Landwirte wollen an ihrem Image arbeiten

„Wir sind geerdet und leben den Gemeinsinn“

+
Kritische Worte fanden die Redner des Vorstandes des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes im Rahmen ihrer Versammlung. So verstehe die Politik häufig nicht mehr die Sorgen und Nöte der Landwirte.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es muss etwas passieren, da sind sich alle einig. Der Ruf der Landwirtschaft muss wieder besser werden. Aber wie soll das gelingen? Darüber wurde im Rahmen der Winterversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes kürzlich in der "Schönen Aussicht" lange und teilweise auch hitzig diskutiert.

Ortslandwirt Günter Buttighoffer stellte den heimischen Landwirten die neue Nachhaltigkeitsoffensive des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes vor. „Unser Ruf ist schlecht. Dagegen müssen wir etwas tun und einen Veränderungsprozess anstoßen“, mahnte Buttighoffer eindringlich. Es wäre an der Zeit, dass die Landwirte Überzeugungsarbeit leisten, offensiv für die Landwirtschaft werben und sich immer wieder selbst hinterfragen. Denn auch politisch sei die Situation nicht mehr so wie früher. „Die politischen Spielregeln wurden geändert. Die Politiker stehen nicht mehr geschlossen hinter uns – teilweise sicherlich auch durch Unwissenheit“, sagte der Ortslandwirt.

Politische Spielregeln

Dabei seien die Landwirte unter anderem Erzeuger hochwertiger Lebensmittel, Experten für Nutztierhaltung und Pflanzenbau und Pfleger der Kulturlandschaften. Zudem denke man als Landwirt für Generationen, sei geerdet und lebe Gemeinsinn. „Aber es ist auch klar, dass wir uns hinterfragen müssen und Dinge verändert werden müssen“, so Buttighoffer. Denn klar sei auch, dass durch den Berufsstand teilweise dazu beigetragen werde, dass Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden – auch wenn es sich hierbei um Ausnahmen und schwarze Schafe handelt. „Wir dürfen das nicht mehr tolerieren, müssen entschieden dagegen vorgehen“, appellierte Buttighoffer an die Anwesenden. Man dürfe die Sorgen und Ängste der Menschen nicht einfach abtun, sondern müsse sie ernst nehmen, auf sie zu gehen und erklären.

Kulturlandschaft

Außerdem müsse man wieder dazu kommen, mit Politik, Gesellschaft und Kunden auf Augenhöhe zu diskutieren. Damit dies gelingt, wurden vier Handlungsfelder – Rinder, Schweine/Geflügel, Pflanzenbau und Soziales – ausgearbeitet. Projektteams seien jetzt dabei, diese mit Leben zu füllen. Wie das aussehen kann, stellte Buttighoffer für den Bereich Rinder vor. „Wir wollen beispielsweise unsere Tiere nicht mehr enthornen. Das Ziel muss es sein, Rinder zu züchten, die schon genetisch keine Hörner mehr haben. 50 Prozent des Bestandes sollen bis 2030 so geboren werden.“ Die Mitglieder selbst fanden die Ideen gut, hatten aber ihre Bedenken, dass das gelingt. „Wen interessiert das? Wie sollen wir die Menschen in den Hochhäusern erreichen. Sie haben durch die Medien doch bereits ihre Meinung“, gab Hans-Jürgen Hohage zu bedenken. „Da arbeiten wir alle an unserem Ruf, öffnen unsere Türen für Besuchergruppen und dann kommt einer, kippt Millionen Liter Gülle in die Neye oder fährt eine tote Kuh im Frontlader durch den Kreis und all die Arbeit war sinnlos. 

Das Bild der Landwirte in der Öffentlichkeit müsse besser werden, so die einhellige Meinung der Landwirte.

Das ist schon frustrierend“, sagte auch Martin Hohage. Ansonsten war es ein durchwachsenes Jahr für die Landwirte. Sonne und Regen kamen zur falschen Zeit und machten eine gute Ernte zur echten Herausforderung. „Wer nicht Anfang Mai den ersten Schnitt machen konnte, hatte quasi das ganze Jahr keinen guten Erntefluss“, sagte der Ortslandwirt. 

Hof-Führungen

Außerdem habe der Ortsverband Öffentlichkeitsarbeit betrieben, durch Hofführungen und vor allem durch neue Bücher für die Grundschule. „Das ist eine gute Sache. Ich erlebe bei meinen Führungen über den Waldlehrpfad immer wieder, wie wenig Kinder, aber auch Erwachsene, über die Natur wissen, da müssen wir anknüpfen“, erklärte Karl-Heinz Tacke.

2016 sei vor allem für die Milchviehbetriebe das zweite schwere Jahr in Folge gewesen. „Ein Milchpreis von 22 Cent deckte nicht einmal die Produktionskosten. Mehr denn je wurden Betriebe geschlossen“, sagte Buttighoffer. Nun bräuchten die Landwirte länger stabile Preise, um sich erholen zu können. Man sei allerdings auf einem guten Weg und sehe Licht am Ende des Tunnels

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare