"Augen zu und durch"

Grüße aus China und ein Auf und Ab der Gefühle

30 Stunden war Larissa Römer unterwegs mit 30 Kilo Gepäck für die nächsten Monate.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein großes Auf und Ab der Gefühle, keine Zeit für Heimweh, eine Toilette auf dem Balkon und ein Topf mit Hühnchen, von den Füßen bis zu den Organen: Larissa Römer erlebt spannende Dinge in China. Die Wiblingwerderin studiert aktuell „in einer ganz anderen Welt“ und erzählt im AK-Gespräch davon.

Larissa studiert in Foshan, einer Stadt in der Nähe von Guangzhou in Kanton, knapp 250 Kilometer von Hong Kong. „Ich wurde von Studenten der Universität abgeholt“, erzählt Larissa, die einen Ewigkeits-Trip von Deutschland nach China hinter sich hatte. „Nach mittlerweile 30 Stunden ohne Schlaf war es mit der Kommunikation alles andere als einfach, daher herrschte betretendes Schweigen. Sie merkten, dass ich Schlaf brauchte, und brachten mich zum Wohnheim. Dort war es dreckig, und ich war nach den letzten Stunden einfach nicht mehr dazu in der Lage, mich mit einem Zimmer, dessen Toilette auf dem Balkon in einer kleinen Kammer war, anzufreunden, geschweige denn ohne Internet zu leben. Hier entschied ich mich, bis zum Umzug auf den neuen Campus der Universität in ein Hotel zu ziehen.“ Dort gab es dann die heiß ersehnte Dusche und genügend Schlaf.

Gleich am ersten Tag wurde Larissa von einem ihrer Professoren zum Essen eingeladen. „Sie stellten einen Topf in die Mitte des Tisches. Darin befand sich Hühnchen. Und wenn ich sage Hühnchen, dann meine ich Hühnchen: von den Füßen bis zu den Organen. Hier in Südchina lässt man nichts verkommen. Und wenn man nicht weiß, was man isst, dann ist es übrigens auch halb so wild und es schmeckt sogar.“

In besagten Topf wurde nach und nach Gemüse, Fisch und Tofu getan. „Dazu gab es den guten Selbstgebrannten. Das Essen dauerte somit knapp vier Stunden.“

Larissa studiert jetzt in China.

Als die Wiblingwerderin einen Tag später allein die Umgebung erkundete, fand sie riesige Einkaufszentren. „Allgemein ist hier alles unglaublich groß und man fühlt sich wirklich winzig. Ich habe mir Kleinigkeiten auf einem Markt gekauft und einen Tempel gefunden. Diesen Tempel möchte ich später einmal besuchen.“

Angst, gemischt mit Selbstzweifeln und der Tatsache, dass sie nicht mal eben zurück nach Hause konnte, überwältigten die junge Studentin durchaus. „Augen zu und durch“ war das bewährte Mittel.

Wenn man in China leben möchte, muss man sich bei der Polizei wohnhaft melden. „Eine ziemlich befremdliche Situation, wenn man da stundenlang sitzt“, erzählt die Wiblingwerderin, die dann aber wenige Tage später ihr erstes richtig schönes Erlebnis hatte.

"Einer der schönsten Tage, die ich jemals erlebt habe."

„Ein Kommilitone hat mir einen Park gezeigt – mitten in Foshan. Bei knapp 30 Grad und Sonne war das ein unglaublicher Tag zum Spazieren gehen. Wir haben uns Fahrräder genommen und sind zu einem Turm auf einem kleinen Hügel. Ich konnte von keiner Seite des Turms aus ein Ende der Stadt sehen. Es war einer der schönsten Tage, die ich jemals erlebt habe. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl gehabt, angekommen zu sein und mich hier zuhause fühlen zu können.“

Am Tag zehn zog Larissa vom Hotel ins neue Wohnheim. Sie teilt sich mit drei anderen jungen Frauen ein Zimmer. „Alles, was ich hier besitze, ist ein ziemlich unbequemes Hochbett“, lacht die junge Frau, und fügt hinzu: „Aber immerhin gibt es ein Moskitonetz, so dass man sich dennoch ein wenig so fühlt wie eine Prinzessin.“ Der Campus ist riesig. Neben zehn Wohnheimen mit mehr als 500 Studenten pro Komplex, einer riesigen Kantine und einer mehrstöckigen Bücherei, gibt es mehr als genug Hörsäle, große Verwaltungsgebäude, Tennis-, Fußball und Basketballplätze, ein Schwimmbad und ein Fitnessstudio. „Über ein mangelndes Angebot an Sport kann man sich nicht beschweren“, findet Larissa, die ihren ersten richtigen Tag als Studentin angenehmer als gedacht empfand.

Am Tag zwölf besuchte die Wiblingwerderin nach den Vorlesungen die Frauen, mit denen sie bereits in Deutschland Kontakt hatte. „Sie machten sich Sorgen um mich, freuten sich aber auch, mich endlich kennenzulernen, und ich fühlte mich gleich viel wohler. Ich habe jetzt das Gefühl, dass es eine wunderbare Zeit werden kann.“

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