Jagd

Wildschweine verwüsten Gärten an der Schmalsgotte

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Wildschweine tummeln sich mittlerweile auch in Wohngebieten und Innenstädten.

Nachrodt-Wiblingwerde - An der Schmalsgotte fühlen sich die Wildschweine wohl. Gerne verwüsten sie die Gärten von frustrierten Anwohnern. Was Jäger dagegen tun, und warum die Jagden nicht bekannt gegeben werden, erzählen Forstoberinspektor Christof Schäfer und Karl-Heinz Tacke. 

Aller guten Dinge sind drei. Oder vier? Nur in diesem Fall sicher nicht. Zum vierten Mal sind Wildschweine über den Garten von Meinolf und Ursula Hester hergefallen. 

Nach der letzten Wühl-Attacke gibt es nur noch eine Matsch-Mond-Landschaft hinter dem Haus an der Schmalsgotte 5. Das Ehepaar hat die Nase gestrichen voll. Und hat gehandelt. Doch die Wildschweine sind schlau. Sehr schlau.

Seit 1983 leben Meinolf und Ursula Hester an der Schmalsgotte. Wildschweine im Garten? Das gab es nie. „Aber dann hatte der Nachbar zur Rechten im vergangenen Jahr am helllichten Tag Frischlinge auf der Wiese“, erzählt Meinolf Hester. Seitdem gibt es für die „Schweinchen“ offenbar kein Halten mehr. In der Nacht von Sonntag auf Montag bekam das Ehepaar Hester wieder Besuch. Die Rotte leistete ganze Arbeit – offensichtlich fast geräuschlos. 

„Das Schlafzimmer ist zum Garten hin. Das Fenster war auf. Und wir haben trotzdem nichts gehört.“ Meinolf Hester vermutet, dass die Wildschweine am Wendehammer aus dem Wald herauskommen. Von der Schmalsgotte nach unten gesehen Richtung Baugenossenschaftshäuser ist ein Zaun gezogen. Ein Maschendrahtzaun, der wahrscheinlich nicht das größte Hindernis darstellt. Auf den Schäden, die die Wildschweine hinterlassen, bleiben die Privatleute sitzen. 

Wildschweine sind schlau: Auch ein Bretterzaun hält sie nicht auf

Meinolf Hester an seinem neuen Zaun. Unten liegen nun dicke Baustahlmatten. Und trotzdem kamen die Wildschweine wieder auf das Grundstück an der Schmalsgotte.

Aber es ist nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine körperliche Höchst-Anstrengung, die Gärten wieder einigermaßen auf Vordermann zu bringen. Meinolf und Ursula Hester stehen mit ihren 71 und 72 Jahren vor einem Problem. Ein Bretterzaun, frisch gezogen, sollte die nächsten Verwüstungen verhindern. „Unten liegen nun dicke Baustahlmatten. Da kommt keiner mehr durch“, lachte Meinolf Hester noch am Mittwoch, um dann in der Nacht zum gestrigen Freitag eines Besseren belehrt zu werden. 

„Ich hörte es grunzen. Sie waren wieder da. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben.“ Die Tiere „besuchten“ auch die Grundstücke der Schmalsgotte 1 und 3. Für Meinolf Hester steht fest: „Man kann nur die Grundstücke verbarrikadieren. Sonst gibt es keine Möglichkeit, sich zu schützen.“ Am meisten verstimmt es den Nachrodter allerdings, dass niemand weiß, wann denn eine Jagd stattfindet. Ob denn überhaupt eine Jagd stattfindet. Und was geschossen wird. 

„Die Öffentlichkeit wird überhaupt nicht informiert“, sagt Meinolf Hester. Und er hat Recht damit. Warum das so ist, erklärt Forstoberinspektor Christof Schäfer: „Man möchte vermeiden, Jagdgegner auf den Plan zu rufen. Denn das hatten wir schon. Wenn eine Jagd bekannt wird, werden Hochsitze beschädigt und es wird alles versucht, die Jagd zu verhindern. Und wenn man weiß, welch riesiger organisatorischer Aufwand hinter einer groß angelegten Jagd steht, dann möchte man nicht, dass alles für die Katz ist.“ 

Einzeljagd ist genauso wichtig wie revierübergreifende Jagd 

Vor zwei Wochen gab es eine revierübergreifende Jagd. Das Revier am Hallenscheid, Gut Sassenscheid, das Revier am Salzlager und die Eigenjagd von Karl-Heinz Tacke waren dabei. „Es gab ein Riesenaufgebot, 40 bis 50 Hunde waren dabei. Doch die Strecke war gemessen am Aufwand relativ mager. Sieben Wildschweine wurden erlegt“, erzählt Forstoberinspektor Schäfer. So einfach lassen sich die Tiere nicht zur Strecke bringen: Sie sind schlau, können sich gut verstecken. 

Seit jeher machen die Menschen Jagd auf die Sauen. Schon in der griechischen Mythologie berichtet Homer, wie die Göttin der Jagd Artemis aus Rache ein Wildschwein auf die Erde schickt, das die Felder und Weingärten verwüstet. Die Römer, Germanen und auch die Inder – sie alle jagten Wildschweine: mit Spießen, Hunden, Pfeil und Bogen. Die Jäger von heute sind besser ausgerüstet, haben es aber heute mit einer riesigen Population zu tun. 

In den vergangenen fünf/sechs Jahren gab es mehr als genug Futter. „Und bei guter Ernährung reagieren die Tiere mit vielen Nachkommen. Bei Frost und hoher Schneelage sieht das anders aus“, sagt Christof Schäfer, der den Schlüssel des Erfolgs für die Jäger in gemeinsamen Jagden sieht. Da ist Karl-Heinz Tacke nicht ganz seiner Meinung. „Revierübergreifende Jagden sind wichtig, aber genauso wichtig ist die Einzeljagd. Das hat am meisten gebracht. Ich habe allein vom ersten April bis jetzt 24 Schweine geschossen.“

Afrikanische Schweinepest könnte zum Problem werden

Und das ist viel. Im vergangenen Jahr waren es 15. Die Schäden, die die Wildschweine anrichten, sind erheblich. Aber sie sind nicht das einzige Dilemma. „Das kann man alles regulieren, aber wenn wir die Pest an den Hals kriegen, dann haben wir ein echtes Problem“, sagt Karl-Heinz Tacke und spricht von der Afrikanischen Schweinepest. „Die Afrikanische Schweinepest (ASP) tritt seit 2014 in den baltischen Staaten und in Polen auf. 

In weiter östlich liegenden Ländern (z. B. Russland, Ukraine) kommt die Seuche seit 2007 bis heute gehäuft vor. Aufgrund des hohen Infektionsdruckes kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Seuche nach Deutschland und in weitere Länder der EU verschleppt wird. Der jüngste Ausbruch in der Tschechischen Republik hat dies eindrücklich belegt“, so das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. 

Eine Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland brächte schwere wirtschaftliche Folgen für alle Schweinehalter mit sich. Frischlinge schießen, Frischlinge schießen. Das scheint die Devise zu sein. „Ich fordere aber immer, dass auch Überläufer, die keine Frischlinge führen, das ganze Jahr geschossen werden müssen“, sagt Karl-Heinz Tacke. 

Er hat für die nächste Zeit vier Einladungen zu Treibjagden, unter anderem in Veserde, Brenscheid und Großendrescheid. Tacke weiß, dass es Menschen in der Gemeinde gibt, die nicht wollen, dass geschossen wird. „Es hat sich herumgesprochen, dass es eine Familie gibt, die die Wildschweine sogar füttert. In der Nähe der Schmalsgotte. Und dann gehen die Tiere natürlich auch in die anderen Gärten.“

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