Bau von zwei Anlagen

Windräder in Veserde: „Weihnachten produzieren wir Strom“

Zufriedene Investoren der Windräder in Veserde: Jörg Kohberg (rechts) und Rainer Goeken vor dem Fundament des ersten Windrades.
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Zufriedene Investoren der Windräder in Veserde: Jörg Kohberg (rechts) und Rainer Goeken vor dem Fundament des ersten Windrades.  

Der Bau der beiden Windräder in Veserde schreitet trotz laufenden Rechtsstreits zügig voran. Die Investoren sind zuversichtlich: Bis Weihnachten produzieren die Anlagen Strom. Doch der Bau verlangt an einem Punkt viel Geschick.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Sicht ist vernebelt. Dichte Schwaden hängen über Veserde und mitten im Wald. Eine mystische Atmosphäre. Geradezu unwirklich. Sehr real sind dagegen die 550 Kubikmeter Fundament, die den Grundstein für den Bau des Windrades bilden. Die Schalung, die wie ein Tortenring aussieht, und die dazu dient, dass der Beton seine Form behält, wird später abgebaut und für das zweite Windrad genutzt.

Ein erster Meilenstein für die Betreibergesellschaft „Naturstrom Veserde“. Vor Ort sind die Geschäftsführer Jörg Kohberg und Rainer Goeken, die mit Bauleiter Jonas Badziong, Ingenieur bei der Firma Enercon, die nächsten Schritte besprechen.

Bautsopp nun unwahrscheinlich

Gebaut werden zwei Anlagen vom Typ Enercon E-92 EP3 mit einer Höhe von jeweils 149,90 Meter, die Strom für rund 3000 Haushalte liefern sollen. Weihnachten, so das Ziel, sollen sie sich drehen. „Weihnachten wird hier das erste Würstchen gegrillt und wir produzieren Strom“, sagt Rainer Goeken schmunzelnd.

Die Arbeiten, die wir uns jahrelang erhofft haben, können jetzt durchgeführt werden“, erklärt er mit Blick auf die juristischen Auseinandersetzungen, die noch laufen. Mit einem Baustopp rechnet aber keiner mehr, man sei „nur um ein paar graue Haare reicher“, was aber auch eher witzig gemeint ist.

Baustelle videoüberwacht

„Wir werden auch mit Sicherheit Bänke aufstellen, damit man die Fernsicht genießen kann“, verspricht Jörg Kohberg und erzählt von Spaziergängern, die sich genau das wünschen würden. Im Moment kann man aber weder weit gucken noch nah an die Baustellen heran, die abgesperrt sind und auch videoüberwacht werden. „Das ist nicht böse gemeint. Aber wenn hier einer ‘reinplumpst, kommt er nie wieder heraus. Sicherheit geht vor“, sagt Jörg Kohberg.

Videoüberwacht: die Baustelle für die Windräder in Veserde

Sieben Jahre sind seit Beginn des Vorhabens ins Land gezogen. Der Kostenplan ist für die Betreibergesellschaft dennoch nicht explodiert. „Wenn wir verklagt werden und das Gericht entscheidet, dass wir nicht im Unrecht waren, dann wird ein Großteil der Kosten von den Leuten, die die Anwälte bestellt haben, bezahlt. Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, so Rainer Goeken.

Mehr Leute wollen in Windräder investieren

Von den ursprünglichen Investoren sind zwei nicht mehr dabei – einer aus Krankheitsgründen, einer aus Altersgründen. „Es ist nicht so, dass einer aufgehört hat, weil er uns nicht mehr folgen wollte“, sagt Jörg Kohberg. Das Gegenteil sei eher der Fall. Das Interesse sei so groß, dass andere Investoren, auch Vereine aus der Region, gerne einsteigen würden.

Doch dieses Angebot gibt es nicht. „Wenn wir ein Finanzierungsloch gehabt hätten, hätten wir sicher darüber nachgedacht. Das haben wir nicht und werden wir auch nicht bekommen“, ist sich Rainer Goeken sicher.

Vergleichsweise kleine Anlagen

Das Unwetter hat den Bereich der Windräder verschont. Alle Wege sind in Ordnung. „Und von uns ist auch kein Schotter unten im Tal angekommen, kein Schaden verursacht worden“, sagt Jörg Kohberg. Die nächsten Schritte stehen jetzt an: Das Fundament wird ausgeschalt, dann der Boden verfüllt, verdichtet, dann beginnt das Aufstellen des ersten Windrades.

Die Windstärke wurde von den bestehenden Anlagen auf die neuen Windräder hochgerechnet. „Es ist genug Wind da“, so die Investoren. Die Windräder seien mit die kleinsten, die Enercon baue. „Große Anlagen haben 240 Meter, dagegen haben wir Kaffeemühlen“, sagt Rainer Goeken. Vor sieben Jahren, als Naturstrom Veserde angefangen habe, seien es moderne Anlagen gewesen, heute seien es eher Auslaufmodelle.

Rotorblätter von 46 Metern zu transportieren

Am Standort des zweiten Windrades ist im Moment nur das „nackte Eisen“ zu sehen – die Bewehrung, in die nachher der Beton eingefüllt wird. Zu erkennen sind auch Leerrohre, in denen die Kabel aus der Anlage heraus bis zur anderen Anlage und von dort bis zu einer noch zu erstellenden Übergabestation in der Obernahmer geführt werden.

Aufregend für die Beteiligten dürfte die Anlieferung der Bauteile sein. Zum Beispiel der Rotorblätter, einer der Hauptkomponenten der Windräder: Ein Rotorblatt ist ein einziges Bauteil mit einer Länge von 46 Metern. „Das kann, wird und muss in einem Stück angeliefert werden“, so der Bauleiter. Er spricht von einem anspruchsvollen Zufahrtsweg mit vielen Kurven und Gefällen.

Deshalb komme ein Selbstfahrer zum Einsatz – ein 18-achsiger Auflieger mit einer Flügeltransportvorrichtung. „Die erlaubt es uns, die Rotorblätter in ihrem Neigungswinkel bei der Fahrt auf- und abzustellen und zu drehen, sodass wir durch anspruchsvolle Gebiete oder Engstellen deutlich besser kommen“, so Jonas Badziong. Noch gibt es aber keinen Termin für die Anlieferung.

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