Wildschweine machen auch vorm Friedhof nicht Halt

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Dora Obstfeld präsentiert das Ausmaß der täglichen Bescherung. Ihr Sohn Rainer versucht sein Bestes, die Rasenteile wieder zusammenzupuzzeln.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die „Puzzleteile“ seines Rasens hatte Rainer Obstfeld erst vor wenigen Stunden wieder zusammengesetzt – da war die Rotte schon wieder da und grub den Garten an der Wiblingwerder Straße erneut um.

Die Familie leidet neuerdings unter täglichen Besuchen der Wildschweine, die auch vor dem angrenzenden Friedhof nicht Halt machen und sogar vereinzelt Gräber verwüsten: „Die Nachbarschaft scherzt schon, dass wir irgendwann alte Bekannte wiedersehen“, berichtet Dora Obstfeld von schwarzem Humor der Bekannten. In Anbetracht des sich täglich neu ausbreitenden Schlachtfelds ist der Seniorin das Lachen allerdings vergangen: „Meine Cousine Ellen traut sich nicht mehr raus“, erklärt sie. In dem von ihr bewohnten Bereich der Doppelhaushälfte sind die Schweine bis zu dem direkt ans Haus angrenzenden Ziergarten vorgedrungen. Was die Tiere dort und auf dem bislang so gepflegten Rasen suchen, ist den Anwohnern klar: „Unter der Erde suchen sie nach Würmern und Engerlingen. Um an die ranzukommen, graben sie sich auch unter Zäunen durch. Das sehen wir ja am Friedhof nebenan...“

Familie Obstfeld hatte sich mit einer durchgehenden Hecke beholfen, nachdem ihr Zaun nach Jahren morsch geworden war. Das Prinzip ging ein paar Jahre gut. „Klar kamen immer mal wieder Tiere. Aber nie so oft und nie so nah ans Haus wie jetzt“, schildert Dora Obstfeld die Situation. Ihre Cousine hat die Tiere schon live gesehen und auch fotografiert: Eine Bache mit sechs Frischlingen tobt sich an der Wiblingwerder Straße aus. Ordnungsamt und Förster können nicht helfen: „Wir haben die Auskunft bekommen, dass das Gebiet nicht bejagt werden darf.

„Stimmt“, bestätigt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer, „ein Friedhof ist ein nicht bejagdbarer Bereich und auch in Wohngebieten darf nicht geschossen werden.“ Natürlich könnten sich Jagdpächter beim Märkischen Kreis Ausnahmegenehmigungen besorgen, aber das sei „ein Riesenaufwand“. Boshamer, der wegen der Schäden auf dem Evangelischen Friedhof auch schon mit der Kirchengemeinde Kontakt aufgenommen hat, sieht eigentlich nur zwei Möglichkeiten, die Wildschweine – „wir reden hier von 20 bis 30 Tieren“ – von ihren nächtlichen Beutezügen abzuhalten. Man könne entweder Duftstoffe ausbringen, die die Schwarzkittel vergrämen, oder einen Elektrozaun aufstellen, den sie nicht überwinden können. „Aber das ist Sache des Grundstückseigentümers“, betont der Ordnungsamtsleiter.

Dass die Wildschweine in der Gemeinde langsam zur Plage werden, ist Boshamer bewusst. „Die Jäger werden der Population einfach nicht Herr“, stellte er fest. Und eine Besserung ist scheinbar nicht in Sicht. Boshamer: „Ich befürchte, dass uns das Problem noch eine ganze Weile beschäftigen wird.“ - Volker Griese/Ina Hornemann

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