Gegen Wildschweine ist Handeln gefragt

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Peter Markett (beratender Berufsjäger), Ludwig Krämer (Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands), Karl-Heinz Tacke (Jäger im Öffentlichkeitsausschuss des Hegerings Altena/Nachrodt-Wiblingwerde), Harald Laus (Hegeringsleiter), Günter Buttighoffer (Kreis-Landwirt), Thorsten Schick und Ulrich Brinkmann (stellvertretender Kreislandwirt).

Nachrodt-Wiblingwerde - Es war eine Art „Wildschwein-Gipfel“. Vertreter aus Landwirtschaft, Jägerschaft und Politik trafen sich auf dem Hof von Günter Buttighoffer. Allen Beteiligten war eines klar: So kann es nicht weitergehen.

20 Prozent der Flächen von Günter Buttighoffer gleichen eher einem Acker als Grünland. 20 Prozent, das entspricht einer Fläche von 35 bis 40 Fußballfeldern. Natürlich geht es nicht nur ihm so, sondern allen Landwirten im Umkreis. Die Schweine richten von Jahr zu Jahr größere Schäden an – gerade in den vergangenen beiden Jahren sei es schlimm gewesen. Dadurch, dass es ungewöhnlich viele Eicheln und Bucheckern gab, suchten die Tiere zum Ausgleich tierisches Eiweiß und das fanden sie nirgends besser als auf dem Grünland der Bauern.

„Die Zeiten, wo wir mit einer Schüppe und Gummistiefeln die aufgewühlten Flächen wieder fertig gemacht haben, sind längst vorbei. Die Flächen sind dafür viel zu groß“, erklärte Buttighoffer. Das werde mittlerweile maschinell erledigt. Dennoch gibt es Probleme. Unter anderem habe sich der Dreckanteil im Futter massiv erhöht. Lag er zuvor bei sechs bis acht Prozent, sei er nun im zweistelligen Bereich, was einer massiven Qualitätseinbuße entspreche und sogar für Schimmel sorgen könne.

Jäger stoßen an ihre Grenzen

Die Jäger kennen die Probleme der Landwirte und würden gerne helfen. Aber sie stoßen momentan an ihre Grenzen.

Zum einen sind die Schweine schlau und verstecken sich zu gut in den dicht bewachsenen Kyrillflächen, zum anderen sind die Gesetzesvorgaben so, dass Maßnahmen wie größere Futterplätze, sogenannte Kirrungen, und die Installation von Wildkameras mittlerweile größtenteils verboten sind.

„Es muss gesetzlich etwas passieren. Was bringt uns ein halber Liter Mais auf 100 Hektar? Da locken Sie heute kein Schwein mehr mit an“, appellierte beispielsweise Harald Laus, Vorsitzender des Hegerings, an den CDU-Landtagsabgeordneten Thorsten Schick. Auch sei er dafür, weiterhin Überläufer abzuschießen, also einjährige Tiere. „Natürlich muss man sehr pflichtbewusst vorgehen und sich genau überlegen, welches Tier man schießt“, betonte Laus. Nicht, dass beispielsweise eine Bache getroffen werde.

„Wir müssen an die Frischlinge“

Peter Markett, beratender Berufsjäger, sieht weder die Kirrung noch den Abschuss von Überläufern als zielführend. „Ich will nicht sagen, dass diese Aktionen nichts bringen, aber sie bringen alleine nichts. Wir müssen an die Frischlinge. Und wir müssen gemeinsam gegen die Problematik vorgehen, große Gemeinschaftsjagden durchführen“, erklärte Markett. Auch betonte er, wie ernst die Lage ist: „Wildschweine habe ein Vermehrungspotenzial von 300 Prozent, da wird jeder Hase blass.“

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