Der Beruf hat ein Problem mit seinem Ruf

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Martin Döhler, Bernd Fischer, Jörg Schuhmacher, Bürgermeisterin Birgit Tupat und Johannes Fischer.

Nachrodt-Wiblingwerde - Lauter Häuptlinge, aber keine Indianer mehr – eine Bude voller Meister, aber keiner schraubt: So kann es nicht sein. So soll es nicht sein. Das Handwerk benötigt Fachkräfte und Auszubildende und geht in die Offensive. „Wenn die Arbeit ruft, kaum zu bremsen“ heißt ein Slogan. Warum in Nachrodt Bernd und Johannes Fischer in ihrem Betrieb „Sanitär, Heizung, Klempnerei“ keine Nachwuchssorgen haben, erzählen sie im Rahmen der „Woche der Ausbildung.“

Zu Gast an der Altenaer Straße 30: Jörg Schuhmacher, Leiter der Berufs- und Studienberatung bei der Agentur für Arbeit Iserlohn, sein Kollege Martin Döhler vom Jobcenter Märkischer Kreis und Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Das Zeugnis ist nicht aussagekräftig. Es ist ein Blatt Papier“, sagt Bernd Fischer, Gas- und Wasserinstallateurmeister. Sein Unternehmen, das er mit seinem Bruder Johannes führt, setzt bei der Suche nach Azubis auf Praktika, gegenseitiges Kennenlernen und ein Testverfahren beim Berufskolleg für Technik.

 Dass junge Leute nicht direkt Hurra rufen und auf die Ausbildungsstellen im Handwerk stürzen, liegt „vielleicht auch daran, dass Eltern veralterte Vorstellungen haben und sie an ihre Kinder weitergeben“, vermutet Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Tatsächlich geht der Blick eher in die Industrie und das Handwerk bleibt links liegen“, weiß auch Martin Döhler. Es ist der Ruf, der dem Handwerk zu schaffen macht. „Wir sind überteuert, unpünktlich, rüpelig und manchmal auch etwas einfach gestrickt“, fasst Bernd Fischer die Vorurteile zusammen – und schmunzelt. Denn tastsächlich „ist der Beruf sehr vielfältig und abwechslungsreich. Wir kommen viel rum, arbeiten mit vielen Materialien.“ Wer handwerkliches Geschick hat und eine technische Affinität, könne dort die Erfüllung finden.

Den Beruf des Anlagemechanikers für Sanitär, Heizung und Klimatechnik erlernen die Azubis bei Fischer. Das Unternehmen, das 1964 gegründet wurde, hat 14 Angestellte, darunter zwei Azubis. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Werbung für den Beruf macht Matthias Groß, Fischer-Mitarbeiter im zweiten Berufsjahr, der jetzt als Ausbildungsbotschafter fungiert – eine Initiative der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen, um Beschäftigungsperspektiven und Aufstiegschancen bekannter zu machen. Außerdem beteiligt sich Fischer an Ausbildungsmessen.

 Auch, wenn das Nachrodter Unternehmen keine Nachwuchs-Sorgen hat, weiß Bernd Fischer durchaus von Betrieben, die „Probleme haben, Mitarbeiter zu bekommen, und die dann gar nicht mehr ausbilden.“ Eine Art Resignation. „Mehr Offensive“, sagt Jörg Schuhmacher und empfiehlt, auch in die Schulen zu gehen – schon bei den Berufsfelderkundungsphasen direkt mitzumischen. Das viel zitierte und veralterte Berufsbild „Gas, Wasser Scheiße“ muss durch die wahrlich positiven Merkmale ersetzt werden: Das schöne Bad vom Handwerker, das warme Haus, die Hilfe, wenn sie gebraucht wird.

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