Pfarrer Jacobi hinterlässt bleibende Handschrift

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Wie Superintendentin Martina Espelöer nahmen auch viele Menschen aus Wiblingwerde und Hohenlimburg Abschied von Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi (r.), der eine neue Stelle in Antwerpen übernehmen wird. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ In der Kirche der Evangelisch-reformierten Gemeinde Hohenlimburg fand am Sonntagnachmittag der Abschiedsgottesdienst für den Wiblingwerder Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi statt. Er war in den vergangenen 20 Monaten der Seelsorger für die Hohenlimburger wie auch die Wiblingwerder Gemeinde und sucht nun eine neue Herausforderung in Belgien.

„Er war nicht nur ein hervorragender Seelsorger. Er war nicht nur Wegbegleiter, er war Wegbereiter“, sagte Superintendentin Martina Espelöer vom Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn in ihrer Ansprache. Beide Gemeinden seien innerhalb seiner Amtszeit von seinem Wirken geprägt worden, so Espelöer. So habe Dr. Jacobi beispielsweise bei der Renovierung der Dorfkirche in Wiblingwerde mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Auch sei er derzeit noch damit beschäftigt, den „Jungen Musiksommer“ in Wiblingwerde zu schaffen.

Die Sitzplätze in der Hohenlimburger Kirche waren nicht nur restlos besetzt, einige Besucher mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Die Tatsache, dass sich Gläubige aus beiden Gemeinden einfanden, um sich von ihrem Pfarrer zu verabschieden, erklärte diese auftretende Raumnot. Doch dass man sich so zahlreich eingefunden habe, hinge mit einem „dummen Zufall“ zusammen, meinte die Superintendentin. Denn Dr. Jacobi habe gemeinsam mit seiner Ehefrau Cordula Urlaub in Südholland gemacht und von dort aus einen Abstecher nach Antwerpen unternommen. Dort habe er dann gehört, dass die deutschsprachige evangelische Gemeinde einen neuen Pfarrer suche. „Und daraufhin hat er sich leider beworben“, bedauerte Espelöer. „Die Handschrift Dr. Jacobis in den Kirchenbüchern Hohenlimburgs und Wiblingwerdes wird nicht verblassen“, glaubte sie aber, dass der scheidende Pfarrer bleibende Spuren hinterlasse.

Beim Empfang nach dem Gottesdienst fanden sich zahlreiche Gäste aus den unterschiedlichen Institutionen und Gemeinden ein, die Dr. Jacobi für sein Wirken dankten und ihm für seine zukünftige Tätigkeit alles Gute wünschten. Zu ihnen gehörten beispielsweise auch Pastor Dieter Aufenanger, der Seelsorger der katholischen Gemeinde St. Bonifatius aus Hohenlimburg. „Wenn Sie schon ins Ausland gehen“, so Aufenanger, „möchte ich Ihnen etwas mit auf den Weg geben, was sie an ihre Heimat erinnert“. Er überreichte Dr. Jacobi in der Tat etwas typisch Deutsches: einen Gartenzwerg. „Der sieht ja fast aus wie ein Bischof“, meinte Dr. Jacobi und wollte damit ganz augenscheinlich seine Rührung unterdrücken. „Richtig“, konterte Aufenanger. „Nur die Mütze ist ein wenig anders“. Kuriosum am Rande: Die Pfarrhäuser der beiden Geistlichen stehen nebeneinander. Und das sorgte offenbar für ein gutes Miteinander.

Für die Wiblingwerder Gemeinde sprach der Presbyteriumsvorsitzende Rainer Nowak. Schlussendlich bemerkte er launig: „Wir werden wohl die Ausstiegsmöglichkeiten Ihres Nachfolgers, insbesondere aber auch die Höhe der Ablösesumme überdenken müssen.“

Hinsichtlich der Nachfolge Dr. Jacobis ist derzeit noch vieles offen. „Derzeit zeichnet sich eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Berchum, Hohenlimburg und Wiblingwerde ab“, so Superintendentin Espelöer. Es könne also durchaus sein, dass der künftige Seelsorger drei Gemeinden zu betreuen habe. Zwar müssten die Ausschreibungen, die an kirchliche Fristen gebunden seien, noch erfolgen, der Weg sei aber schon vorgegeben. Aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit mit den beteiligten Presbyterien sei aber davon auszugehen, dass die Frage der Nachfolge Dr. Jacobis bis zum Jahresende gelingen könne.

Doch wie fühlt sich Dr. Jacobi? „Ehrlich gesagt, ein wenig befreit“, sagte er am Sonntag. Denn er sei ja nicht verabschiedet, sondern in erster Linie entpflichtet worden. Und das bedeute für ihn, dass er seine Pflicht in beiden Gemeinden getan habe. Und darüber sei er ausgesprochen froh. Auf seine neue Aufgabe in Antwerpen freut er sich schon, „jeden Tag ein bisschen mehr“, wie er versicherte. Aber seine beiden Gemeinden (insbesondere die Menschen“) werde er vermissen. Sie hätten ihn täglich wissen lassen, dass seine Arbeit einen Sinn habe.

Dr. Thorsten Jacobi verlässt Wiblingwerde, verlässt Hohenlimburg und verlässt Deutschland. Dass sich ihm viele Gläubige verbunden fühlten, zeigte die enorme Anzahl der Gäste, die ihn am Sonntagnachmittag verabschiedeten. Musikalisch begleitet wurde der festliche Gottesdienst unter anderem vom Singteam Wiblingwerde unter der Leitung von Kantor Johannes Köstlin. ▪ Hartwig Bröer

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