Windkraft

Windkraft-Investoren:„Inhalte sind im Umlauf, die so gar nicht richtig sind“

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Nachrodt-Wiblingwerde - Jetzt ist es an der Zeit, ein paar Dinge klar zu stellen. Das finden Ulrich Vogel, Franz Spelsberg und Jörg Kohberg von der Betreibergesellschaft „Naturstrom Veserde“. Vor allem, nachdem die Stellungnahme der Flugsicherung gegen den 22. Flächennutzungsplan öffentlich wurde.

"Stimmung machen, das hilft keinem weiter“, sagt Ulrich Vogel. 

Aber nun sei man an einem Punkt, wo einiges aus dem Ruder laufe. „Inhalte sind im Umlauf, die so gar nicht richtig sind“, sagt Ulrich Vogel und ergänzt: „Jetzt sind wir vor einer nächsten größeren Entscheidung im Rat. Für viele scheint schon klar, dass die Windkraft in Nachrodt gestorben ist.“ 

Es ist nicht das Haselhuhn, das den Vertretern der Windenergie-Investoren zu schaffen macht. „Heute ist es das Haselhuhn. Morgen ist es der Alligator im Wördener Bach.“ Es geht um die Flugsicherung. Die Stimmungslage sei in Nachrodt-Wiblingwerde gegen Windkraftanlagen, und die veröffentlichte Stellungnahme helfe den Kommunalpolitikern bei der nächsten Entscheidungsfindung. 

Nur: Naturstrom Veserde hat schon längst eine Zustimmung für das Bauvorhaben von besagter Flugsicherung. Das Schreiben liegt dem AK vor. Für das Bauvorhaben gibt es also eine Genehmigung – vom Februar 2016. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens hatte der Märkische Kreis die Bauunterlagen an die Träger öffentlicher Belange geschickt. Und einen positiven Bescheid bekommen. „Wir stören das Radar nicht und haben eine Genehmigung“, sagt Ulrich Vogel. 

"Die Deutsche Flugsicherung gibt generell keinen positiven Bescheid"

Ebenso beteiligte jetzt die Gemeinde im Rahmen der 22. Änderung des Flächennutzungsplanes die Träger öffentlicher Belange – und bekam eine negative Auskunft der Flugsicherung. Wie kann das sein? „Die deutsche Flugsicherung gibt generell keinen positiven Bescheid, weil sie nie wissen kann, was anschließend daraus wissen. 

Es steht im Flächennutzungsplan nicht, ob da zehn, zwölf oder 150 Anlagen hin sollen. Grundsätzlich ist diese Fläche freigegeben für Windkraft. Es steht nicht drin, wie hoch das Windkraft ist und wo es hinkommt. Es gibt also erst dann einen positiven oder negativen Bescheid, wenn ein konkretes Bauvorhaben angefragt wird“, erklärt Jörg Kohberg die merkwürdige Situation. Das Problem sei nun, dass die Stellungnahme der Flugsicherung zum Flächennutzungsplan falsch ausgelegt werde. 

„Wenn die Politik glaubt, dass die Windkraft nun gestorben ist, dann stimmt das so nicht.“ Die Frage ist, wie die Kommunalpolitiker über die 22. Änderung des Flächennutzungsplanes entscheiden. Und welche Auswirkungen welche Entscheidung hat? „Für uns ist es fast egal“, sagt Ulrich Vogel. „Es verzögert nur“, meint auch Jörg Kohberg. Die Betreibergesellschaft Naturstrom Veserde bleibt bei der Aussage: „Die Windräder kommen. 

Investoren gehen davon aus, dass Windkraftanlagen gebaut werden

Die Frage ist nicht, ob gebaut wird, sondern wann gebaut wird.“ Der Atem sei lang. „Wir haben es angefangen und ziehen es durch. Im Moment kostet es uns kein Geld, sondern nur Zeit. Wir machen es ehrenamtlich, haben keinen Projektierer. Was wir bisher ausgegeben haben, war Risikokapital. Das war jedem klar. Wie lang sich das Verfahren hinzieht, wissen wir nicht. Wir haben alle Anforderung erfüllt.“ 

Die Szenarien: Wenn die 22. Änderung des Flächennutzungsplanes durchgeht: „Dann wird der Märkischen Kreis uns irgendwann die Baugenehmigung erteilen.“ Wenn die 22. Änderung nicht weitergeführt wird: „Dann wird der Märkische kreis tätig, wird vielleicht noch einmal eine Frist setzen. Und dann ist Feuer frei für das gesamte Gemeindegebiet. Auch dann werden wir irgendwann eine Baugenehmigung erhalten.“ 

Die Investoren wehren sich übrigens gegen den Vorwurf, nur Geld machen zu wollen. „Auch die Windkraftgegner wollen im Prinzip etwas Grünes, etwas Gesundes, etwas Nachhaltiges. Aber dann muss man dafür auch etwas tun. Nur gegen Dinge zu reden, ohne mit alternativen Lösungen aufzuwarten, ist schwach“, sagt Ulrich Vogel. 

Regelungen, die Investitionen behindern, sollen abgeschafft werden

Wie der Westfälische Anzeiger berichtet, will die nordrhein-westfälische Landesregierung den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern. Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) kündigte ein „Entfesselungspaket“ zugunsten erneuerbarer Energien an. Regelungen, die Investitionen in wettbewerbsfähige und umweltfreundliche Solar-, Geothermie- und Windkraftanlagen behinderten, sollen demnach abgeschafft werden. 

Er wolle sich im Bund dafür einsetzen, ein von der Windenergiebranche heftig kritisiertes Ausschreibungsverfahren zu korrigieren, um Projekte schneller an den Start zu bringen, sagte Pinkwart. Der FDP-Politiker verhandelt bei den Jamaika-Sondierungen in Berlin im Energie-Bereich. Er rechne damit, dass die derzeit etwa 5000 Megawatt umfassende Gesamtleistung der rund 3500 Windkraftanlagen in NRW bis 2022 fast verdoppelt werden könne, sagte Pinkwart. Derzeit liefert die Windenergie in NRW knapp sechs Prozent für den Stromverbrauch – bundesweit sind es zwölf Prozent.

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