junge Pferde könnten gefährdet sein. „Wenn der Wolf sich in Nordrhein-Westfalen etabliert, wird das nicht ohne Konflikte ablaufen.“

Rubriklistenbild: © Privat

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