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Windräder in Veserde: Gegenwind für Windkraft-Gegner

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Der Transporter der Flügel blieb mitten in der Nacht auf der Baustraße im Schlamm stecken.
Der Transporter der Flügel blieb mitten in der Nacht auf der Baustraße im Schlamm stecken. © Privat

Das ist Stoff, aus dem auch ein Krimi geschrieben werden könnte: Der Bau von Windrädern und die vehementen Gegner, Anschuldigungen, Druck auf Parlamentarier und Klagen. Jetzt gibt es zwei neue Kapitel.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die UWG-Fraktion stellte den Antrag auf Rücknahme der Klage gegen die Errichtung und das Betreiben der beiden Windräder in Veserde. Gebaut werden zwei Anlagen mit einer Höhe von jeweils 149,90 Meter, die Strom für rund 3000 Haushalte liefern sollen. Und die UWG machte ihrem Unmut Luft. „Wir haben immer geschwiegen, aber jetzt muss auch mal gut sein.“ UWG-Fraktionssprecherin Petra Triches ist nicht mehr amüsiert von dem Vorgehen der Bürgerinitiative „Gegenwind“. Sprecher Jochen Feike hatte offenbar in einer Mail behauptet, die UWG würde die Veserder Bürger mit Windrädern belasten wollen. Dazu nahm Petra Triches während der Sitzung des Rates Stellung.

„Hätten wir damals die Änderung des 22. Flächennutzungsplanes durchgezogen, wären die beiden Windräder gebaut worden und es wäre gut gewesen. Wir hätten einen rechtskonformen Flächennutzungsplan, die Gemeinde wäre um mindesten 150 000 Euro reicher und uns würde keine Verspargelung der Gemeindefläche drohen.“

Wovon man ausgehen könne, sei, dass bei dem neuen FNP viel mehr Vorrangflächen für Windräder ausgewiesen werden würden. Durch die Kahlschläge der Wälder seien viele Flächen hinzugekommen, die sich für Windräder eignen würden. „Wenn wir den neuen FNP vorliegen haben, könnten wir einen Bebauungsplan aufstellen. Aber vorher ist das eigentlich sinnlos. Wir wissen im Moment nicht, welche Flächen betroffen sind. An die Kosten, die da auf uns zukommen, möchte ich gar nicht denken. Aber die Kosten interessieren Sie ja nicht“, sagte Petra Triches in Richtung Jochen Feike.

Windräder in Veserde: Gegenwind für Windkraft-Gegner

Auch die UWG, so Petra Triches, findet Windräder nicht schön, „deswegen haben wir schon 2019 einen Antrag auf Prüfung von Photovoltaikanlagen auf Gemeinde-Gebäuden gestellt, um auf anderen Wegen erneuerbare Energie zu erzeugen“. Sie erklärte zudem, dass junge Menschen kein Problem mit Windrädern hätten. „Sie möchten für den Klimaschutz erneuerbare Energie, und da es hier um die Zukunft dieser jungen Menschen geht, müssen wir uns diesen Wünschen auch stellen.“ Petra Triches bat Jochen Feike, auch andere Meinungen zu akzeptieren.

Der Angesprochene wies den Vorwurf der „Böswilligkeit und Hetze“ zurück. „Das kann ich nicht akzeptieren.“ Angebotene Gespräche von seiner Seite hätte man nie angenommen. Bürgermeisterin Birgit Tupat schlug ein persönliches Gespräch vor. Vielleicht sollte auch Werner Holzrichter dazustoßen, der zu Beginn der Ratssitzung von einem „Geschmäckle“ zwischen UWG und Betreibergesellschaft sprach. „Ich weiß nicht, welche Sachen da im Hintergrund laufen. Ganz wohl ist mir dabei nicht“, meinte Werner Holzrichter.

Windräder in Veserde: Hitzige Diskussion mit Windkraft-Gegnern

Über den Antrag der UWG, die Klage gegen die Windräder zurückzunehmen, wurde nicht entschieden. Man einigte sich einmütig auf einen Vorschlag von Bürgermeisterin Birgit Tupat. Am 17. Januar soll es nun im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss eine ausführliche Vorlage geben, die sich mit dem Thema Windkraft auseinandersetzt. Dann sollen die Fragen „Ziehen wir die Klage zurück?; Was sparen wir ein?; Wie ist das weitere Vorgehen?“ erörtert werden. Auch der Rechtsanwalt der Gemeinde soll dann Fragen beantworten. Ob er allerdings auch die Fragen der Bürgerinitiative beantworten wird, wie es sich Jochen Feike wünscht, ist noch nicht klar. „Es ist unser Anwalt, den wir bezahlen“, so die Bürgermeisterin. „Sie können sicher Fragen stellen, ob Dr. Schröder antwortet, werden Sie dann sehen“, meinte sie zu Jochen Feike, der auch von anderer Seite Gegenwehr bekam – nämlich von Ulrich Vogel, der zwar Mitglied der Betreibergesellschaft „Naturstrom Veserde“, ist, aber als Privatperson von „schulmeisterlichen Ratschlägen für den Rat“ des Sprechers der Bürgerinitiative sprach.

„Die Windkraftgegner suggerieren in ihren Stellungnahmen grundsätzlich, dass alle Nachrodt-Wiblingwerder gegen Windenergie und gegen das laufende Projekt in Veserde sind.“ Das Gegenteil sei der Fall. Bei vielen Gesprächen vor Ort mit Spaziergängern und Besuchern könne man überhaupt keine Tendenz gegen die Windräder feststellen. „Der überwiegende Teil findet das Projekt als richtigen Wegweiser für eine Energiewende, denn ökologischer Strom wird zurzeit mit steigender Tendenz dringend benötigt und adäquate Alternativen stehen nicht ausreichend zur Verfügung. Auch dazu haben sich die ambitionierten Gegner nie geäußert“, so Ulrich Vogel. Daraus lasse sich ableiten, dass dem Rat in der Vergangenheit immer nur die Interessen einer kleinen Gruppe gefühlter Betroffener nahegebracht worden seien.

Während Rat und Bürger diskutieren, läuft der Bau der Windräder weiter. In der Nacht zum Donnerstag gab es eine kleine Panne: Die Flügel für die Windräder, die von der Umladefläche an der L 692 nach Veserde transportiert werden sollten, kamen nicht an. Der Transporter blieb auf der Baustraße im Schlamm stecken, die Räder drehten durch. Es ging nicht mehr weiter. „Das Wichtigste ist aber, dass niemanden etwas passiert ist“, so Jörg Kohberg, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft.

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